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Keine Kandidatur für den Top-Job: G+J-Chefin Julia Jäkel wird nicht VDZ-Präsidentin

Eigener Weg statt Rückkehr in den Verlegerverband: Julia Jäkel wird nicht als VDZ-Präsidentin kandidieren
Eigener Weg statt Rückkehr in den Verlegerverband: Julia Jäkel wird nicht als VDZ-Präsidentin kandidieren

Unter Hochdruck sucht der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger einen Nachfolger für den jäh ausgeschiedenen Präsidenten Stephan Holthoff-Pförtner. Nun ist die Liste der potenziellen Kandidaten um einen Namen ärmer: Julia Jäkel. Nach MEEDIA-Recherchen steht die G+J-Chefin für das Spitzenamt nicht zur Verfügung. Auch die Chancen, dass Gruner + Jahr in den Arbeitskreis Publikumszeitschriften des Verbands zurückkehrt, sind derzeit gleich null.

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Die Zeit drängt. Bis Anfang November muss der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger einen Ersatz für den ausgeschiedenen Präsidenten Stephan Holthoff-Pförtner gefunden haben. Die Suche nach einem Nachfolger läuft deshalb mit Volldampf. Bereits in den nächsten zwei bis drei Wochen will die Verbandsspitze fündig geworden sein, heißt es in Branchenkreisen.

Bislang galten zwei namhafte Medienpersönlichkeiten als Favoriten: Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen und die Chefin des Hamburger Zeitschriftenhauses Gruner + Jahr, Julia Jäkel. Die Managerin schien dabei eine interessante Kandidatin. Denn sie wäre als Präsidentin die erste Frau gewesen, die der Lobbyvereinigung der deutschen Magazinbranche ein neues Gesicht und ihre Stimme gegeben hätte. Handicap allerdings: G+J hatte mit drei weiteren Verlagen (Spiegel, Zeit, Medweth) dem VDZ nach Dissonanzen um die Inthronisierung von Holthoff-Pförtner den Rücken gekehrt. Die Medienhäuser hatten sich von der Ernennung des Funke-Eigentümers überrumpelt gefühlt.

Die Variante mit einer Kandidatin Jäkel bei der Präsidentenwahl im November hätte also einer schnellen Versöhnung der Kontrahenten bedurft, wenn der Verband sein ehrgeiziges Zeitfenster für die Neubesetzung einhalten will. Doch dazu wird es wohl nicht kommen. Die Gruner + Jahr-Chefin wird nicht für den Posten des VDZ-Präsidenten kandidieren. Auf Anfrage von MEEDIA wollte sich G+J-Sprecher Frank Thomsen zum VDZ  und den Spekulationen um eine mögliche Kandidatur Jäkels zunächst nicht äußern. Einen Satz sagt er dann aber doch: „Frau Jäkel steht doch gar nicht zur Wahl.“

Man muss das als Klarstellung verstehen: Der Hamburger Verlag ist erst vor zwei Monaten aus dem Fachverband PZ ausgetreten – da käme es einer Rolle rückwärts gleich, wenn die Chefin desselben Verlags Monate später Präsidentin dieses Verbandes würde. Acht Wochen vor der geplanten Neubesetzung der vakanten Position kann man den Namen Jäkel damit streichen, was die Überlegungen angeht, wer es denn in Zukunft beim VDZ richten soll. Zugleich ist es unter den gegebenen Umständen auch so gut wie ausgeschlossen, dass das Hamburger Verlagshaus wieder Mitglied des Arbeitskreises Publikumszeitschriften wird.

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Jäkel scheint entschlossen, die Brancheninteressen in eigener Regie und in Abstimmung mit den übrigen „Abtrünnigen“ (Zeit-Verlag, Spiegel, Medweth) wahrzunehmen. Dabei erzielte sie bereits Achtungserfolge. Mit dem „Journalismusdialog“ starteten die Verlage eine eigenes Format, um die Positionen der Medienindustrie gegenüber der Politik in Berlin und Brüssel zu artikulieren. Jäkel selbst entfachte zudem Debatten, wie zum Umgang mit Fake News und Hatespeech bei Facebook sowie erst diese Woche mit ihrer Forderung nach einer Neuverteilung der Werbe-Spendings, durch die sie die heimischen Konzerne in die gesellschaftliche Verantwortung für die Informationskultur der Republik nimmt. Dies hatte der Managerin in der Branche viel Zuspruch beschert, u.a. auch vom VDZ-Geschäftsführer Stephan Scherzer.

Das Fehlen der Verlage um Gruner + Jahr im Arbeitskreis PZ bedeutet indes einen schweren Schlag für den Verband. Er müsste auch weiterhin versuchen, finanziell das Loch zu stopfen. Dabei hatte sich zuletzt Holthoff-Pförtner dafür eingesetzt, dass Gruner + Jahr wieder in den VDZ integriert wird.

Damit engt sich die Auswahl des VDZ auf einen Nachfolger für den Funke-Eigner Holthoff-Pförtner aber stark ein und fokussiert sich zunehmend auf einen klingenden Namen: Burda-Chef Paul-Bernhard Kallen – wenn er denn will und sich zur Verfügung stellt. Allerdings gibt es auch weitere Namen, die hinter den Kulissen gehandelt werden, darunter auch Spitzenleute aus Fachverlagen. Die Neubesetzung des Topjobs ist für den VDZ perspektivisch von elementarer Bedeutung, der Druck augenscheinlich: Denn seit Axel Springers wortgewaltiger CEO Mathias Döpfner die Präsidentschaft beim Bundesverband Deutscher Zeitschriftenverleger innehat, ist auf dem Feld der Verlags-Lobbyisten ein starker Rivale unterwegs, der dem lange Zeit so mächtigen VDZ im Agenda-Setting durchaus den Rang streitig machen könnte.

gl / ga

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Alle Kommentare

  1. http://meedia.de/2017/09/06/fair-share-appell-von-gruner-jahr-chefin-julia-jaekel-was-die-dax-30-konzerne-sagen/
    macht vielleicht klar, ob sie geeignet ist.

    @Klaus: FDP bräuchte mindestens 10% (eher 12%-14%) zum Mit-Regieren. SchwarzRot also Groko mit 59% wird somit weitergehen:
    http://www.wahlrecht.de/umfragen/ sollte jeder Wähler kennen und bei Interesse fast täglich drauf schauen.
    Anmerkung: Das Kanzlerduell hat Merkel nicht oder nur kaum geholfen und SPD bestenfalls ein wenig unterstützt scheint mir. Klickt man oben auf die Institute sieht man deren alten Vorhersagen also auch vor/nach dem Kanzlerduell.

    An den Landtagen, Vorhersage-Historien und den echten Ergebnissen erkennt man gut, wie brauchbar (wenn auch nicht perfekt) die Vorhersagen sind.

  2. Heiko Maas ist ab Oktober auch verfügbar, er könnte die Spaltung aufheben und den Laden versöhnen und im Sinne der Politik die nächste Ebene der Gleichschaltung implementieren.

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