Anzeige

Alberne Drehbuch-Kapriolen und Logik-Löcher bei „Game of Thrones“: „Liebe Drehbuchautoren, ihr habt meine Lieblingsserie zerstört“

Daenerys Targaryen mit ihrem Berater Tyrion Lannister und zwei von den drei Drachen
Daenerys Targaryen mit ihrem Berater Tyrion Lannister und zwei von den drei Drachen

Die siebte Staffel "Game of Thrones" nähert sich ihrem Ende und hat gewaltige Probleme: Am Sonntagabend lief "Beyond the Wall", die vorletzte Episode, zunächst bei HBO und am Montag dann auch bei Sky. Albern konstruierte Handlungs-Kapriolen und Logiklöcher bringen die Fans gegen die Serie auf. Was ist nur los mit dir, "Game of Thrones"?

Anzeige
Anzeige

Fantasy-Gedöns wie Drachen oder Riesen, Mittelalter-Setting und Schwertkämpfe sind eigentlich nicht wirklich die Zutaten, die es braucht, um mein Serienherz zu erobern – und dennoch hat „Game of Thrones“ genau das geschafft. Warum? Wegen detailliert beschriebener Charakterentwicklungen, gnadenlos unvorhersehbarer Plot-Wendungen und nicht zuletzt wegen der Hassliebe zu überraschenden Figuren wie einst Khal Drogo oder jetzt The Hound.

Tatsächlich saß ich mehr als einmal weinend und zeternd vor dem Bildschirm: bei Ned Starks Hinrichtung, Jons Verrat durch seine Untergebenen und natürlich während der erschütternden Red Wedding. Teilweise habe ich beleidigt das Zimmer verlassen.

(Spoiler-Alarm! Wer die aktuelle  Folge noch nicht gesehen hat, sollte an dieser Stelle nicht weiterlesen.)

Beleidig bin ich auch heute. Aber nicht, weil die Drehbuchautoren mal wieder einen meiner Lieblinge getötet haben, sondern weil Folge 6 der aktuellen Staffel vor allem eines war: albern und vorhersehbar.

Natürlich war ich traurig, als der Drache Viserion blutend abstürzte und im Eis versank. Und als Jon Daenerys „meine Königin“ nannte, schmachtend nach ihrer Hand griff und sie endlich wieder menschliche weil verletzliche Züge (uff!) zeigte, musste ich zumindest etwas schneller blinzeln. Aber seien wir ehrlich: Überraschend war das alles nicht.

In früheren Staffeln haben mich die unvermittelten Richtungswechsel in der Handlung und die absurd-brutalen Tode regelmäßig eiskalt erwischt. Genau das schuf eine Faszination, die „Game of Thrones“ zu der wohl aktuell beliebtesten Serie weltweit machte und mich dazu verleitete, hitzige Nerd-Diskussionen über kleinste Details und wildeste Fan-Theorien zu führen.

Doch in der siebten Staffel, insbesondere in der neuen Folge „Beyond the Wall“, ist alles anders. So zeichnete sich überdeutlich ab, dass einer der Drachen den Angriff auf die Zombie-Armee des Night King nicht überleben wird, als Dany trotz eindringlicher Warnung von Tyrion losflog, um Jon zu retten. Um auf Nummer sicher zu gehen, dass auch der letzte Zuschauer verstanden hat, dass großes Unheil bevorsteht, zoomte die Kamera noch mal auf das sorgenzerfurchte Gesicht des Zwerges.

Anzeige

Tatsächlich kam es dann, wie es kommen musste: Daenerys hat am Ende der Folge einen Drachen weniger und dafür einen ihr durch und durch ergebenen Verehrer mehr. Jetzt werden Jon und Daenerys wohl bald herausfinden, dass sie eigentlich Tante und Neffe sind. Da Inzest bei den Targaryens aber zum guten Ton gehört, wird sie das nicht davon abhalten zu heiraten und kleine Mini-Jons zu machen – schließlich wurde dem Zuschauer ermüdend aufdringlich vorgekaut, wie wichtig ein Dany- Nachfolger ist. Und damit es auch der Letzte versteht: Daenerys ist seit Staffel 1 eigentlich unfruchtbar – ich betone UNFRUCHTBAR. Heißt: Hier werden wir wohl bald die „Überraschung“ erfahren, dass es aus irgendeinem Grund doch noch klappt.

Doch die Vorhersehbarkeit im Plot ist nicht das Einzige, was mich ärgert: Den Machern der Erfolgsserie scheint die Zeit wegzurennen, sieben statt zehn Folgen pro Staffel sind offensichtlich zu wenig. Und deshalb quetschen sie in eine Episode so viel Handlung wie nur irgend möglich. Plus ausufernde Kampfszenen und CGI-Orgien. Logik und Figurentiefe bleiben auf der Strecke.

