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iPhone X-Launch: Warum die Wall Street Apple trotz der Produktoffensive abstraft

Tim Cook auf der iPhone X-Keynote
Tim Cook auf der iPhone X-Keynote Screenshot: © Apple

Es wieder einmal so weit: Da stellt Apple die größten Produktneuheiten seit drei Jahren vor, doch an der Wall Street geht die Apple-Aktie in den Sinkflug über. Zwar hat der Kursverfall nach einer Keynote als „Buy the Rumour, sell the News“-Phänomen Methode, doch diesmal hat Apple der Börse mit dem ungewöhnlich späten Auslieferungstermin vor den Kopf gestoßen. Das Problem für Apple: Die optimistischen Analystenschätzungen für das Weihnachtsquartal erscheinen nun zu ambitioniert.

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Eigentlich schien alles klar: Nach drei langen Jahren im gleichen Design würde Apple endlich zum zehnjährigen Jubiläum seines Kultsmartphones einen großen Relaunch anstreben, der Apple-Fans wegen der aufgestauten Nachfrage nach einem brandneuen Gerät in einen orgiastischen Kaufrausch versetzen würde.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätte Apple geliefert: Das neu designte iPhone X mit randlosem OLED-Display besitzt fraglos den Apple-typischen Wow-Faktor. Es ist der neue Goldstandard der Smartphone-Luxusklasse, die allerdings ihren Preis hat.

Apple betritt mit Auslieferung des iPhone X im November Neuland

Was die Wall Street unterdessen mindestens genauso umtreibt wie die aggressive Bepreisung, ist der späte Auslieferungstermin für das neuen iPhone X. Seit exakt fünf Jahren können sich Anleger und Analysten darauf verlassen, dass Apple in der ersten oder zweiten September-Woche seine iPhone-Keynote abhält und die neuen Geräte dann eineinhalb oder spätestens zweieinhalb Wochen später in den Handel kommen – in jedem Fall bis Ende September.

Nun jedoch betritt Apple bei seinem iPhone X Neuland. Es wird wegen Produktionsproblemen erst am 3. November ausgeliefert – 34 Tage nach Start des neuen Quartals bzw. Fiskaljahres. Positiv für Apple: Der aufgestaute Käuferansturm, der am Startwochenende schnell für 15 Millionen verkaufte Einheiten sorgte, fällt damit diesmal in das Weihnachtsquartal. Negativ: Mehr als ein Drittel der Verkaufszeit fehlen im wichtigsten Geschäftszeitraum – wenn Apple am 3. November denn überhaupt mit voller Kapazität ausliefern kann.

Nicht alle Apple-Fans dürften das iPhone X unter dem Weihnachtsbaum finden

Die immer neuen Berichte aus den vergangenen Monaten über Produktionsprobleme sind nicht besonders ermutigend. Zuletzt hieß es, Apple könne aktuell am Tag gerade einmal 10.000 Einheiten fertigen lassen – das wären aktuell nur 300.000 in einem Monat. Wie das Wall Street Journal und im Vorfeld auch immer wieder der gut unterrichtete KGI Securities-Analyst Ming-Chi Kuo berichtet haben, kann Apple seine Massenproduktion wohl erst Ende Oktober hochfahren.

„Hochfahren“ bedeutet allerdings nicht, aus dem Stand 40 Millionen Einheiten zu produzieren, die die Wall Street im Weihnachtsquartal einkalkuliert hat. Entsprechend wäre es keine Überraschung, wenn sich das bekannte Phänomen der mangelnden iPhone-Verfügbarkeit zum Launch wiederholt: Der späte Launchtermin bedeutete schließlich in der Vergangenheit, dass selbst bei den eifrigsten Bestellern eine um drei bis sechs Wochen spätere Zustellung erfolgte. Wiederholt sich die Geschichte, dürfte es für viele Apple-Fans eng mit einem iPhone X unter dem Weihnachtsbaum werden – und damit erst recht für Apple, die hochfliegenden Schätzungen der Wall Street zu erfüllen.

Schätzungen für Weihnachtsquartal in Frage gestellt

Die waren im Vorfeld des iPhone X-Launches nämlich immer in die Höhe geschossen.  Umsätze in Höhe von bis zu 87 Milliarden Dollar erwarteten Analysten im Vorfeld der gestrigen iPhone-Keynote im Dezember-Quartal – und 85 Millionen verkaufte Apple-Smartphones. Beide Vorgaben wären mit Abstand Rekordwerte: Im vergangenen Jahr erlöste Apple bei 78 Millionen verkauften iPhones 78,4 Milliarden Dollar.

Nach der Lieferverzögerung des iPhone X erscheinen die Analystenschätzungen nunmehr sehr ambitioniert, wie der langjährige Apple-Analyst und heutige Wagnisfinanzierer Gene Munster erklärt: „Sie haben die Erwartungen bei den Auslieferungen enttäuscht“, ordnete Munster bei CNBC den iPhone X-Launch ein. Ob das iPhone 8 und iPhone 8 Plus, die nur ein kleines Upgrade zum iPhone 7 und 7 Plus darstellen, zu Quartalsbeginn in die Bresche springen können, erscheint zudem fraglich.

Kurssturz vernichtet 30 Milliarden Dollar Börsenwert

Entsprechend zeigt sich die Wall Street enttäuscht und lässt die Apple-Aktie, die während der Keynote noch bis auf fast 164 Dollar (und damit einen Dollar unter den Allzeithochs) angezogen hatte, wieder fallen. Bei 158 Dollar hat das Papier binnen 24 Stunden nun schon 6 Dollar bzw. 30 Milliarden Dollar an Börsenwert eingebüßt.

Anleger und Analysten dürften nun gespannt auf die nächsten Quartalszahlen Ende Oktober blicken – und damit auf Apples eigenen Ausblick auf das Dezember-Quartal. Nach dem späten Launch des iPhone X dürfte sich ein Teil der Nachfrage – Munster rechnet mit 10 Prozent – entsprechend in das März-Quartal verschieben, das dann umso stärker ausfallen könnte. Der Wall Street gefallen solche Abweichungen in Planbarkeit und direkter Vergleichbarkeit jedoch bekanntermaßen gar nicht…

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