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Nach nur einem halben Jahr: Verleger Jakob Augstein kehrt in Freitag-Chefredaktion zurück – Christian Füller geht

Spiegel-Erbe Jakob Augstein ist Verleger des Meinungsmediums Der Freitag
Kehrt zurück in die Chefredaktion seiner eigenen Zeitung: Spiegel-Erbe und Freitag-Verleger Jakob Augstein

Beim Wochenblatt Der Freitag stellt sich die Chefredaktion mal wieder neu auf: Nach nur einem halben Jahr an der Spitze verlässt Chefredakteur Christian Füller die Zeitung schon wieder. Gründe dafür nennt der Verlag nicht. Füller gehe auf "eigenen Wunsch", heißt es lediglich. An seine Stelle tritt Jakob Augstein, der sich zuletzt eigentlich auf seine Verlegerrolle konzentrieren wollte.

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Füller hatte seinen Job erst im März dieses Jahres angetreten, nachdem der bisherige Chefredakteur Philip Grassmann abgetreten war. Der Wechsel an der redaktionellen Spitze folgte kurz nach Bestellung von Jürgen Todenhöfer als neuer Herausgeber des Freitag. Jakob Augstein, der den Verlag seit 2008 besitzt, hatte diese Positionen neu besetzt, um sich selbst auf die Rolle des Verlegers konzentrieren zu können.

Diese Entscheidung hat er nun wieder rückgängig gemacht. Dabei verzichtet Augstein auf eine Erklärung, ob es sich um eine Interimslösung handelt. In der Personalmeldung des Hauses heißt es, der Verleger trete wieder als Verantwortlicher im Sinne des Presserechts in die Chefredaktion ein. Im Dezember soll das Führungsteam, das neben ihm aus Michael Angele besteht, um Simone Schmollack erweitert werden. Sie kommt, wie der scheidende Chef Füller, von der taz. Zur taz wiederum wechselt in Kürze Katja Kullmann. Sie war Vize-Chefredakteurin des Freitag und ist bei der linken tageszeitung zukünftig als „Themenchefin“ im Einsatz.

„Der Freitag wird mit Simone Schmollack seine alte Stärke für den Osten des Landes untermauern – und zugleich neue Seiten für eine junge, linksliberale, weibliche Leserinnenschaft öffnen“, erklärt Augstein dazu und unterstreicht damit die Gratwanderung, die der Verleger mit seinem Projekt unternimmt. Augstein baut das Blatt, dessen Leser ihre Wurzeln im ostdeutschen Bildungsbürgertum haben, konsequent um. „Mit ihm wurde aus dem alten Kulturwehmutsblatt im Zeichen einer nie zuwege gebrachten Volksfrontidee aller ‚fortschrittlichen Kräfte‘ eine Zeitung mit aktuellen Fragestellungen“, schrieb mal die taz. Der Umbau scheint mit Blick auf die Auflage erfolgreich. Die verkaufte Auflage steigt, im Vergleich zum Vorjahr, um rund 21 Prozent. Von einer hohen Reichweite ist der Freitag aber weit entfernt. Insgesamt verkauft Augstein etwas mehr als 23.000 Exemplare (IVW 2/17).

Neben der Veränderung in der Chefredaktion verlagert Augstein auch die Ressourcen in den Ressorts. Neuer Ressortleiter für den Politikteil der Zeitung wird Sebastian Puschner, bislang zuständig für das Wirtschaftsressort.

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