Die ärgerlichsten Logikfehler und albernsten Konstruktionen der aktuellen Folge:

  • Gendry flitzt zur Wall zurück, ein Rabe fliegt quer über den ganzen Kontinent und im Anschluss legt auch Daenerys mit ihren Drachen dieselbe Strecke zurück – alles in einer Nacht.
  • Wo kommen auf einmal die ganzen Statisten her, die Jon auf seiner sowieso schon arg konstruierten Mission begleiten, einen Untoten zu fangen? Wurden sie noch schnell ins Buch geschrieben, damit kein Hauptcharakter sterben muss?
  • White Walker können nicht schwimmen: Wer hat den Drachen Viserion unter Wasser angekettet, damit die Whites ihn herausziehen konnten?
  • Was ist eigentlich mit Bran los? Dafür, dass der Stark-Zögling immerhin der allwissende Three-Eyed-Raven ist, spielt er bislang eine erschreckend kleine Rolle. In „Beyond the Wall“ kam er nicht einmal vor. Dabei hätte er Jon und seiner Truppe doch locker helfen können. Danke für gar nichts, Bran!
  • Sansa schickt ihre Verteidigerin Brienne of Tarth fort, weil sie aus heiterem Himmel nach Kings Landing gerufen wird. Letztendlich einfach eine Drehbuch-Kapriole, damit Sansa schutzlos und allein in Winterfell und im Drehbuch Platz für einen Angriff von Littlefinger und/oder Ayra ist.
  • Und wo ist überhaupt Ghost? Es wirkt, als hätten sich die Serien-Macher entscheiden müssen: Wölfe oder Drachen. Hat das Budget nicht für alle gereicht?

In den alten Folgen wurden ganze Staffeln genutzt, um zu erzählen, wie die Charaktere von einem Ort zum anderen reisen, Charakterentwicklungen wurden minutiös aufgearbeitet und zum Teil schleichend langsam dokumentiert. Doch in „Beyond the Wall“ musste alles ganz schnell gehen. Der Zombie-Eisbär, die Tode von Benjen Stark und Paul Kaye Thoros, ein erneuter Drachenangriff, die Wiederauferstehung von Viserion als White Dragon, Jons Quasi-Liebeserklärung an Dany: All das sind spektakuläre Entwicklungen, die allesamt für sich allein gestanden das Potenzial gehabt hätten, mich buchstäblich vom Hocker zu reißen. Doch keine einzige dieser Szenen bekam von den Drehbuchautoren den Raum und die Wirkkraft, die sie verdient hätten. So gehen sie nahezu unter – und „Game of Thrones“ wird der Lächerlichkeit preisgegeben.

Anstatt schluchzend saß ich gestern also schnaubend vor dem Fernseher. Liebe Drehbuchautoren, ich befürchte, ihr habt meine Lieblingsserie zerstört.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Mich beleidigt eigentlich nur die mangelhafte Qualität dieser Serien-Kritik. Durch die Aufzählung der nach Meinung der Autorin „ärgerlichsten Logikfehler und albernsten Konstruktionen der aktuellen Folge“ offenbart sie viel mehr nur ihr eigenes mangelhaftes Verständnis der Handlung (z.B. offensichtliches Missverständnis der Motive Sansas) und ihr mangelnde Fähigkeit zur Abstraktion von der gefühlten/tatsächlichen (z.B. wie lange stehen die Helden jenseits der Mauer) Zeitebene. Einzig dem Wunsch nach mehr Zeit für die Handlung/mehr Folgen mag ich zustimmen.

    Ansonsten rate ich der Autorin zur Repetition der vorherigen Folgen/Staffeln und als Referenz auch die Lektüre der Bücher.

  2. Bullshit. Ich kann jedes deiner Argumente in der Luft zerreißen. Aber keine Lust jetzt hier einen richtigen Artikel zu schreiben. Nur auf Nachfrage:D

  3. Woher hatten die withe walker diese kilometerlangen dicken eisenketten mitten in der Eiswüste. Und woher kam genau zum richtigen Zeipunkt Onkel Bengin. Das fand ich schon sehr befremdlich. Trotzdem lass ich mir den Spass an der Serie nicht verderben. Die Dialoge sind immer noch gut.

