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Stern-Chef Krug zum Nazi-Trump-Cover: “Liegt uns fern, die Gräueltaten der Nationalsozialisten verharmlosen zu wollen”

stern-Chefredakteur Christian Krug und umstrittene Cover zu Donald Trump („Sein Kampf“)
stern-Chefredakteur Christian Krug und umstrittene Cover zu Donald Trump ("Sein Kampf")

Das war abzusehen: Seit dem gestrigen Donnerstag tobt die Debatte um das aktuelle stern-Cover und die Frage, ob man Donald Trump als Adolf Hitler bzw. Nazi darstellen darf. Massiv kritisiert wird das Nachrichtenmagazin für seine Titelseite unter anderem von der FAZ, vom Historiker Michael Wolffsohn und auch von Josef Schuster, dem Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Der stern selbst fühlt sich selbst allerdings missverstanden.

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Im Tagesspiegel  ärgert sich  der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster: „Die Darstellung von Präsident Trump als vermeintlich neuer Hitler ist geschmacklos und völlig deplatziert.” Weiter sagt er: “Präsident Trump aber mit Hitlergruß und dem Untertitel ‚Sein Kampf‘ abzubilden, verharmlost das eliminatorische Wirken der Nationalsozialisten und relativiert Hitlers ideologische Propagandaschrift ,Mein Kampf‘.”

Auch Historiker Michael Wolffsohn zielt in seiner Kritik auf den vermeintlichen Hitler-Trump-Vergleich ab, indem er sagt: “Jedermann weiß: Anders als Hitler hat Trump keinen Weltkrieg mit 57 Millionen Toten plus Holocaust entfacht. Vielleicht sollte man im ,stern‘ etwas Deutsche Geschichte lernen.”

Zudem wurden bereits die ersten US-Politik-Journalisten auf den stern aufmerksam. So erreichte ein Tweet des AFP-Korrespondenten für das Weiße Haus, Andrew Beatty, über 6.000 Retweets und Likes und mehr als 400 Kommentare.

Ebenfalls empört über den Titel äußert sich Michael Hanfeld in der FAZ. Für ihn zeugt das Cover “vom fehlendem historischen Bewusstsein” der Hamburger. Aus der Pleite mit den „Hitler-Tagebüchern“ habe man in Hamburg nicht gelernt. Zudem merkt der Frankfurter in seinem Kommentar an, dass der stern mit dieser Fotomontage nicht mehr so weit entfernt von all den Darstellungen Angela Merkels in NS-Kluft sei, “die nationalistische Blätter in Polen genauso wie zuletzt gehäuft in der Türkei zeigen”.

Spricht man den stern darauf an, merken die Hamburger jedoch an, dass Trump, im Gegensatz zu Merkel sehr wohl bereits einzelne ethnische Gruppe teils rassistisch beschimpft habe. Unabhängig von Charlottesville sei da nur an den Wahlkampf und die Ausfälle des damaligen Präsidentschaft-Kandidaten gegenüber Mexikanern erinnert. Zudem zeige der Titel den US-Präsidenten eben nicht als Adolf Hitler, sondern als Nazi.

Vor allen in Richtung von Schuster erklärt stern-Chefredakteur Christian Krug noch einmal das Cover: „Die rechtsnationalen Demonstranten in Charlottesville haben ihre Arme zum Nazigruß erhoben, und der amerikanische Präsident hat sich weder von dieser Geste noch von der Gesinnung der Menschen distanziert. Im Gegenteil, Donald Trump hat in manchen von ihnen ‚gute Leute‘ gesehen. Mit dieser Haltung macht er sich mit den Demonstranten gemein und grüßt sie im übertragenen Sinne zurück – genau dies visualisiert der stern-Titel”. Weiter erklärt der Blattmacher gegenüber MEEDIA: Es liegt uns selbstverständlich fern, die Gräueltaten der Nationalsozialisten damit verharmlosen zu wollen.“

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