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Cover-Debatte: “Warum macht der Spiegel einen Titel, der als Poster in AFD-Büros hängen kann?”

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Dem Spiegel ist es wieder gelungen: Er beherrscht die Debatte, zumindest in der Medienberichterstattung. Jeder in der Branche hat eine Meinung zur Titelseite des Wahl-Sonderheftes - die meisten jedoch keine gute. Kritiker meinen, die Hamburger spielen mit der Angst, überhöhen den Erfolg der AfD und lassen Merkel klein und schwach aussehen. Mit diesem Titel mache der Spiegel die Alternative für Deutschland noch stärker. Aber auch weitere Cover sorgten für Aufsehen.

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Auf dem Spiegel-Cover sind in einer an “Star Wars”-Filmplakate erinnernden Optik (“Das Erwachen der Macht”) Alice Weidel und Alexander Gauland sowie eine sehr kleine und verzagte Angela Merkel zu sehen. Die beiden AfD-Spitzenkandidaten sehen bedrohlich und übermächtig aus. Die Zeile dazu lautet “Sie sind da”. Die Anspielung auf den Hitler-Bestseller “Er ist wieder da” ist offensichtlich.

Die Frage, ob man bei 12,6 Prozent für die AfD bereits davon sprechen kann, die Rechtspartei “überrolle” die Volksparteien, wird kontrovers debattiert. Danach fragte beispielsweise der ehemalige Grünen-Politiker Daniel Mack Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer. Dieser antwortet: “Hallo @danielmack, CDU, CSU und SPD wurden gestern nicht überrollt? Dann haben wir unterschiedliche Wahlen erlebt.”

Eine Interessante Twitter-Unterhaltung entspann sich zwischen Romanus Otte von der Welt und Isabell Hülsen vom Spiegel:
Otte: „Die Überhöhung der 12,6%-AFD auf dem Titel des ist wohl nur mit Sympathie für deren Positionen (Alles wird Wut) zu erklären.“

Antwort Isabell Hülsen: „Lieber Romanus, Kritik am Titel? Gerne! Aber uns Sympathie mit der AfD zu unterstellen ist selbst als Witz zu schlecht.“

Otte wieder: „Liebe Isabell, leider kein Witz. Warum macht einen Titel, der als Poster in AFD-Büros hängen, der gar AFD-Wahlplakat sein kann?“

Darauf antwortet Isabell Hülsen: „Kann mir auch kaum vorstellen dass irgendein AfD-Anhänger nach Lektüre der Texte zu dem Schluss käme.“

Abschließende Otte-Bemerkung: „Ich bezog mich auf das Titelbild, das ja wohl unbestritten ein eigenes Format mit eigener Aussage ist. Und nicht das Unwichtigste.“

Die Idee hinter dem Cover erklärte Susanne Beyer, stellvertretende Chefredakteurin des Spiegels, im heutigen Morgen-Letter “Die Lage”: „Das starke Abschneiden der AfD war abzusehen. Dass es zusammenhängen würde mit einem Verdruss an der Kanzlerin ebenfalls. Wie deutlich aber dieser Zusammenhang ist, das zeigten am Wahlabend die Ergebnisse. Unser Titelbild also: eine kleine Merkel, verzagt und leicht verdrossen, überragt vom AfD-Duo Weidel/Gauland. Titelzeile: Sie sind da.“

Weitere Reaktionen aus dem Social-Web:

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Zudem gab es in der vergangenen Woche noch mehr beachtenswerte Titelseiten. Hier sind die weiteren Cover der Woche:

Newsweek

HipHop-Fans dürfte zumindest die Titelzeile des US-Magazins an den großen Hit von Cypress Hill erinnern. Im Gegensatz zur Kiffer-Hymne geht es Newsweek jedoch um den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika und seinen Verhältnis zur Rechten. Damit sind offenbar weniger Nazis, sondern diesmal klassische konservative Kräfte gemeint.

New York Times Magazine

Die Titelgeschichte des Magazins der New York Times hat Pulitzerpreis-Potential. In einer aufwendigen Recherche zeigen die Autoren, wie der Kreml mit Hilfe von Facebook-Gruppen versucht haben soll, in den USA soziale Unruhen anzuheizen.

Fukt

Ein Mal pro Jahr erscheint eine neue Ausgabe dieses Magazin-Kleinodes. Fukt beschäftigt sich mit moderner Malerei und wurde 1999 im norwegischen Trondheim gegründet. Seit 2001 sitzt die Redaktion in Berlin. Nun ist die 16. Ausgabe erschienen. Das Oberthema diesmal lautet: Sex.

Volkskrant Magazine

Das Magazin aus den Niederlande macht mit dem ehemaligen TV-Star und Quizmaster Frank Masmeijer auf.

Das Magazin

Das Magazin aus der Schweiz fragt in seiner aktuellen Ausgabe, was gutes Design ist? Das Thema scheint sich – zumindest nach der Optik – in einer äußerst fragilen Balance zu befinden.

Manager Magazin

Die Hamburger bringen ein Portrait über den Seriengründer Marco Börries, der 200 Millionen Kleinunternehmen zu einer Digitalmacht vereinen will. Es ist insofern ein mutiges Cover, weil der Kopf des Unternehmers den Betrachter geradezu anspringt, ohne das die meisten potentiellen Käufer Börries überhaupt kennen dürften.

Monopol

“Ein Heft über die Liebe”, steht über der aktuellen Ausgabe des Kunst-Magazins. Beim ersten Blick könnte die Titelseite fast ein Jugendfoto von Angela Merkel sein.

11 Freunde

Die “Tormaschine” Robert Lewandoski sieht auf der Titelseite wie ein Kicker aus den 50er-Jahren aus. Fast zeitgleich mit dem Spiegel sprach der Bayern-Stürmer auch mit dem Fußball-Heft von Gruner + Jahr. So spektakulär wie im Nachrichtenmagazin waren seine Aussagen wohl nicht. Dafür ist das Cover weit aufregender.

Update (16.20 Uhr):
In einer ersten Version des Textes war nur ein Ausschnitt aus der Twitter-Unterhaltung von Romanus Otte und Isabell Hülsen dokumentiert.

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