Anzeige

PwC-Studie: Deutsche befürchten Wahlmanipulation durch Fake News – Facebook startet Offensive gegen Social Bots

Vier Wochen vor der Bundestagswahl wird die Furcht vor politischen Falschmeldungen immer mehr zum Thema.
Vier Wochen vor der Bundestagswahl wird die Furcht vor politischen Falschmeldungen immer mehr zum Thema.

Spätestens seit der Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten herrscht in Europa die latente Angst, dass Wahlen durch Fake-News und Social Bots beeinflusst werden könnten. Die Mehrheit der Deutschen spricht sich für eine gesetzliche Regelung aus, die soziale Netzwerke verpflichtet, absichtlich verbreitete Falschmeldungen aktiv zu löschen. Das hat eine Studie ergeben.

Anzeige

Die Mehrheit der Deutschen fordert ein härteres Vorgehen gegen politische Meinungsmache in Form von Fake News und Social Bots in sozialen Netzwerken. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hervor. Die Befragten sehen die Betreiber von sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, YouTube und Co. in der Pflicht, Unwahrheiten und falsche Identitäten zu löschen. Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC, schließt aus den Ergebnissen, dass „viele Menschen in Fake News ein zunehmendes Problem für unsere Demokratie sehen“.

Der Schwerpunkt der Umfrage lag auf Social Bots und deren Potential, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Rund 90 Prozent der Deutschen befürworten eine Reglementierung von Social Bots, knapp die Hälfte der Befragten sogar deren Verbot. Während die Mehrheit der Bundesbürger sich unter dem Begriff „Fake News“ etwas vorstellen kann, gaben 64 Prozent der Befragten an, Social Bots nur vom Namen her oder gar nicht zu kennen. Nur gut jeder Zehnte weiß über den Sinn und die Funktionsweise von Bots bescheid.

Fake News sind den Befragten geläufiger. In der Studie als „absichtlich verbreitete Falschmeldungen“ definiert, sprechen sich 68 Prozent der rund 1.000 Befragten für die gesetzliche Verpflichtung von Facebook, Twitter und Co. aus, Fake News aktiv zu löschen. Gerade im Hinblick auf die anstehende Bundestagswahl sieht Ballhaus sowohl die Plattformbetreiber, als auch Politik und Medien in der Pflicht, die Sorgen der Bundesbürger ernst zu nehmen.

Passenderweise gab Facebook bereits am Dienstag bekannt, umfangreiche „Maßnahmen zum Schutz seiner Nutzer vor Desinformationen“ ergriffen zu haben. Das Unternehmen teilte mit, dass Mitarbeiter „Zehntausende gefälschte Konten“ identifiziert und gelöscht hätten. Das soziale Netzwerk habe die „unechten Konten“ anhand der Aktivitätenprotokolle ermittelt, ohne die tatsächlich Inhalte zu überprüfen. Die Systeme würden erkennen, „wenn identische Inhalte wiederholt gepostet werden oder eine erhöhte Zahl an Nachrichten verschickt wird“. Facebook strebt eigenen Angaben zufolge danach, „die Verbreitung nicht authentischer Inhalte zu reduzieren – darunter Spam, Falschinformationen oder andere irreführende Inhalte, wie sie häufig von Personen verbreitet werden, die gefälschte Accounts betreiben.“

Hintergrund der Löschoffensive ist eine interne Richtlinie, die im April 2017 veröffentlicht wurde. Die Richtlinie enthält Hinweise für Mitarbeiter zum Umgang mit Falschinformationen und gefälschten Nutzerkonten. Facebook reagierte mit der Aktion nach eigener Aussage auf die Befürchtung der Nutzer, falsche Informationen könnten die bevorstehende Bundestagswahl beeinflussen.

Im vergangenen Oktober war die Social-Bot-Debatte in Deutschland angekommen. Nach dem ersten TV-Duell zwischen den US-amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump hatte eine Studie des Oxford Internet Institutes gezeigt, dass mehr als ein Drittel der positiven Tweets über Trump und knapp ein Viertel der positiven Tweets über Clinton von Social Bots gepostet wurden.

Daraufhin hatten sich in Deutschland die Union, SPD, die Linken, die Grünen und FDP davon distanziert, im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2017 auf die Tweets und Facebook-Kommentare von Robotern zu setzen. Alice Weidel, Spitzenkandidatin der AfD, hatte dagegen gegenüber dem Spiegel angekündigt, ihre Partei werde die Meinungsroboter im Wahlkampf einsetzen, um auch jüngere Wähler zu erreichen.

Anzeige
Anzeige