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TV-Duell Merkel gegen Schulz eine „Missgeburt“: Ex-ZDF-Chefredakteur Brender wirft Kanzleramt „Erpressung“ vor

Nikolaus Brender war zehn Jahre lang Chefredakteur des ZDF – im Interview mit dem Spiegel kritisiert er das Prozedere des TV-Duells
Nikolaus Brender war zehn Jahre lang Chefredakteur des ZDF – im Interview mit dem Spiegel kritisiert er das Prozedere des TV-Duells

Das anstehende TV-Duell der Kanzlerkandidaten ist im Vorfeld der Austragung Top-Thema in den Medien. Dafür verantwortlich ist vor allem die Bundesregierung, die von den Sendern gewünschte Konzeptänderungen blockiert hat. Nun schaltet sich Nikolaus Brender in die Diskussion ein und übt scharfe Kritik. Das Duell sei eine "Missgeburt", so der auf Druck der Politik geschasste Ex-Chefredakteur des ZDF.

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Im Interview mit dem Spiegel kritisiert Brender die Machtverhältnisse unter denen das TV-Duell zustande kommt. Die Vorgaben für den Schlagabtausch der beiden Kanzlerkandidaten vor laufenden Kameras würden von der Kanzlerin bestimmt, nicht von den Medien, die ihre Plattform zur Verfügung stellen. „Die Einigung ist unter Erpressung durch das Kanzleramt zustande gekommen“, kritisiert der ehemalige Chefredakteur des ZDF. Das Prozedere sei „sittenwidrig“.

Hintergrund sind Diskussionen über das Konzept des Formates. Die ausstrahlenden Sender (ARD, ZDF, Sat.1 und RTL) hatten im Vorfeld angeregt, das TV-Duell zu überarbeiten. Nachdem Sender mit ihrer Idee, einfach zwei TV-Duelle zu veranstalten, bei der Bundesregierung abgeblitzt waren, unterbreiteten sie den Vorschlag, das Duell zu splitten. Hintergrund war, den Ablauf mit vier Moderatoren neu zu sortieren und übersichtlicher zu machen. Doch auch das lehnte die Kanzlerin beziehungsweise ihre Berater ab – mit Absicht, wie Brender analysiert.

„Das Kanzleramt verlangt ein Korsett für die Kanzlerin, in dem sie sich nicht bewegen muss“, sagt er. „Und zugleich eines für Schulz, in dem er sich nicht bewegen darf.“ Die Kanzlerin mache einen „Wahlkampf im Schlafmodus“, bei dem ein Schlagabtausch und Funken nur stören würden.

Das Aufeinandertreffen vor den Kameras der vier größten deutschen Sender ist das einzige direkte Aufeinandertreffen der Kanzlerkandidaten Angela Merkel und Martin Schulz. Tatsächlich zeigt sich die Kanzlerin ansonsten ziemlich experimentierfreudig. Jüngst verabredete sie sich mit vier jungen YouTube-Stars zum Interview und antwortete dabei brav auf alle möglichen Fragen. Neben dem TV-Duell steht sie den Sendern auch für einzelne Interviews bereit. So traf sich Merkel am Wochenende zum Sommerinterview mit dem ZDF und stellte sich auch bei RTL vor die Kameras.

Dieses nutzte SPD-Kanzlerkandidat am Wochenende in der ARD, um ebenfalls auf die TV-Duell-Thematik einzugehen. Im Gespräch mit ARD-Journalisten kritisierte er das Vorgehen des Kanzleramts (ab Minute 10:58). „Dass der Regierungssprecher dieses Landes im Auftrag von Frau Merkel Ihnen Bedingungen stellt, ist ein einzigartiger Vorgang“, sagte Schulz zu den Journalisten. In der Reaktion von Moderatorin Tina Hassel wurde erneut das Dilemma deutlich, in dem sich die Sender befinden. „Sie wollen ja auch ein Duell haben“, sagte Hassel in Richtung Schulz und ergänzte: „Besser ein Duell als kein Duell“.

