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Produktchef Jan-Eric Peters über Springers Upday: „Für viele Publisher relevanter als die Google News-App“

Upday-Macher Jan-Eric Peters
Upday-Macher Jan-Eric Peters

Upday hat das Zeug zu einer beachtlichen Erfolgsgeschichte: So ist Springers mobiler News-Aggregator in Kooperation mit Samsung mit seinen europaweiten 100 Millionen PageViews pro Tag schon heute größer als die App von Google-News. Jetzt soll Vermarktung anlaufen. Gelingt dies, könnte Springer – im Gegensatz zu Google – über Upday Verlage via Leistungsschutz an den Umsätzen des Aggregators zu beteiligen.

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Die Konzernzentrale von Axel Springer in Berlin besteht im Grunde aus zwei Gebäudekomplexen: Das Hochhaus, in dem der Vorstand, aber auch die Redaktionen der großen alten Marken-Flagschiffe Bild und Welt sitzen, sowie aus der Springer-Passage. Von dieser geht es zu einer Vielzahl weiterer Büroflächen, die sowohl von Springer genutzt werden, aber beispielsweise aber auch die Hauptredaktion der dpa beheimaten. Am Ende der Passage (Ausgang Markgrafenstraße), sitzt der mobile Nachrichten-Aggregator Upday.

Wahrscheinlich war es keine bewusste Entscheidung der Macher, innerhalb des Konzerns zwischen dem alten Verlag und dem Neuling so viel Abstand wie nur möglich zu bringen. Allerdings birgt dieses Setting auch eine gewisse Symbolkraft.

Upday ist ein Hochbegabter in der Nachwuchsklasse des Medienhauses

Upday gehört zu den jüngsten Digital-Kindern des ehrgeizigen Verlags-Vorstandes und im Vergleich zu den anderen journalistischen Sprösslingen, entpuppt es sich immer mehr als das Projekt mit dem größten Entwicklungspotenzial. Upday ist sozusagen ein Hochbegabter in der Nachwuchsklasse des Medienhauses. Wie in der echten Schule können allerdings auch Musterschüler scheitern. Danach sieht es jedoch – erst einmal – nicht aus.

Derzeit läuft es für das verlagsinterne Startup. So können die Berliner auf starke Zahlen verweisen. Erst im Frühjahr 2016 war der fest auf Samsung-Smartpones installierte News-Aggregator gestartet. Seitdem steigerte das Angebot kontinuierlich seine Leistungsdaten. So kommt die App mittlerweile laut IVW in Deutschland auf knapp 300 Millionen Visits im Monat, die Zahl der Unique User steigerte sich von April bis August von 8 auf 13 Millionen.

Ein Hauch von Google: Die Upday-Büros in Berlin

Die Inhalte werden von acht Büros produziert und in 16 europäische Länder ausgeliefert. Ein teures Vergnügen, das aber auch hohe Reichweiten produziert. So erreicht Upday täglich mittlerweile 100 Millionen Page Views. „Wir sind in Europa die größte News-App und laut IVW nach Visits überhaupt die meistgenutzte aller deutschen Apps”, sagt Jan-Eric Peters stolz gegenüber MEEDIA. Der ehemalige Chefredakteur der Welt fungiert beim News-Aggregator als Chief Product Officer. Er kümmert sich um die Inhalte und das Produkt, während sich Peter Würtenberger als CEO auf die Vermarktung konzentriert.

Unterteilt ist das Angebot in zwei Sektionen. Erstens: die Top-News, die von den acht Redaktionsteams in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien oder auch Polen zusammengestellt werden. Sie beinhalten die aktuelle Top-Nachrichten, die jeder kennen muss und die durch keinen persönlichen Filter verloren gehen sollten. Zweitens: My News. Hier werden die Themen je nach persönlichen Interessen gefiltert. Gleichzeitig verspricht Upday auch aus den Interessen jedes Lesers zu lernen, um diesem immer bessere personalisierte Ergebnisse liefern zu können.

Jan-Eric Peters: „Bei einigen Angeboten sind wir für bis zu 20 Prozent der mobilen Reichweite verantwortlich“

Insgesamt fischt die Redaktion aus einem Pool von rund 3.500 Quellen, auf deren Inhalte entweder nur verlinkt wird oder diese kurz zusammengefasst werden. So gehen von den 100 Millionen Page Views pro Tag wiederum rund fünf Millionen Klicks direkt auf die Seiten der Publisher. „Bei einigen Angeboten sind wir für bis zu 20 Prozent der mobilen Reichweite verantwortlich, bei publizistisch renommierten Medienmarken sind es häufig auch schon um die 5 Prozent. Damit sind wir in unseren 16 Ländern für viele Publisher relevanter als die App von Google News“, sagt Peters gegenüber MEEDIA.

