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Neuer Ärger für Grossisten: Auch Gruner + Jahr zeigt Verband die kalte Schulter und bleibt Kongress fern

G+J-Chefin Julia Jäkel
G+J-Chefin Julia Jäkel

Das tradierte Grossosystem steht auf der Kippe. Die Allianz aus sechs Großverlagen will dem Vertriebssystem den Rücken kehren, wenn sich die Grossisten nicht effizienteren Strukturen öffnen. Wie MEEDIA erfuhr, hat auch das nicht zur Allianz gehörende Medienhaus Gruner + Jahr die Gespräche mit dem Verband auf Eis gelegt. Die Verlage fordern vor allem Fusionen und eine Reduzierung der Grossobetriebe.

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Es ist ein System, auf dem der gesamte Zeitungs- und Zeitschriftenvertrieb Deutschlands fußt: der Grossohandel. Tag für Tag verteilen fast 50 Firmen einen bunten Strauß von Publikationen bundesweit über rund 110.000 Verkaufsstellen an ihre Leser. Das ist für die Grossobranche ein lukratives Geschäft: Im vergangenen Jahr setzen die Unternehmen mehr als zwei Milliarden Euro um.

Doch jetzt steht das bisherige Grossosystem auf der Kippe. Denn eine Allianz aus sechs Großverlagen (Bauer Media, Funke, Axel Springer, Burda, Klambt und Spiegel-Verlag) will 2018 ein eigenes Vertriebssystem aufbauen, falls der Grossoverband nicht den Forderungen der Medienhäuser nachkomme. Doch der Verband scheint sich nicht zu bewegen. Seit sechs Monaten verhandeln die Verlagsallianz und der Verband vergeblich um eine Neuausrichtung des Systems, heißt es aus Branchenkreisen. Die Printhäuser sind daher sauer. Die Unternehmen zogen die Konsequenz und blieben der in dieser Woche beginnenden Jahrestagung der Grossisten in Baden-Baden fern.

Jetzt bekommt die Allianz Verstärkung, und der Druck auf den Grosso-Verband erhöht sich. Denn auch die Verhandlungen mit Gruner + Jahr, die nicht der Verlagsallianz angehören, sind aktuell ausgesetzt. „In den letzten Monaten wurde intensiv mit dem Presse-Grosso über die Handelsspannenvereinbarung 2018 diskutiert. Diese Gespräche haben zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis geführt. Der DPV Deutscher Pressevertrieb, der im Namen von Gruner + Jahr mit dem Grosso-Verband verhandelt hat, hat daher sein Angebot vorerst zurückgezogen“, erklärt eine G+J-Sprecherin auf MEEDIA-Anfrage und ergänzt: „Da wir aktuell keine Signale erkennen, dass der Grosso-Verband die Gespräche mit uns wieder aufnehmen möchte, haben wir entschieden, nicht an der Grosso Jahrestagung teilzunehmen“, heißt es.

Über das weitere Vorgehen werde G+J nun intern beraten: „Wir gehen aber davon aus, dass die Gespräche zu gegebener Zeit fortgesetzt werden“, so eine G+J-Sprecherin. Auch die heutige Vorabend-Veranstaltung, die DPV und Spiegel-Verlag traditionell vor der Grosso-Tagung austragen, wurde abgesagt: „Ebenso befinden sich die Gespräche der Verlagsallianz, welcher der Spiegel-Verlag angehört, in einer äußerst kritischen Phase. Vor diesem Hintergrund sahen wir leider keine andere Möglichkeit, als auch die Vorabend-Veranstaltung vom DPV Deutscher Pressevertrieb und Spiegel Verlag abzusagen“, heißt es hierzu bei Gruner + Jahr. Nicht in Zusammenhang mit dem abgebrochenen Grosso-Gesprächen stünde allerdings die Absage von G+J-Chefin Julia Jäkel für ein Interview, das sie auf der Grosso-Tagung führen sollte. Diesen Termin habe sie bereits vor Wochen aus zeitlichen Gründen abgesagt. Der Grossoverband wirbt allerdings auf seiner Webseite mit der G+J-Chefin als Interviewparterin.

