Anzeige

Ausweitung der Primetime-Werbezeiten: RTL rechnet 2019 mit größeren Spielräumen für TV-Sender

Die RTL Group CEOs Guillaume de Posch (l.), Bert Habets erwarten ein wachsendes Geschäft
Die RTL Group CEOs Guillaume de Posch (l.), Bert Habets erwarten ein wachsendes Geschäft

In der TV-Werbung brechen goldene Zeiten für Vermarkter und Agenturen an. Die EU-Kommission will Sendern wie RTL oder ProSiebenSat.1 erlauben, längere Werbeblöcke zur Primetime zu zeigen. RTL geht davon aus, dass die seit Längerem geplante Werbeliberalisierung nun 2019 in deutsches Recht umgesetzt wird. Sollte die Regelung greifen, könnten die Sender künftig mehr kürzere Werbeeinspieler zeigen.

Anzeige
Anzeige

Die von den Aktienanalysten erwartete Korrektur blieb aus. Die beiden RTL Group-Chefs, Guillaume de Posch und Bert Habets, hielten an ihrer Prognose für 2017 fest. Sie erwarten weiterhin, dass der Umsatz der Bertelsmann-Tochter im laufenden Jahr um 2,5 bis 3 Prozent zulegt. Konkurrent ProSiebenSat.1 hatte hingegen am Montagabend wegen eines schwächelnden Werbeumfeldes seine Prognose kassiert. Der P7S1-Aktienkurs brach daraufhin um 14 Prozent ein und hatte auch den Kurs der RTL-Aktie massiv belastet.

Dank des großen Erfolgs der Fantasy-Serie „American Gods“ und guter Zahlen der Deutschland-Tochter konnte sich die RTL Group jedoch gegen die schwächelnden Werbemärkte stemmen. Doch künftig kann die TV-Gruppe auf höhere Vermarktungserlöse hoffen. Der Grund: Die EU-Kommission will Sendern wie RTL oder P7S1 erlauben, längere Werbeblöcke zur Primetime ab 20.15 Uhr zu zeigen. Danach soll den TV-Riesen nach den bisher bekannten Plänen erlaubt werden, Filme und Shows alle zwanzig Minuten zu unterbrechen. Auch die Werbeminuten sollen ausgeweitet und nicht mehr auf zwölf Minuten pro Stunde begrenzt werden. Von dieser neuen Regelung sollten die Sender bereits 2018 profitieren, hieß es bislang.

Jetzt geht die RTL Group davon aus, dass die TV-Stationen erst ein Jahr später daraus Kapital schlagen. „Mit der angedachten Werbeliberalisierung geht die EU einen wichtigen Schritt in Richtung einer konvergenten Medienregulierung, die die europäische Medienindustrie im internationalen Wettbewerb stärken wird. Die Richtlinie wird voraussichtlich 2019 in deutsches Recht umgesetzt“, erklärt eine RTL-Sprecherin gegenüber MEEDIA und ergänzt: „Es bleibt abzuwarten, inwieweit der Begriff Primetime noch von der EU definiert wird, oder ob dies in den Mitgliedsstaaten erfolgt.“

Hintergrund: Der Kultur- und Bildungsausschuss des Europäischen Parlaments hatte Ende April abgestimmt, die Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste (AVMD) zu überarbeiten. Die Abstimmung hierzu hatte sich verzögert, da viele Abgeordnete noch zusätzliche Änderungsanträge gestellt hatten.

RTL will Werbung mit Augenmaß ausweiten, um Zuschauer nicht zu verprellen
Anzeige

Sollte die Neureglung greifen, will die Fernsehgruppe bei der Ausweitung der Werbeeinspieler aber mit Bedacht vorgehen. „Mit Bestimmtheit können wir aber schon jetzt sagen, dass die Grundlage unserer Finanzierung auch in Zukunft die Aufmerksamkeit des Zuschauers sein wird – diese werden wir sicher nicht gefährden. Wir freuen uns über die größere Flexibilität, auch teure und qualitativ hochwertige Produktionen besser refinanzieren zu können, werden bei der Platzierung der Werbung aber immer Augenmaß zeigen“, betont eine RTL-Sprecherin gegenüber MEEDIA.

Die Zurückhaltung ist verständlich: Denn sollten RTL und P7S1 ihre Werbeblöcke zur besten Sendezeiten all zu sehr ausdehnen, drohen ihnen die Zuschauerzahlen wegzubrechen. Dann vergrößert sich für die Sender die Gefahr, dass die Zuschauer zu Streamingsdiensten wie Netflix, Amazon Prime Video & Co. wechseln, um dort Serien und Spielfilme ohne Werbeunterbrechungen zu genießen.

Marktbeobachter gehen deshalb davon aus, dass die Sender die Neuregelung der AVMD-Richtlinie nutzen werden, um die Werbezeiten besser in ihr Programm einzufügen. So ist es den Sendern bislang nicht erlaubt, Werbeblöcke in der Primetime nachzuholen, wenn sie aus aktuellen Gründen eine Nachrichtensendung ins Programm einschieben. Dies soll sich jedoch künftig ändern: die Fernsehunternehmen sollen dann in der Lage sein, die verlorene Werbezeit zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen. Dadurch könnten sich später gezeigte Werbeblöcke verlängern.

„Die Sender werden nach einer Nachrichtensendung aber keine Werbeblöcke von einer halben Stunde und mehr zeigen, wenn sie ihre Zuschauer nicht völlig verprellen wollen“, meint ein Branchenexperte gegenüber MEEDIA, der nicht namentlich genannt werden will. Er geht davon aus, dass die TV-Unternehmen an anderen Stellen im Programm vermehrt kleinere Einspieler platzieren werden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*