 

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Alle Kommentare

  1. Die Moderatoren, die Merkel befragen – Journalisten mag ich sie nicht nennen – halten sich an die vorgegebene Form und wissen auch, was sie nicht fragen.
    Die Schere im Kopf.
    Seit Kohl damit angefangen hat, kritischen Journalisten nicht mehr Rede und Antwort zu stehen – er war recht aggressiv- haben wir die Hofberichterstatter.
    Merkel wurde nie unhöflich, aber dass die, die bei ARD und ZDF die Fragen stellen dürfen, nie die sind, die unangenehme Fragen stellen, das ist doch eindeutig. Sehr wirtschaftskompatibel die Modertoren und da fragt dann keiner nach den verheimlichten Lobbyisten, die gerade die CDU nicht nennen will. Pflegemissstände kein Thema.
    Es wird mit diesen Fragern nur belanglos werden.
    Reporter von Report Mainz oder von ZDF – zoom, die hätten doch auch mal fragen können. Oder ein Journalist von Abgeordnetenwatch, …
    Ob Illner oder Schausten, das ist egal. Vielleicht spekuliert ja eine schon darauf, Seibert zu beehren, der wohl ganz vergessen hat, was Journalismus bedeutet. Das ist kein Journalismus, das ist einfach ein Spiel, das alle spielen.

  2. Sage nur pfui Teufel,wenn Merkel das nötig hat ist wohl der Sieg nicht so sicher.
    Genau,wo ist die Staatsanwaltschaft in diesem Fall?
    Bei der AFD sucht man direkt nach Gründen für Anzeigen.
    Kann nur sagen,armes Michelland.

  3. „Erpressung“ ist es auch wenn ich meinen Kindern sage: „Wenn Ihr das Gemüse nicht aufesst, gibt es keinen Nachtisch“.

    Es ist doch das gute Recht eines jeden Politikers, seine/ihre Wünsche hinsichtlich des Prozederes hinsichtlich einer Talkshow zu äußern. Und dann ist es an den TV-Sendern, die Kröte zu schlucken oder es sein zu lassen.

    Wer ab und an mal bei Maischberger, Will und Co. reinzappt, kann die Bedenken gegen deren „Konzeptideen“ gut nachvollziehen.

  4. Das ist aber ein schönes Foto von Nikolaus Brender, das meedia hier veröffentlicht.

    Leider sieht Nikolaus Brender heute nicht mehr so aus. Das Foto erinnert mich an die von der „Regenbogenpresse“ gerne genommenen „Jugendfotos“ von Film- und Musiksternchen.

    … und dann liest man plötzlich das Film- oder Musikstern XYZ mit 87 Jahren in der Seniorenresidenz gestorben ist.

  5. Das ist, was Medien-Schaffenden der BRD zur Person Angela Merkel einfällt, zu ihrer Historie, ihrer Karriere, Ihren Zielen, der Technik, wie sie sich öffentlich positioniert, dem Netzwerk, auf das sie dabei zurückgreift, ihr Verständnis einer Verbundenheit ihres Amtes mit dem Grundgesetz und den darin postulierten Schutzbestimmungen, ihre Bedeutung für die demokratische Gesellschaft und deren Bestand, insbesondere auch vor dem Hintergrund des Übergangs der BRD in die EU ? usw usf.

    Das Kanzleramt habe – so die Aufregung – eine Konzept-Änderung bei Vorgaben für den „Schlagabtausch“ mit dem Kanzler-Kandidaten der SPD erpresst?

    Das wäre ja kaum auszuhalten.

    1. Wenn das eine Erpressung oder auch nur der Verdacht wäre, warum findet sich keiner der Strafrechtswissenschaftler, der die Staatsanwaltschaft einschaltet. Oder ist die Macht zu groß ?

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