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Prozessauftakt gegen Marcel H: WDR verpixelt Foto des Doppel-Mörders, weil er ihm „keine Bühne bieten will“

Der WDR zeigt den Doppelmörder Marcel H nur verpixelt
Der WDR zeigt den Doppelmörder Marcel H nur verpixelt

Am Freitag startete der Prozess gegen Marcel H: Der junge Mann ermordete Anfang des Jahres seinen neunjährigen Nachbarn sowie einen Freund auf brutale Art und Weise. H. inszenierte sich dabei selber im Netz als Helden; veröffentlichte Fotos seiner Tat auf dem anonymen Messagingboard 4Chan. Vor Gericht wünschte er sich ausdrücklich, in der Berichterstattung nicht unkenntlich gemacht zu werden. Der WDR will ihm diesen Gefallen nicht tun.

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„Das große Finale steht kurz bevor“, schrieb Marcel H. an einem Donnerstagabend im März auf der Plattform 4chan. Die User feuerten ihn an: „liefern jetzt wie versprochen!!!“ H. hatte angekündigt, sich um 21.00 am selben Abend der Polizei stellen zu wollen. Das Finale einer Polizeijagd, die H. selber im Netz inszeniert hatte. Entsprechend gelassen war er Medienberichten zufolge während seiner Festnahme.

Der 19-Jährige aus Herne hatte zuvor den neunjährigen Jaden erstochen sowie den 22-jährigen Christopher. Nach dem Mord an dem Kind fotografierte er sich selber, mit blutverschmierten Händen; im Hintergrund der tote Junge. Das Foto verschickte er via WhatsApp an einen Chat-Freund. Kurz vorher hatte er schon angekündigt, gleich „etwas knastwürdiges“ zu tun. „Willst später 4chan-reife Bilder?“, fragte er.

Nach der Tat teilte er seinem Freund mit: „Ich hab grad den Nachbarn umgebracht, fühlt sich ehrlich gesagt gar nicht so besonders an. Ich gehe mal davon aus, dass ich mich irgendwo in ein paar Tagen stellen lasse und dann das Knastleben genieße. Vielleicht lock ich noch nen Nachbarn rüber und mach da das Gleiche. Dann habe ich jetzt zwei Morde auf dem Hals.“ Auch aus seiner vermeintlichen Motivation macht er kein Geheimnis: „Kein Bock mehr, ich will nicht arbeiten. Das ist eigentlich der Grund. Ich müsste bald Bewerbungen schreiben, aber na ja.“

Auf 4chan wurde er für seine Taten bejubelt: „1st Murder on /b/ nice“ hieß es dort, noch bevor die Leiche von den Eltern des Jungen entdeckt wurde. Sowie: „Fucking mad man, he did it!“

Am Freitag startete nun der Gerichtsprozess gegen Marcel H. Auch hier will er sich inszenieren, zur Berühmtheit werden und bat nach Angaben des WDR ausdrücklich darum, auf Fotos nicht unkenntlich gemacht zu werden. Der WDR tat dies dennoch und veröffentlichte dazu unter seiner Berichterstattung zum Prozessauftakt folgende Stellungnahme:

Wir haben entschieden, Marcel H. nicht unverpixelt zu zeigen. Rechtlich wäre dies möglich, weil Marcel H. vor Gericht sogar den ausdrücklichen Wunsch geäußert hat, er wolle nicht unkenntlich gemacht werden. Der Grund für unsere Entscheidung: Wir wollen niemandem eine Bühne bieten, der schockierende Fotos seiner Opfer ins Netz gestellt und mit seinen Taten geprahlt haben soll.

Im März dieses Jahres wurde das Gesicht von Marcel H von der Polizei zu Fahndungszwecken genutzt und bundesweit verbreitet. Nach der Festnahme des 19-Jährigen entschied sich Redaktion der „Aktuellen Stunde“ des WDR, das Foto nun wieder zu verpixeln, um die Persönlichkeitsrechte des mutmaßlichen Täters zu schützen. Bei Facebook begründet die Redaktion der „Aktuellen Stunde“ des WDR die Verpixelung des Fotos des Tatverdächtigen folgendermaßen: „Das Foto von Marcel H. wurde von der Polizei als Fahndungsfoto veröffentlicht. Nachdem die Fahndung jetzt beendet ist, gilt das Bild nicht mehr als Fahndungsfoto. Stattdessen hat wieder das Recht am eigenen Bild Vorrang. (D.h., das Foto einer Person darf nicht ohne Genehmigung verbreitet werden.) Dieses Recht gilt in einem Rechtsstaat für alle, auch für mutmaßliche Täter.“

Die Praxis, nach einem Fahndungserfolg die Bilder von mutmaßlichen Tätern erneut zu verpixeln ist nicht unüblich. Auch in früheren Fällen haben Medien dies schon so gehandhabt. Das Vorgehen ist dabei meist jedoch nicht einheitlich, einige Medien verpixeln die Fotos nachträglich, andere nicht. Im Netz existiert H.’s Bild freilich trotz Verpixelung weiter.

Auch im aktuellen Prozess gibt es bislang keine einheitliche Regelung. Zahlreiche andere Medien wie n-tv, Spiegel Online und die Welt zeigen das Gesicht von Marcel H. ebenfalls nicht. Die Bild, die Hamburger Morgenpost sowie der Westfälische Anzeiger hingegen gehören z denjenigen, die Aufnahmen des 19-Jährigen unverpixelt zeigen.

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