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Wahlkampf-Talk bei „Anne Will“: „Sie müssen aufpassen, Herr Lindner, dass es Ihnen am Ende nicht so geht, wie dem HSV

FDP-Chef Christian Lindner bei „Anne Will“
FDP-Chef Christian Lindner bei "Anne Will"

Fünf Wochen sind es noch bis zur Bundestagswahl, alle aktuellen Umfragen sehen die Union klar vor der SPD. "Wo ist der Wahlkampf?", fragen sich da viele Wähler. Die Redaktion von "Anne Will" nimmt diesen Eindruck in ihrer ersten Sendung nach der Sommerpause auf und fragt provokant: "Merkel oder Merkel - Hat Deutschland nur diese Wahl?" Mit dabei: Eine ehr wortkarge Alice Weidel von der AfD und ein streitlustiger Christian Lindner von der FDP. 

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„Entschieden ist noch gar nichts“, sagt CDU-Fraktionschef Volker Kauder und warnt davor, hochmütig zu werden. Kein Wunder, schließlich will die Union, dass ihre Wähler am Wahlsonntag nicht siegessicher zu Hause bleiben. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann sieht das – wenig überraschend – ähnlich und glaubt, dass sich Union und FDP zu früh über die derzeit guten Umfragewerte freuen.

„Sie müssen aufpassen, Herr Lindner, dass es Ihnen am Ende nicht so geht, wie dem HSV. Wenn man zu früh und zu lange jubelt, dann kann man sich verletzen und für den Rest der Saison leicht ausfallen“, witzelt er in Richtung des FDP-Chefs Christian Lindner. Oppermann spielt damit auf Nicolai Müller an. Der Fußballprofi des Hamburger SV hatte sich am Samstag beim Torjubel einen Kreuzbandriss zugezogen.

Gegenüber von Kauder und Oppermann als Repräsentanten der Großen Koalition sitzt neben Lindner auch Alicia Weidel, Spitzenkandidatin der AfD. Beide sind derzeit nicht im Bundestag vertreten. Linke und Grüne fehlen in der Talkrunde, das wolle man aber in den kommenden Wochen nachholen, erklärt die gut aufgelegte Will.

Für Lindner ist das Rennen zwischen CDU und SPD längst gelaufen, daher setze die Union auf einen „Wohlfühlwahlkampf“ mit dem Programm „Weiter so“. Auch Weidel scheint nicht so wirklich daran zu glauben, dass sich einer ihrer Wahlkampfslogans („Weg mit Merkel“) erfüllen wird. Ihr wichtigstes Ziel sei es, drittstärkste Kraft im Parlament zu werden. Die neueste Umfrage sieht die AfD aber mit nur 7 Prozent knapp hinter Linken, FDP und Grünen.

Die Unternehmensberaterin sorgt zwar für kleinere Aufreger, etwa als sie Merkel als „Extremismuskanzlerin“ bezeichnet, meldet sich aber ansonsten kaum zu Wort – außer beim Lieblingsthema Flüchtlinge. Lindner dagegen schießt gegen alle anderen anwesenden Parteien. Weidel attestiert er, „so besserwisserisch wie die Grünen“ zu sein, Niedersachsens SPD-Ministerpräsident Stephan Weil kritisiert er für seine Rolle im VW-Skandal und Kanzlerin Angela Merkel für ihr Handeln in der Flüchtlingskrise.

„Das könnten sie auch wieder im Bundestag haben“, witzelt der streitlustige FDP-Chef in Richtung Oppermann und Kauder. Letzterer will sich bei der Frage nach einer künftigen Koalition nicht festlegen, schaue aber zuallererst auf Lindners FDP.

Alles in allem verläuft die ARD-Talkrunde engagiert, aber auf der Krawallskala im Wahlkampf ist noch Luft nach oben. Das sehen auch viele Twitter-User so, von denen sich allerdings einige in der Sendeanstalt vertun und ihre Tweets an das ZDF schicken. Die Online-Redaktion des Mainzer Senders nimmt es mit Humor: „Wenn wir für jeden #AnneWill-Reply, der an uns gerichtet ist, einen Schnaps trinken müssten…“.

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