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Starke, aber auch sehr schweigsame Aktion für Vielfalt: die seltsame Kommunikationsverweigerung von Edeka

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Es sieht aus wie eine klare Botschaft gegen Rassismus: eine Edeka-Filiale in der Hamburger HafenCity hat alle Artikel aus den Regalen geräumt, die nicht aus Deutschland kommen. Damit gelang dem Händler der Viral-Erfolg des Wochenendes. Statt der Produkte platzierten die Macher Aufsteller mit den Sätzen wie: "Dieses Regal ist ohne Vielfalt ziemlich langweilig". Über den Sinn der Aktion lassen die Macher die Konsumenten jedoch viel zu lange im unklaren. So verpufft ein Großteil der Aufmerksamkeit wieder.

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In den Regalen fehlte so gut wie alles: Es gab es keinen Käse aus Frankreich mehr, oder Wein aus Spanien, Mangos aus Borneo. Wir Deutschen müssten auf einiges verzichten, wenn ausländische Produkte keinen Platz mehr in unseren Supermarktregalen hätten.

Weitere Schilder zeigten Sätze wie: „Dieses Regal zeigt: Deutschland wäre ärmer ohne Vielfalt“. Eine Fotostrecke zu der Aktion ging prompt online und wurde ziemlich schnell von Huffington Post bis Bento geteilt. Einige Edeka-Kunden veröffentlichten verschiedene Fotos aus der Filiale. Eines bleibt bisher aber noch aus: Eine Stellungnahme oder Reaktion von Edeka selbst. Am Sonntag war der Filialleiter laut Huffington Post nicht erreichbar.

Am heutigen Montag bat er die ersten Journalisten, die ihn erreichten, doch bitte am morgigen Dienstag noch einmal anzurufen. Und die Pressestelle von Edeka? Die erklärte sich telefonisch zwar für verantwortlich, bat aber um schriftliche Fragen und antwortete dann mit einem maximal nichts sagenden Statement: 

„EDEKA steht für Vielfalt. Wir führen zahlreiche Lebensmittel in unserem Sortiment, die in den unterschiedlichen Regionen Deutschlands hergestellt werden. Aber erst gemeinsam mit Produkten aus anderen Ländern schaffen wir in unserem Sortiment die einzigartige Vielfalt, die unsere Kunden schätzen. Wir freuen uns, dass wir viele positive Stimmen zu der Aktion am Samstag bekommen haben. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir aktuell noch nicht mehr zu dieser Aktion sagen möchten.“

Die Folge: Die Aktion verliert etwas von ihrer Wucht. Denn das visuell starke Signal für Vielfalt braucht irgendwann auch einen klare Erklärung, um ihre ganze Kraft entfalten zu können. Denn bislang war die Aktion schon richtig erfolgreich. Nach dem Tod von Jerry Lewis waren die leeren Regale in der HafenCity am Sonntag laut #trending das Top-Thema in den sozialen Netzwerken.

Selbst auf der Facebook-Seite des Marktes fehlt jeglicher Kommentar oder Hinweis zu den leer geräumten Regalen. In Ermangelung eines passenden Forums debattieren die Nutzer über den Sinn und Unsinn der leeren Regale unter dem aktuellsten Posting mit Angeboten für die nächste Woche.

Reaktionen aus dem Netz

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