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„Scharfmacher“ und „Rechtspopulist“: Warum Claus Strunz zum Glaubwürdigkeitsproblem des Journalismus beiträgt

Ist das noch Journalismus? Springer-Journalist und Sat.1-Moderator Claus Strunz fällt durch Verkürzungen, Pauschalisierungen und tendenziöse Fragen auf
Ist das noch Journalismus? Springer-Journalist und Sat.1-Moderator Claus Strunz fällt durch Verkürzungen, Pauschalisierungen und tendenziöse Fragen auf

Dass den Moderatoren des TV-Duells vorgeworfen wird, sie hätten die AfD verkörpert, ist nicht ganz fair. Es ist ihre Aufgabe, Themen wie Zuwanderung und Migration nicht jenen zu überlassen, die sie missbrauchen. Auf einen der vier trifft die Kritik aber deutlich zu: Claus Strunz. Der Moderator in Diensten von Axel Springer arbeitet längst nicht mehr wie ein Journalist, sondern wie ein Rechtspopulist. Damit setzt er die Glaubwürdigkeit seiner Branche aufs Spiel.

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Ein Kommentar von Marvin Schade

Für das TV-Duell am Sonntagabend waren zwei Politiker angekündigt, die auf vier Moderatoren treffen sollten – wer auf Seiten der Gastgeber ausschließlich Journalisten erwartet hatte, hatte sich getäuscht. Beim Duell von Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Herausforderer Martin Schulz entschied sich Sat.1 für Claus Strunz. Strunz war mal Chefredakteur der Bild am Sonntag und des Hamburger Abendblattes, moderiert heute die TV-Sendung „Akte“ und taucht ab und an als Kommentator im von Axel Springer produzierten „Frühstücksfernsehen“ von Sat.1 auf. Das lässt ihn wie einen Journalisten wirken, was ihn mittlerweile so gefährlich macht.

Dabei geht es weniger um das Thema an sich, auf das sich Strunz eingeschossen hat. Es ist gut und wichtig, dass Journalisten die Flüchtlingswanderung, damit verbundene Gefahren, Integration und die Frage nach Abschiebungen kritisch angehen. Deshalb ist es auch nicht ganz fair, dass der Moderatoren-Riege vorgeworfen wird, sie habe die Fragen der AfD gestellt. Diese Fragen und Themen dürfen nicht jenen überlassen werden, die sie missbrauchen. Sie dürfen aber auch nicht in der Weise angegangen werden wie von Hardliner Strunz.

Unter dem Deckmantel des Journalismus versteckt sich in der Figur des Moderators inzwischen ein Populist, der sich gerne als Anwalt dieses ‚kleinen Mannes‘ positioniert, bei dem einen das Gefühl beschleichen mag, da stellt sich einer gegen den „Mainstream“ und spricht „Klartext“ – wie es auch vor einigen Tagen im Untertitel seiner Sendung „Die 10 wichtigsten Fragen der Deutschen“ geheißen hatte. Dabei ist Strunz vor allem eines: unklar.

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Ob vor einigen Tagen in der Wahlkampfsendung mit den vier Oppositionsparteien, dem TV-Duell am gestrigen Sonntagabend oder bei seinen regelmäßigen Auftritten im Frühstücksfernsehen: Strunz sind Emotionen und Zuspitzungen wichtiger als Fakten und Zusammenhänge, wie sich bei einer vermeintlich kritischen Nachfrage an Martin Schulz zeigte. Strunz konfrontierte den Kanzlerkandidaten mit einem Zitat aus der Vergangenheit, in dem er Flüchtlinge als Gold-Bringer bezeichnet haben soll. Schulz korrigierte: Er habe das nicht auf Flüchtlinge als Personen bezogen, sondern auf einen „Glauben an Europa“, der „wertvoller als Gold“ sei.

Strunz‘ „Handwerk“: Er blendet Kontext aus (wie bei Schulz), löst sich von Inhalten und wird plakativ, wenn er Interview-Partner wie FDP-Chef Christian Lindner behandelt wie ein Ding und ihn durch Reduzierung auf Äußerlichkeiten diskreditiert. Oder wenn er sich längst überholter Vorurteilen bedient und mit Pauschalisierungen arbeitet, indem er Kathrin Göring-Eckhardt damit konfrontiert, dass die Grünen angeblich die Polizei nicht leiden könnten – das hat nichts mit Haltung zu tun und das ist auch keine Rhetorik mehr, das ist höchst unseriös.