  4. Ich habe noch keine einzige Folge gesehen und muß nach der ganzen Spoilerei, noch bevor „Achtung Spoiler“ im Text stand sagen:

    Für so einen Käse ist mir das Leben zu kurz.
    Das ist doch Falcon Crest /Denver Clan / Dallas im Fantasy-Look, ergänzt durch nackte Körper

  5. …die Sache mit der Logik und dem Reisetempo…Fime darf man eben nie zu ernst nehmen.
    Aber Staffel 7 hätten 10 Episoden gut getan..man merkt es einfach, dass Zeit fehlt.
    Mit dem Maßstab Staffel 7 wäre GoT nie das geworden was es ist…oder war….

  6. Sanza wird nach königsmund gerufen um an der Konferenz mit dnearys und cersei teilzunehmen ,so habe ich es verstanden .

  7. Da sieht man wie es aussieht wenn jemand null ahnung hat.

    Sansa hat Briennen bewusst nach Winterfell geschickt damit sie nicht einschreitet fals sich die Stark-Schwestern zoffen.

    Und dass Bran nicht mehr vorkommt stimmt nicht ganz, zumindest nicht so wie man es sich denkt.
    Einfach mal die Lautsprecher aufdrehen und dem Hintergrund lauschen…

  8. Der Part der Schattenwölfe hat in jeder Staffel abgenommen – aber dieses durchaus interessante wichtige Element der Buchvorlage scheint den Serienmachern wohl zu komplex gewesen zu sein. Aber da gibt es ja noch einige Punkte mehr die von Staffel zu Staffel mehr vom Buch abwichen.

    Mir passiert auch viel zu viel zu schnell – es wird rasant an Story eingekürzt bloß um zum Ende zu kommen, das Entfernungs- Zeitproblem der GoT Reisenden mal außen vor gelassen.

    Aber wundert sich außer mir keiner darüber, dass die Untoten das Gewicht der Kette und des Drachen aushalten? So schnell wie die sonst zerbröckeln (ich sag nur Gesichtshaut am Handschuh oder Kinnverlust nach Steinwurf)…

    Zu Sansa, Arya möchte ich eine andere Theorie anbringen: Sansa fragt Littlefinger was sie tun soll – aber wer sagt rein dass sie damit nicht versucht hintenrum seine Beteiligung und Pläne zu ergründen plus ihm das Gefühl zu geben Sie wende sich ihm wieder zu? Immerhin ist sie inzwischen auch nicht ganz ungeschickt oder gar noch immer unbedarft und naiv
    Meiner Meinung nach schickt sie Brienne weg damit B. und Arya nicht aneinander geraten können falls A. Sansa bedroht und nicht damit Arya keinen Schutz durch Brienne hat denn immerhin weiß sie dass ihre Schwester keinen Schutz bräuchte und B. wird von Littlefinger als Mittel zu Sansa Schutz vor Arya empfohlen

    Unfruchtbarkeit von D. – diese ist lange nicht als so gesichert zu betrachten wie die von Cersei
    Bei letzterer gab es eine konkrete deterministische Prophezeiung, bei ersterer ist es eher wie ein Wenn Dann Szenario
    Klar klingt das alles sehr unmöglich, aber gerade bei orakelhaften Aussagen gibt es Auslegungsspielraum
    Die sonne geht im Westen auf und im Osten unter – muss damit der Stern Sonne gemeint sein oder kann das nicht auch eine Metapher sein? D. verlässt Essos im Osten um im Westen ihre Herrschaft aufzubauen – und so könnte man über jede genannte Bedingung nachdenken
    Im übrigen hat D. erst nach diesem „Fluch“ dafür gesorgt dass Drogo nicht wieder kommen kann indem sie ihn verbrannte
    Drogos Widerkehr war auch nie Voraussetzung für eine erneute Schwangerschaft., da vergaloppieren sich die Meisterdeuter unter den Kommentatoren ein wenig 😉
    Die Maegi hat lediglich Dinge aufgezählt die sie für genauso unwahrscheinlich hält
    Aber weiß man was ein Targaryen wirklich wegsteckt? Immerhin haben sie Magie im Blut, ein anderes Verhältnis zu Hitze und Krankheiten seit der Erschaffung der Drachen…

  9. Diese Mekerei,

    lasst die Staffel doch erstma zu Ende gehen und macht euch dann Gedanken.
    Und dieses Thema Zeitsprünge geht mir langsam auch auf die Nerven. Wo ist euer Problem. Wenn man blindlinks davon ausgeht, dass auf dem Felsen wirklich nur eine Nacht vergangen ist, fehlt euch die Fantasie. In einer Nacht friert kein See so zu das er betretbar ist. Das dauert schon länger.

