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Er kannte Afrika wie ein Kind ein Bilderbuch: Nachruf auf FAZ-Korrespondent Thomas Scheen

Thomas Scheen 1965 – 2017
Thomas Scheen 1965 – 2017

Seine Leidenschaft galt dem schwarzen Kontinent, den er für seine Recherchen kreuz und quer bereiste, von Johannesburg im Süden bis Khartum im Norden, von Freetown in Westafrika bis Mogadischu, am Indischen Ozean im Osten, von wo er bewegende Reportagen vom und nach dem Einmarsch äthiopischer Truppen in Somalia schrieb: FAZ-Reporter Thomas Scheen war Korrespondent aus Leidenschaft. Ein Nachruf.

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Von Ulrich Schulze

Der Journalist kannte Afrika wie ein Kind ein Bilderbuch und so liebte und lebte er den Kontinent der 54 teils bizarren Staaten.

Seine erste Station war die Elfenbeinküste, Dort Abidjan. Aber Scheen klebte nicht am Schreibtisch, er wollte und er fuhr hinaus, dorthin, wo das karge Leben dem protzigen Getue mancher Staatschefs opponiert; was er von dort schon vor 17 Jahren notierte, liest sich heute wie ein Menetekel. In seinem  Nachruf notiert Herausgeber Berthold Kohler, Scheen habe die Zeitung mit seiner Biographie sofort beeindruckt: Erkundung Afrikas auf eigene Faust in einem R4, einige Zeit transportierte er Lastwagen in den Nachen Osten – und für all das hatte er sich auf einem französischen Fischkutter des Geld verdient. Sein Studium der Germanistik und Politikwissenschaften finanzierte er selbst, volontierte in Aachen und Köln – und als der 1965 in Eupen geborene Scheen 2000 zur FAZ kam, hatte der damals 35-Jährige von der Welt aber vor allem Afrika mehr gesehen, als mancher später am Lebensende.

Der Bürgerkrieg in Westafrika vertrieb ihn nach fünf Jahren von Abidjan und Freetown auf den Korrespondentenplatz Johannesburg in Südafrika – nur wenige kannten die Stadt, die Politiker und die herrliche Landschaften so gut weh er. „Setz Dich hier nie mit dem Rücken zum Fenster, lege nie Dein Mobiltelefon auf den Tisch“, sagte er mir einmal – und wusste warum. Über seine Zeit in der Gefangenschaft einer kongolesischen Guerilla-Truppe schrieb der Korrepondent einen Erfahrungsbericht in der FAZ. Die Headline lautete fast lapidar: „Freiwillig will ich meinen eigenen Sarg nicht besteigen.“

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Seine spezielle Leidenschaft war die Dornbuschsavanne Kalahari (Namibia,  Botsuana), dort erholte er sich immer wieder, auch nach seinen Reportagen von den Unruhen in Kenia 2008. Und aus Kenia, wohin er vor zwei Jahren geweschselt war, berichtete er nach den Parlaments- und Präsidentenwahlen in diesem August als einziger umfassend und detailliert von den manipulierten  Wahlcomputern – während die öffentlich-rechtlichen Sender Deutschlands nur der offiziellen staatstreuen Linie der kenianischen Medien folgten.

Im Alter von 52 ist Thomas Scheen am Sonntag an den Folgen eines Fahrradunfalls in Nairobi plötzlich verstorben. Die FAZ hat ihren Autoren in einem eigenen Nachruf von Herausgeber Berthold Kohler gewürdigt, der hier nachzulesen ist. 

Der Autor dieses Textes war von 1980 bis Ende 1991 Redakteur der FAZ.

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