Der Unmut der Verlage über das Grosso schwelt seit Längerem. Jetzt hat die Auseinandersetzung eine neue Qualität erreicht. Denn die derzeitige Verlags-Allianz um Burda will sich mit den bisherigen Strukturen nicht mehr abgeben. Zu komplex, zu schwergängig, zu ineffizient sei das System. Die Mitgliedsunternehmen fordern, eine radikale Reform des Vertriebsapparats. Dazu soll die Zahl der im Grossoverband organisierten Mitgliedsfirmen von 38 deutlich sinken – dem Vernehmen nach auf eine Zahl zwischen 15 und 20. Für die Verlage wäre eine Strukturreform von Vorteil: Die Handelsspannen könnten sinken, die Medienhäuser wären finanziell entlastet. Dies käme der Zeitungs- und Zeitschriftenbranche nur Recht. Denn die Printhäuser haben angesichts nachlassender Vermarktungsumsätze mit sinkenden Gewinnen kämpfen.

Grosso-Bundesverband kann die Absage der Verlage „nicht nachvollziehen“

Kurz vor Beginn der Jahrestagung der Grossisten erhöhte jetzt Burda-Vorstand Philipp Welte noch einmal den Druck, um die Grossisten zu Gesprächen zu bewegen. In einem Interview mit MEEDIA erklärte er, dass die Verhandlungen zu scheitern drohen, falls die Unternehmen die Vorschläge der Verlage ablehnten. Sollte dies geschehen, würde sich die Medienhäuser nach Alternativen umschauen. „Die Situation ist tatsächlich prekär, denn entweder entschließen sich die Grossisten, gemeinsam mit uns an einer innovativen Veränderung des Systems zu arbeiten, oder wir Verlage müssen andere Wege gehen“, sagte Welte.

Bislang reagierte der Bundesverband Presse-Gross mit Unverständnis. Man bedauere die Absage der Verlage und könne diese nicht nachvollziehen, hieß es dazu am Freitag. „Tatsächlich sind die Gespräche über eine neue Branchenvereinbarung bisher sehr konstruktiv verlaufen“, betont der Verband. „Beide Seiten haben noch vor wenigen Tagen konkrete Einigungsvorschläge eingebracht“, heißt es weiter. Es bestünde zudem kein Zeitdruck, da die Vereinbarung über neue Handelsspannen bis Ende Februar 2018 gelte. Vor dem Hintergrund der schwierigen Marktentwicklung sei das persönliche Gespräch wichtiger denn je, um gemeinsam eine tragfähige Lösung zum Erhalt und zur Fortentwicklung des bewährten Grosso-Systems zu finden. Hierfür böte die Jahrestagung ideale Voraussetzungen. Das Presse-Grosso stehe bereit, die Gespräche fortzuführen.

Jetzt, nach dem Interview und anderen Mediendiensten, hält sich der Grossoverband mit weiteren öffentlichen Äußerungen bedeckt. Er will offenbar zunächst die Stimmen seiner Mitglieder auf der Jahrestagung einholen, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Die Stimmung dürfte auf der Tagung dürfte gereizt sein. Denn es geht um viel die Grossisten. Sollten die Verlage ein eigenes Vertriebssystem aufbauen, wären viele Vertriebsunternehmen ruiniert.

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Alle Kommentare

  1. @System-Presse

    Geht doch endlich sterben und schickt Eure @Journaille zum Arbeiten anstatt dem bisherigen Lügen – am besten nach Workuta.

    Ihr Print-Medien seid in max. 10 Jahren so exotisch wie die Fiaker am Steffel (Stephansdom) und Ihr stinkt heute schon genauso wie die Gäule dort – durch Eure Lügen gegen Eure Leser!

  2. Erst der Feldzug der Verlage gegen die TV Anstalten nun sucht man sich einen schwächeren Gegner, den deutschen Grosso. Man kann nur hoffen, dass die Politik gegen diese neue Monopolgemeinschaft vorgeht.

    1. „dass die Politik gegen diese neue Monopolgemeinschaft vorgeht.“

      Wird „die Politik“ sicher niemals, denn ohne die Journaille wären die Lügen der Politik auch der letzten Oma Maier bewußt.

      Mutti, Maddin & co der Einheitspartei BRD brauchen die Lügenpresse zwingend, sonst bricht das System zusammen.

      Die Lufthoheit über die Medien ist die Basis (je)des Regimes!

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