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Streamingdienste als neue Fernseh-Avantgarde: Hulu-Serie „Handmaid’s Tale“ räumt bei den Emmys ab

Elizabeth Moss in der Emmy-prämierten Hulu-Serie „The Handmaid’s Tale“
Elizabeth Moss in der Emmy-prämierten Hulu-Serie "The Handmaid's Tale"

„The Handmaid’s Tale“ (dt: „Der Report der Magd“), eine Eigenproduktion des Streaminganbieters Hulu, ist bei der Verleihung der Emmys als beste Drama-Serie ausgezeichnet worden. Zum ersten Mal überhaupt gewann eine Streaming-Serie die Königsdisziplin des wichtigsten internationalen TV-Preises. Auch in puncto Qualität und Re­nom­mee lassen Netflix, Hulu & Co. das klassische Fernsehen also immer weiter in sich.

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Desfred ist Magd in einem totalitären Regime: Ihre einzige Aufgabe besteht im Gebären von Kindern. Insgesamt sind Frauen den Männern gänzlich untergeordnet, dürfen nicht lesen, müssen sich komplett verhüllen und verfügen über keinerlei Besitz. In der Gesellschaft, in der Desfred lebt, regieren Überwachung und Angst: Menschen werden an der Stadtmauer wegen Verrats erhängt oder buchstäblich dem Mob vorgeworfen, die freie Presse wurde verboten, alte, schwache und geburtsunfähige „Unfrauen“ werden in Kolonien verbannt.

Margaret Atwoods Roman „The Handmaid’s Tale“ erschien bereits im Jahr 1985 und spielt in den Vereinigten Staaten in nicht allzu ferner Zukunft. Der Streamingdienst Hulu hat die Dystopie nun als Fernsehserie verfilmt; in der Rolle der Desfred (im Original: Offred) brilliert Elizabeth Moss („Mad Men“, „Top of the Lake“). Kritiker überschlagen sich mit Lob und auch bei den Emmys räumte „The Handmaid’s Tale“ nun ab: Insgesamt acht Auszeichnungen gewann die Serie, darunter „Beste Hauptdarstellerin“, „Bestes Drehbuch für eine Dramaserie“, „Beste Regie für eine Dramaserie“ und „Beste Dramaserie“. Es ist das erste Mal, dass der Emmy in dieser wichtigsten Kategorie an einen Streamingdienst ging.

Die Emmys, die als wichtigste Fernsehpreise der Welt gelten, wurden in diesem Jahr zum 69. Mal verliehen. Und der unaufhaltsame Triumph der Streamingdienste über das klassische Fernsehen könnte kaum deutlicher sein. Betrachtet man ausschließlich die Anzahl an Trophäen, war zwar NBCs Polit-Satire-Show „Saturday Night Live“ mit insgesamt neun Emmys der größte Abräumer des Abends. Doch alles in allem war die Emmy-Verleihung der Abend der Streamingdienste: Hulu gewann insgesamt zehn Emmys und Netflix 20. Amazon Prime war immerhin 16 Mal nominiert.

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Doch warum sind die Eigenproduktionen der Streaminganbieter so gut? Die Antwort lautet darauf – mal wieder: Sie sind mutig. Netflix & Co. sind nicht abhängig von Einschaltquoten oder Werbegeldern. Das macht sie offen für Themen abseits vom Mainstream und Geschichten über Randgruppen. Beispielhaft dafür ist die Serie „Master of None“. Die Netflix-Produktion gewann einen Emmy für das „Beste Drehbuch für für eine Comedyserie“ und handelt von dem amerikanisch-indischen Schauspieler Aziz Anzari. Anzari hat das Buch selber geschrieben, gemeinsam mit Lena Waithe. Waithe ist die erste schwarze Frau, die in dieser Kategorie für einen Emmy nominiert war. Am Sonntagabend dankte sie auf der Bühne allen Zuschauern, die „einen kleinen indischen Jungen aus South Carolina und ein queeres, schwarzes Mädchen von der South Side in Chicago“ lieb gewonnen haben.

Hulu, Amazon Prime, Netflix – sie alle brechen nicht selten mit gängigen Serienklischees und machen Außenseiter zu Helden: Homosexuelle, Schwarze, alternde Frauen. Und damit verfestigen sie zunehmend ihren Rang als Avantgarde für kreatives Fernsehen.

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