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„Wörter können zu Waffen werden“: ARD-Vorsitzende Karola Wille reagiert „befremdet“ auf Döpfners Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Die Rede habe sie „befremdet“, sagt Karola Wille: BDZV-Chef Mathias Döpfner hatte den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als „Staatspresse“ bezeichnet
Die Rede habe sie "befremdet", sagt Karola Wille: BDZV-Chef Mathias Döpfner hatte den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als "Staatspresse" bezeichnet

Mathias Döpfner, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), hat erneut Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunksystem geäußert, indem er am Montag von "Staatspresse" sprach und vor Zuständen wie in Nordkorea warnte. Seine Attacke bleibt bei der ARD nicht ohne Reaktion: Die Vorsitzende Karola Wille wirft dem Springer-CEO "Fake News" vor und fordert mehr Sachlichkeit.

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„Wörter können zu Waffen werden – gerade deshalb ist ihr leichtfertiger Gebrauch so gefährlich“, kommentierte die ARD-Vorsitzende Karola Wille die Rede des obersten Zeitungs-Lobbyisten. „Der BDZV erkennt zu Recht den wichtigen Beitrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu Freiheit und Demokratie in unserer Gesellschaft an. Wenn Herr Döpfner aber gleichzeitig suggeriert, in Deutschland blockiere eine ‚Staatspresse im Netz‘ nach ‚dem Geschmack von Nordkorea‘ die Entfaltungsmöglichkeiten der Verlage, bewegen wir uns klar im Bereich von Fake News.“ Man sei „befremdet“.

Eine solche Wortwahl bestätige zudem durch Weiterleiten und Teilen in den sozialen Medien unter Berufung auf den BDZV leider Populisten, Verschwörungstheoretiker und ihre willigen Claqueure, heißt es bei der ARD. „Dadurch werden alle freien und unabhängigen Medien in Mitleidenschaft gezogen. Wir sollten dagegen – ohne deshalb eine kritische Auseinandersetzung hintanzustellen – gemeinsam für das einstehen, was uns stark macht und was unsere Gesellschaft in diesen Zeiten dringender denn je braucht: für Glaubwürdigkeit, für Zuverlässigkeit und für guten Journalismus.“

Döpfner hatte am Montag beim Zeitungskongress des BDZV gesprochen und die wichtigsten Themen des Lobby-Verbandes hervorgehoben. Dabei ging es unter anderem um die Regulierung der öffentlich-rechtlichen im Netz. Zeitungsverleger stören sich bereits seit Jahren an „presseähnlichen“ Produkten der ARD und ließen u.a. einen Streit um die „Tagesschau“-App gerichtlich klären.

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Döpfner formulierte in seiner Rede drastisch. Die „gebührenfinanzierte Staats-Presse“ verzerre den Wettbewerb und nehme den privaten Medien „Entfaltungsmöglichkeiten“, kritisierte er. „Nur Staatsfernsehen und Staatspresse im Netz – das wäre eher etwas nach dem Geschmack von Nordkorea.“ Zudem warnte Döpfner davor, die Rundfunkbeiträge als „Freifahrtschein“ zu werten, mit dem der „Grundversorgungsauftrag ins Uferlose“ ausgeweitet werden könne.

Kritik an Döpfners Rede kam auch vom Deutschen Journalisten Verband. „Der Zeitungskongress des Verlegerverbands wird seinem eigenen Anspruch nicht gerecht, dem Medium Zeitung neue Impulse zu geben, wenn nur gegen andere geschossen wird“, sagte der Bundesvorsitzender Frank Überall. Zeitungsverleger sollten sich lieber mit ihrer eigenen Branche und den eigenen Häusern befassen, anstatt „in wütenden Attacken den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die kommunalen Pressestellen anzugehen“, so der DJV.

Am Dienstagvormittag reagierten die Zeitungsverleger – zumindest auf die Antwort von Karola Wille. Die ARD-Vorsitzende konstruiere Zusammenhänge, heißt es in einer weiteren Mitteilung. „Wenn die ARD-Vorsitzende Dr. Karola Wille ihre eigene Interpretation („suggeriert“) in den Vordergrund stellt und dabei auch noch den BDZV der ‚Fake News‘ bezichtigt, ist dies unzutreffend“, so der BDZV. Zudem habe man keinen direkten Vergleich mit Nordkorea angestrengt, sondern vor einem Szenario wie diesem gewarnt.

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