  10. „White Walker können nicht schwimmen: Wer hat den Drachen Viserion unter Wasser angekettet, damit die Whites ihn herausziehen konnten?“

    Also das ist nun wirklich simpel: Sie können auch nicht ertrinken, sind reichlich doof und tun das, was der Chef befiehlt, also im Zweifel auch mit den Ketten ins Wasser gehen und den Drachen anketten.

  11. der nachtkönig hat einen drachen ohne mit der wimper zu zucken mit einem einzelnen speer getötet….. für mich war das mehr als unerwartet. ich dachte mir schon, dass ein drache sterben muss um die verfeindeten parteien gleich mächtig wirken zu lassen, aber ich dachte, das die walker ihre überzahl nutzen. das die drachen so leicht zu besiegen sind ist der oberhammer!!! wie zum teufel sollen die lebenden das noch ausgleichen??? ich bin mehr als gespannt…. der ausgang der geschichte ist offener denn je!

    1. Das wiederum ist nicht schwer zu klären: der Nachtkönig ist ein mächtiger Wanderer, der körperlich viel größer und stärker ist als alle Menschen. Und der Speer ist aus eis-verzauberten Drachenglas – damit gelingt es ihm den Drachen zu verwunden – bzw. an der Stelle zu treffen, wo der von Innen aus in Flammen aufgeht. Der Nachtkönig ist ja einer der ersten Menschen, ein Stark, der die Mauer aufbaute und sich in eine Magierin verliebte und dann zu mächtig wurde. Deswegen haben die Kinder des Waldes ja ihn zum Wanderer gemacht, indem sie ihm Drachenglas ins Herz stochen – der wird schon „altes“ Wissen und Macht in sich tragen.

  12. Schon mal darüber nachgedacht, dass Sansa Brienne BEWUSST wegschickt, damit sie Arya nicht schützen kann? Und der Brief aus Kings Landing von Sansa dafür erfunden wurde (warum hätte man sie denn einladen sollen)? Evtl. durchschaust du das alles ja doch nicht so ganz…

  13. Hat eigentlich niemand bemerkt, dass die 7. Staffel die ganze Zeit einen White Walker mit Eisdrachen als Cover hatte?

    1. Schon mal darüber nachgedacht, dass Sansa Brienne BEWUSST wegschickt, damit sie Arya nicht schützen kann? Und der Brief aus Kings Landing von Sansa dafür erfunden wurde (warum hätte man sie denn einladen sollen)? Evtl. durchschaust du das alles ja doch nicht so ganz…

  14. Das Gefühl und der Ärger über die Logik-Fehler und generelle Hast der Serie (übrigens nicht erst seit dieser, sondern schon großteils seit der vorherigen Staffel) teile ich absolut. Allerdings denke ich auch, dass dies wie von Meikel gesagt vor allem auf der nicht-vorhandenen Buchvorlage beruht – und der nicht nachzuvollziehenden Entscheidung die Episodenanzahl zu kürzen und die Restlaufzeit der Serie (jetzt also noch 8 Folgen, dann war’s das) festzulegen.

    Ich fühle mich zwar nach wie vor sehr gut unterhalten, aber die Magie von „A Song of Ice and Fire“ ist leider schon mit dem Ende der letzten Staffel aus Game of Thrones gewichen. Zu vorhersehbar und platt sind die Charaktere, allen voran Danearys, geworden.

  15. Du weiß aber schon, dass die ersten 5 Staffeln auf den Büchern von GRRMartin beruhen, die folgenden Staffeln nur noch auf den Grundideen, die Martin für sein kommenden Bücher hat.
    Ich finde dass merkt man in der aktuellen Staffel nur allzu deutlich. Während man sich in den ersten Staffeln eine Unmenge an Subplots und gut erzählten Geschichten aus den Büchern bedienen konnte, gibt es jetzt eben nur noch Skizzen, die man selbst ausmalen muss.

  16. „Teilweise habe ich beleidigt das Zimmer verlassen.“
    Kommt noch, wenn in der nächsten Staffel dann alle sterben
    (das ist jetzt *kein* Spoiler, ich verlasse mich einfach nur auf die Aussagen von GRR Martin).

  17. Jammern auf hohem Niveau. Dass ein Drache stirbt, war nicht klar. Nicht einmal, dass Daenerys hinter die Mauer fliegt. Mir persönlich wird auch zu viel Inhalt in zu wenig Zeit gepackt. Vorhersehbar war tatsächlich, wer auf der Expedition nicht sterben wird: Jon, Jorah, Gendry und Sandor. Eigentlich hätte Jaime auch bereits tot sein müssen. Aber die Personen sollen jetzt auch auserzählt werden.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*