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“Völliger sinn- und basisfreier Blödsinn”: Wie Ösi- und Russen-Medien einen Mega-Winter herbeifantasieren

Sputnik und Krone.at sind sich sicher: “Kälteste Winter seit 100 Jahre ist im Anmarsch”
Sputnik und Krone.at sind sich sicher: “Kälteste Winter seit 100 Jahre ist im Anmarsch”

Eine alte Online-Journalisten-Regel besagt: Wetter klickt gut. Regionale Storys über Hitzewellen, Dauerregen, Dürreperioden oder Gewitter-Walzen, die auf die eigene Stadt zu rollen oder drohen interessieren die Leser immer. Allerdings sind sie mit teils skurriler Quellenlage auch oftmals an den Haaren herbeigezogen. Aktuelles Beispiel: Die österreichische Krone sitzt einer bizarren Wetter-Meldung aus Russland auf. Demnach sei der “kälteste Winter seit 100 Jahre im Anmarsch”.

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Genau so titelte die Kronen Zeitung auf ihrer Webseite. Alleine der Teaser macht schon Angst, enthält aber auch eine klare Handlungsanweisung: “Nach einem der heißesten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen droht Europa nun ein Winter der Eiseskälte. Das prognostizieren laut einem russischen Nachrichtenportal britische Klimaforscher. Es sei ratsam, sich rechtzeitig mit warmer Kleidung einzudecken. Ein erster Wintereinbruch soll bereits Mitte Oktober kommen.”

Mit dieser beängstigen Information gelang dem Österreichern auch im deutschen Web und echter Social-Media-Hit. Nach MEEDIA-Analyse sammelte sie bis zum frühen Morgen stolze 8.500 Likes, Reactions, Shares, Kommentare und Retweets bei Facebook und Twitter ein.

Allerdings macht die Quellenlage schon durchaus stutzig. Die Krone schreibt von einem russischen Nachrichtenportal, das sich auf britische Klimaforscher stützt. Das österreichische Boulevard-Medium beruft sich auf das staatliche russische Magazin Sputnik, dort wiederum ist zu lesen, „das Portal planetanovosti.com“ würde darüber berichten – und nenne als Quelle „britische Klimaexperten“.

Einen genauen Link liefert Sputnik nicht, auf planetanovosti.com ist – zumindest auf der Startseite – kein solcher Artikel zu finden und eine Google-Suche nach dem „coldest winter in 100 years“ findet zwar aus so ziemlich jedem Jahr der jüngeren Vergangenheit einen entsprechenden Artikel – aber nicht aus diesem.

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Die wohl prägnanteste Zusammenfassung des Falls lieferte Jörg Kachelmann. Via Twitter postete er dazu: „Ums nochmal zu sagen: völlig sinn- und basisfreier Blödsinn […] Von Deppen, für Deppen. Der Rest kann weinen/lachen.“

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