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Biografie oder Nicht-Biografie: Thomas Middelhoff geht gegen Campus-Verlag vor

Brachten ihre Bücher fast zeitgleich heraus: Journalist Massimo Bognanni (l.) und der ehemalige Bertelsmann-CEO Thomas Middelhoff
Brachten ihre Bücher fast zeitgleich heraus: Journalist Massimo Bognanni (l.) und der ehemalige Bertelsmann-CEO Thomas Middelhoff

Thomas Middelhoff ist Mal wieder ein Fall für's Gericht. Dieses Mal steht der einst erfolgreiche Medienmanager und mittlerweile verurteilte Steuerhinterzieher aber auf der Klägerseite. Vor dem Landgericht Hamburg will er eine Unterlassung gegen den Campus Verlag durchsetzen, der fast zeitgleich zu seinem Buch "A 115" eine von Autor und Journalist Massimo Bognanni recherchierte Middelhoff-Biografie in den Handel gebracht hat.

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Wenn Simone Käfer, Vorsitzende Richterin der Pressekammer des Hamburger Landgerichts, schon Pläne für das Wochenende gehabt hat, könnte Thomas Middelhoff diese nun durchkreuzt haben – beziehungsweise zwei kürzlich erschienene Bücher, auf denen sein Name steht.

Die Richterin wird beide Bücher lesen, um ein Urteil im Rechtsstreit zwischen Middelhoff und dem Campus Verlag zu fällen (Az. 324 O 252/17). Dabei beschäftigt sie die Frage, ob „A 115“ (LangenMüller Verlag), das von Middelhoff selbst verfasste Buch, als eine Biografie zu werten ist oder nicht, ob sich das Buch thematisch mit der von Journalist Massimo Bognanni verfassten Biografie des einst erfolgreichen Managers deckt oder nicht. Doch dazu später mehr.

Zuerst einmal, worum es geht: Thomas Middelhoff geht nicht gezielt gegen das Werk vor, sondern will eine Kampagne untersagen lassen, mit der Campus das von Bognanni verfasste Buch bewirbt. Der Verlag hebt darin den Autoren und seine Nähe zu Middelhoff hervor. So habe Bognanni beispielsweise wichtige Orte im Leben des Managers besucht, mit Weggefährten und auch mit Middelhoff selbst gesprochen.

Middelhoff stört sich an der Werbung vor allem wegen des Hinweises auf persönliche Gespräche. Zwar hat es welche gegeben, allerdings hätten diese nicht im Zusammenhang mit der von Bognanni verfassten Biografie stattgefunden (was freilich weder Autor noch Verlag behaupten). Die Kampagne vermittle aber diesen Eindruck, finden Middelhoff und seine Anwältin Stephanie Vendt. Damit werde dem Buch so ein nicht gerechtfertigtes „Qualitätssiegel“ verliehen, so die Medien-Anwältin.

Zunächst hatte das Landgericht Hamburg dieser Ansicht zugestimmt und einem Antrag auf einstweilige Verfügung stattgegeben. Die Kammer werte die Aussage nicht als „wertneutral“, erläuterte die Vorsitzende die Entscheidung. Der Argumentation des Campus-Anwaltes Martin Schippan, der Eindruck sei „fernliegend“, folgte sie nicht.

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Ihre Meinung könnte die Kammer nach mündlicher Verhandlung aber noch einmal überdenken, signalisierte Käfer nach mündlichem Vortrag beider Seiten. Campus-Anwalt Martin Schippan wies zuvor auf den „kommerziellen Wettstreit“ beider Bücher hin. Beide Werke sind etwa zeitgleich auf den Markt gekommen und kämpfen entsprechend um Aufmerksamkeit. Der Argumentation folgend hätte Middelhoff also ein Interesse daran, dem Konkurrenz-Buch den Erfolg durch die Verhinderung der Werbung zu erschweren. Zudem dürfe man die angegriffene Werbeaussage nicht zu hoch hängen, da sie insgesamt die nur vierte in der Auflistung von fünf sei. Darüber hinaus seien alle Aussagen wahr. Das ist unstreitig. Bognanni hatte sich in Vergangenheit bereits für das Handelsblatt, bei dem er hauptberuflich als Investigativ-Reporter arbeitet, mit Middelhoff befasst und über ihn berichtet. Zudem standen er und Middelhoff – vor ihren jeweiligen Einzelprojekten – bezüglich einer Zusammenarbeit für eine Biografie in Kontakt.

Vendt setzte auf Widerspruch hinsichtlich der Wettbewerbs-Behauptung. Middelhoffs Anwältin argumentierte, bei „A 115“ handele es sich um kein biografisches Werk, das Buch sei vielmehr eine „Auseinandersetzung mit den Haftbedingungen“ ihres Mandanten. Dahingehend seien die Bücher grundsätzlich unterschiedlich. Darum würde bei der Biografie von Bognanni der Eindruck entstehen, es handele es sich um ein autorisiertes Werk.

Hier kommt nun die Wochenendlektüre ins Spiel. Die Kammer will sich nun ein Bild davon machen, inwiefern die beiden Bücher thematisch miteinander übereinstimmen, ob Middelhoffs Buch biografischer Natur sei oder es sich wie behauptet um eine Auseinandersetzung mit dem aktuellen Zeitgeschehen handelt. Die Logik dahinter: Ordnet die Kammer Middelhoffs Titel „A 115“ als autobiografisches Werk (als das es übrigens beworben wird) ein, könnte der Eindruck, die Biografie von Bognanni sei autorisiert, womöglich doch fernliegend sein. Schlichtweg, weil eine zweite autorisierte Fassung kaum Sinn machen würde. Zumindest würde die Kammer ihre Entscheidung noch einmal überdenken, deutete Käfer an. Kommt die Kammer zum selben Entschluss wie Anwältin Vendt, dürfte sie einer Unterlassung stattgeben. Das Urteil wird für kommende Woche Mittwoch (27.09.) erwartet.

MEEDIA gehört zur Verlagsgruppe Handelsblatt

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