Bei vielen Publishern scheint Upday zu einem gewissen Faktor zu werden. So beobachtet Stefan Plöchinger, Digitalchef der Süddeutschen Zeitung beispielsweise längst, dass die Zugriffszahlen sehr schnell sehr hoch gehen würden, wenn eine Geschichte prominent von der Springer-App verlinkt wird. Das gelte jedoch auch für Inhalte, die bei Apple-News laufen. Die in den Smartphones eingebauten Newsservices hält der Münchner mittlerweile für “sehr populär, wenn man so will, das neue Google News”. Deshalb müsse man sich auch damit auseinander setzen.

Ein Blick in die App

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Das machen offenbar auch immer mehr Online-Journalisten und Site-Manager. So erzählt Peters, dass mittlerweile fast wöchentlich Kollegen aus anderen Redaktionen vorbei kommen würden, “denen wir helfen, ihre Inhalte optimal auszuspielen”. Weiter sagt er: „Manche rufen auch an, wenn sie exklusive Nachrichten haben, die eine Top News wert sein könnten.“ Dabei ist dem Macher wichtig, dass man sich stets als „neutrale Plattform“ verstehe, die niemanden bevorzugt.

Soweit, dass Inhalte bereits speziell für die mobilen News-Aggregatoren von Apple und Samsung optimiert werden, ist man jedoch noch nicht. “Schon weil die Algorithmen ja nicht dergestalt öffentlich sind, dass eine Optimierung simpel wäre”, erklärt Plöchinger gegenüber MEEDIA dazu. “Nach unserer Erfahrung sind es oft gerade auch Stücke, die wir als journalistisch wertvoll bezeichnen würden, die von uns bei Upday gut funktionieren — insofern sollten wir vielleicht einfach darauf setzen, guten Journalismus zu machen.”

So arbeitet Upday in Berlin

Ob Angeboten wie Apple News oder Upday wirklich die Zukunft gehört, will oder kann Plöchinger nicht beantworten. Er glaubt allerdings, dass viele Nutzer “auf einer grundlegenden Bedürfnisebene einfach schnell informiert werden” wollen. Dabei helfen die Neulinge.

Neben dem Umstand, dass Upday einigen Traffic an eine Vielzahl von Online-Angeboten weitergibt, legt das Springer-Startup großen Wert auf die Feststellung, dass man immer brav seinen Anteil am Leistungsschutzrecht an die VG Media abtreten würde. Denn damit unterscheidet sich der Berliner Aggregator erheblich von Google und Google News: „Seit dem Start der Beta-Phase sind wir ein Partner der VG Media. Seit zwei Quartalen überweisen wir 3,8 Prozent unserer Umsätze an die Verwertungsgesellschaft“, sagt Peters.

Davon ist bei den Publishern aber offenbar noch nichts angekommen. So sagt Plöchinger gegenüber MEEDIA: “Nein, wir haben noch kein Geld erhalten — bisher gibt es wohl keine nennenswerten Werbeumsätze, an denen man zu beteiligen wäre.”

Sind auf einem guten Weg, Upday auch wirtschaftlich erfolgreich zu positionieren

Genau an dieser Schwelle befindet sich Upday gerade, und an diesem Punkt wird sich wohl auch die Zukunft des Projektes entscheiden. Denn noch ist die App für das Medienhaus ein heftiges Zuschussgeschäft. So verriet CEO Peter Würtenberger gegenüber dem Mediendienst Horizont gerade zwar auch keine Zahlen, sagte jedoch: „Wenn alles so weitergeht wie bisher, sind wir auf einem guten Weg, Upday auch wirtschaftlich erfolgreich zu positionieren.“

Heißt: Von diesem Ziel ist man noch weit entfernt. Denn Upday ist nicht günstig. So gehören zum Berliner Headquarter rund 25 Entwickler und 25 Sales-Leute, sowie um die 50 Journalisten in den acht europäischen Redaktionen (Editorial Hubs genannt). Diesen Mix aus “Mensch und Maschine, aus professionellem Journalismus und erstklassiger Technologie” hält Peters für “das Erfolgsrezept” des Projektes. Gleichzeitig sorgt er für erhebliche Kosten.

Mit ersten Referenzkunden wie Seat will Würtenberger die Vermarktung nun auf Touren bringen. Der Markt scheint mit rund drei Milliarden Euro groß genug zu sein. Das Meiste davon streichen jedoch schon heute die US-Giganten ein.

Viele Jahre verlegten sich die Medienhäuser weitestgehend darauf, über die Marktmacht von Google, Facebook & Co. zu jammern, statt eigene Produkte zu stemmen, die das Potenzial haben, den US-Riesen etwas entgegenzusetzen. Springer könnte das mit Upday nun ändern, wenn es gelingt, die nötigen Vermarktungserlöse zu erzielen. Damit hängt schon wieder ein spannendes digitales journalistisches Projekt im Endeffekt am Tropf der Werbeeinnahmen.

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