Das unsaubere Verhalten dieses prominenten Journalisten wird nicht nur zum Problem der Medien, die ihn beschäftigten, sondern strahlt auf die gesamte Branche ab. Mit seriösem Anschein erschüttert er die Glaubwürdigkeit in die Medien mindestens genauso sehr wie jene Journalisten, die im Umgang mit diesen brisanten Themen Berührungsängste an den Tag legen. Während die einen bloß nicht auch nur ansatzweise als „Scharfmacher der Populisten“ oder als „Rechtspopulist“ wahrgenommen werden wollen, kommt bei Strunz die Frage auf: Ist ihm überhaupt klar, dass er riskiert, nicht mehr ernst genommen zu werden? Ist es ihm vielleicht sogar egal? Dabei setzt er ausgerechnet das Vertrauen jener Zuschauer und Leser aufs Spiel, die den Medien überhaupt noch welches schenken.

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Alle Kommentare

  1. Ist das alles zum Kotzen in diesem Land. Es ist nicht mehr auszuhalten. Was für eine erbärmliche Grütze, die man täglich lesen muss…

  2. Sagen Sie, Herr Schade, welche Laus ist Ihnen da über die Tastatur gelaufen? Man könnte meinen, das ist etwas Persönliches?

  3. Bezeichnendes „Niveau“.
    Will sich da einer bei den „Qualitäts“-Dilettanten von SZ und Zeit bewerben oder gleich zu deren abgehalfterten Exkollegen von corrective durchreichen lassen?
    Meedia ist bezeichnend für dümmlichen, primitiv-populistischen Kampagnenjournalismus.
    Mit dem regelmäßigen, abgetropften Schaum, wenn es gegen die Springer Presse geht, hätte man das ganze Schanzenviertel löschen können, als die Gesinnungsgenossen zu G20 so glaubwürdig für Toleranz und Vielfalt demonstriert haben.
    Das ist einfach das Problem des linken Journalismus: er überschätzt sich regelmäßig selbst und ordnet der stumpfen Ideologie selbst das einfache Transportieren von Fakten unter. Die Glaubwürdigkeit ist dabei immer das Problem des politischen Gegners gegen den man aber immer fanatischer Anschreiben muss. Glatte Sechs!

  4. Man muss Claus Strunz wirklich nicht lieben,. um diesen Kommentar einfach nur dämlich zu finden. Wie wäre es übrigens mit dem richtigen Gebrauch des Genitivs? Längst überholtER Vorurteile…

  5. „Björn“ Schrade phantasiert wieder auf Parteilinie… peinlich!

    Wer „Rechtspopulist“ sagt, der muss auch „Linkspopulist“ sagen…

    Hat von euch Systemschreiberlingen aber noch nie einer… weil ihr selbst welche seid???

    Ob IM Erika (Merkel) oder Merkel mit Bart (Schulz) gewinnt, ist doch eh einerlei…

    Die Wahl ist doch längst gelaufen… Pest oder Cholera, entscheiden sie liebe Wähler, denn wir haben doch Demokratie!

  6. Marvin Schade,
    schämen Sie sich nicht solche üblen Machwerke zu produzieren? Woher nehmen Sie die Chuzpe einen Journalisten wie Strunz zur Unperson zu erklären? Unglaublich sowas. Für was halten Sie sich eigentlich?

    1. Lieber Herr Paschulke,
      es ist bedauernswert, dass Sie Herrn Schade für seinen scharfsinnigen Text nur plump beleidigen anstatt in irgendeiner Weise Inhaltliches vorzubringen. Wer Claus Strunz im Duell und bei den 10 Fragen gesehen hat, darf ihn nicht länger als Journalisten bezeichnen. Die Fragen an Herrn Lindner waren beschämend und die mutwillig verkürzten Zitate im Duell eine Farce.
      Dass Claus Strunz diese Rolle innehaben durfte, bleibt hoffentlich ein einmaliger Irrtum der Sat.1 Redaktion.
      MfG, Ihr Nachbar

  7. Zitat: „Strunz sind Emotionen und Zuspitzungen wichtiger als Fakten und Zusammenhänge“.
    Da bin ich ja erleichter, dass dies bei den Edeljournalsiten anders ist. Klaus Kleber, Anja Reschke, Dunja Hayali und Co. informieren differenziert, trennen sauber Meinung und Nachricht und haben so garnichts Oberlehrerhaftes an sich. Nie würde sie es wagen, den Zuschauer in der Meinungsfindung beeinflussen zu wollen. Es zählen nur Fakten, Fakten, Fakten.
    (Vorsicht: dieser Satz könnte Spuren von Ironie enthalten).

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