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Wie Alice Weidel mit billigen Äpfel-Birnen-Vergleichen das ZDF in die Lügen-Ecke stellt

Kalkulierter Abgang? AfD-Politikerin Weidel verließ die Live-Sendung „Wie geht’s Deutschland“
Kalkulierter Abgang? AfD-Politikerin Weidel verließ die Live-Sendung "Wie geht's Deutschland"

In einem Facebook-Video versucht AfD-Frau Alice Weidel, sich für ihre Flucht aus der ZDF-Sendung "Wie geht's, Deutschland?" zu rechtfertigen. Ein zentraler Punkt in ihrer Argumentation: Das ZDF würde falsche Zahlen zur Kriminalität bei Flüchtlingen verbreiten. Doch Weidel vergleicht Äpfel mit Birnen und hetzt damit ihre Fans gegen die unabhängigen Medien auf.

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Alice Weidels Flucht aus der ZDF-Sendung „Wie geht’s, Deutschland?“ bestimmte am Mittwoch noch zahlreiche Diskussionen in den sozialen Netzwerken. Auch teilnehmende Politiker äußerten sich. So schrieb Heiko Maas auf Facebook: „Wir sollten uns hüten, auf diese geplante, peinliche Inszenierung hereinzufallen. Es ist ein billiger Trick von Rechtspopulisten, sich als Opfer darzustellen. In Wirklichkeit sind es geistigste Brandstifter. Demokraten debattieren, aber daran hat die AfD keinerlei Interesse.“ Mehr als 6.800 Likes, Reactions, Shares und Kommentare sind für Maas die besten Zahlen aller Facebook-Posts des bisherigen Jahres. Katja Suding von der FDP ergänzte: „Wenn Frau Weidel keine Kritik aushalten kann, ist sie für den Bundestag nicht geeignet.

Weidel selbst rechtfertigte sich auf Facebook noch einmal, diesmal in einem Zusammenschnitt aus Szenen der ZDF-Sendung. Weidel erneuert ihre Kritik an der Moderatorin Marietta Slomka, „die mich nicht einen Satz hat zu Ende sprechen lassen“, um direkt danach einen Ausschnitt mit einem vollständigen Satz von sich zu zeigen. In dem Video wird auch deutlich, wie die AfD Medien in eine Ecke stellt, sie als Lügner darstellt oder mindestens als von der Regierung gekauft. Es geht um die Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer im Jahr 2016. 8,6% nennt das ZDF und zitiert damit die offizielle „Polizeiliche Kriminalstatistik“ (PKS). Dort steht sie im Jahrbuch Band 3 auf Seite 13 in der Tabelle „Tatverdächtige bei Straftaten insgesamt ohne ausländerrechtliche Verstöße“. Unter „ausländerrechtlichen Verstößen“ versteht man u.a. die unerlaubte Einreise oder den unerlaubten Aufenthalt. Logisch, dass insbesondere hier Zuwanderer stark vertreten sind. In den Statistiken werden diese Verstöße in der Regel gesondert ausgewiesen bzw. heraus gerechnet, das tat auch das ZDF.

In Weidels Video gibt es an dieser Stelle eine Umblende und einen Zoom auf eine ganz andere Zahl: 40,4%! Der billige Trick der AfD-Frau: Sie zeigt einfach die Gesamtzahl der „nichtdeutschen Tatverdächtigen“ (zu finden ebenfalls auf Seite 13 des oben verlinkten Dokuments). Weidel rechnet also nicht nur Verstöße gegen das Ausländerrecht hinein (die für Deutsche nun wirklich keine Gefahr für Leib und Leben sind), sondern sie zählt auch noch sämtliche anderen Ausländer hinzu, die keine Zuwanderer sind. Also z.B. auch alle Tatverdächtigen aus EU-Ländern. Schaut man nämlich auf die Liste der nichtdeutschen Tatverdächtigen nach Staatsangehörigkeit (Seite 122 im erwähnten Dokument), so finden sich (ohne ausländerrechtliche Verstöße) die Türkei und EU-Länder wie Rumänien und Polen ganz vorn. Kann natürlich sein, dass die AfD auch EU-Ausländer aus Deutschland ausweisen will, doch mit der Zahl der „tatverdächtigen Zuwanderer“ haben die 40,4% nun wirklich gar nichts zu tun.

Weidels Kommentar nach dem Zeigen der 8,6% und der 40,4%: „So sieht Journalismus bei einem TV-Sender aus, bei dem die Bundesregierung offensichtlich nicht nur die Moderatoren bestimmen kann, sondern viel mehr“. Nein, Frau Weidel. So wie Ihr Video sehen billiger Populismus, Angstmacherei, unsachliche Medien-Beschimpfung und übelster Wahlkampf auf dem Rücken Hilfsbedürftiger aus.

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+++Warum habe ich die Sendung "Wie gehts, Deutschland?" verlassen? Die Antwort erhalten Sie kommentiert im folgenden Video!+++

Posted by Alice Weidel on Mittwoch, 6. September 2017

Hinweis: Dieser Text erschien am Donnerstag zuerst im MEEDIA-Morgen-Newsletter #trending, in dem Sie werktäglich gegen 7.30 Uhr über die populärsten Themen und Trends aus den sozialen Netzwerken und anderen Teilen des Netzes informiert werden. Hier geht’s zum kostenlosen E-Mail-Abo: Klicken Sie auf „die MEEDIA Trending Newsletter“ und tragen Sie Ihre Mail-Adresse ein.

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