Anzeige

Schabirosky und der lange Schatten des „Drückerkönigs“: Wie viel Maschmeyer steckt im Rufmord-Krimi?

Unternehmer Carsten Maschmeyer, Enthüllungsbuch eines Ex-Mitarbeiters über den „Rufmord“ an ihm: „unverstandener Heiliger der Finanzwelt“
Unternehmer Carsten Maschmeyer, Enthüllungsbuch eines Ex-Mitarbeiters über den "Rufmord" an ihm: "unverstandener Heiliger der Finanzwelt"

Mit dem Buch „Mein Auftrag: Rufmord“ will Stefan Schabirosky laut eigener Aussage aufdecken, dass von ihm initiierte Kampagnen für das negative Image von Carsten Maschmeyer verantwortlich sind. Schabiroskys Schilderungen des Rufmordes wirken überzeugend – für die Entstehung des Buches gilt das allerdings nicht. Denn Schabirosky als geläuterter Rufmörder und alleiniger Verfasser ist genauso schwer vorstellbar wie Carsten Maschmeyer als Unbeteiligter, der nur seine Zitate autorisiert hat.

Anzeige
Anzeige

Dass Carsten Maschmeyer unter bestimmten Umständen gerne dazu bereit ist, sein Geld in Sachbücher zu investieren, ist hinlänglich bekannt. Gerhard Schröder hat bereits davon profitiert, absurde zwei Millionen Euro zahlte Maschmeyer für die Rechte an dessen Memoiren, und auch Christian Wulff erfuhr die Großherzigkeit seines Freundes, als der 42.000 Euro in eine Plakat-Kampagne für Wulffs Buch mit dem heute so absurd klingenden Titel „Besser die Wahrheit“ steckte.

Ist es da vorstellbar, dass Maschmeyer keinen Cent in Stefan Schabiroskys „Mein Auftrag: Rufmord“ investiert hat? An den Pranger gestellt werden darin die Deutsche Vermögensberatung (DVAG), die Schabirosky für den Rufmord an Maschmeyer bezahlt haben soll, sowie die Journalisten, derer sich der ehemalige AWD-Mitarbeiter dafür bedient hat. Rehabilitiert, bewundert und schließlich fast vergöttert wird dagegen: Carsten Maschmeyer. Die erste Apologie des ungekrönten „Drückerkönigs“ erwartet den Leser schon auf Seite 19: „Damals ahnte ich noch nicht, wie einfach es wurde, Carsten Maschmeyer zum Sündenbock zu machen. Dabei trug er an der Schieflage einiger geschlossener Fonds keine Schuld.“ So geht es bis zur Buchmitte weiter, nicht zu häufig, dem normalen Leser dürfte es gar nicht auffallen, und auch nicht zu schwärmerisch. „Maschi ließ sich nicht lumpen“, liest man da, oder „Maschi ist ein Street Fighter“, laut Autor eine Aussage von Florian Homm.

Etwa auf der Hälfte des Buches wird Carsten Maschmeyer dann zum ersten Mal offen angebetet: Ohne ihn breche der Laden über kurz oder lang zusammen, „der AWD war Maschmeyer und Maschmeyer war der AWD“, und dann, zur Krönung, macht Stefan Schabirosky seinen ehemaligen Chef zum Vertriebs-Messias: „Zu meiner AWD-Zeit war ich einmal zu einem Seminar mit null Kundenterminen für die kommende Woche angereist. Dann kam Carsten Maschmeyer. Er redete zwei Stunden. Anschließend legte ich los und vereinbarte in neunzig Minuten zehn Termine. So viele wie nie vorher in so kurzer Zeit.“

Es endet nicht damit, dass „Maschi“ auch noch Lahme zum Gehen bringt. Aber spätestens der Epilog des Buches, in dem der Autor schildert, wie er sich mehrmals mit Maschmeyer getroffen und seinen Rufmord aufgedeckt hat, liest sich wie das Evangelium nach Schabirosky. Carsten Maschmeyer begegnet darin seinem jahrelangen Peiniger ohne Aggression, er zeigt sich großzügig und nachdenklich, menschlich und weise. Stefan Schabirosky erklärt ihn im Gegenzug zum Segen bringenden Revolutionär der Finanzberatung.

Das gesamte Nachwort liest sich so ausgedacht, so hemmungslos zum Wohle Maschmeyers konstruiert, dass es schmerzt. Laut Verlag hatte Carsten Maschmeyer in diesem Buchprojekt aber nur eine ganz kleine Nebenrolle. Auf Anfrage von MEEDIA hieß es: „Nachdem wir ihm (Maschmeyer, die Red.) das Manuskript gegeben haben, haben wir sein Einverständnis für die Veröffentlichung eingeholt. Desweiteren haben wir ihn gebeten, die Textstellen, die sich auf persönliche Begegnungen mit ihm beziehen, auf Richtigkeit zu prüfen und schließlich seine Zitate im Schlusskapitel von ihm autorisieren lassen.“

Anzeige

Carsten Maschmeyer selbst schweigt zu dieser Frage und zu allen anderen rund um das Schabirosky-Buch. Auch Schabirosky, dank seiner jahrelangen Rufmordkampagne ein absoluter Medienprofi, bleibt fast vollständig im Schatten. Auf die Frage von MEEDIA, wovon Schabirosky denn derzeit seinen Lebensunterhalt bestreitet, ließ der Verlag immerhin folgendes verlauten: „Herr Schabirosky arbeitet seit vielen Jahren als selbstständiger Finanzvermittler und auch als Day-Trader, also mit kurzfristigem Aktienhandel.“ Deutlich schwammiger fällt dagegen die Antwort auf die Frage aus, ob Schabirosky einen Ghostwriter oder mindestens einen Co-Autor hatte. „Wir haben Herrn Schabirosky durch ein professionelles Lektorat unterstützt.“

Das kann im Prinzip alles bedeuten – und befördert am Ende nur die Mutmaßung, dass Stefan Schabirosky genau wie bei seiner Rufmordkampagne gegen Carsten Maschmeyer auch hier wieder nur der Strohmann sein könnte. Denn dass sich ausgerechnet ein notorischer Lügner und Betrüger vom Lügen und Betrügen abwendet, weil er so gerne reinen Tisch machen möchte, und dass er dann aus eigenem Antrieb, ohne jeden finanziellen Anreiz, Carsten Maschmeyer zum unverstandenen Heiligen der Finanzwelt macht, klingt einfach zu sehr nach einem Märchen, das den wahren Spiritus Rector verschleiern soll.

Und schließlich besitzt dieses Enthüllungsbuch zwar enorm viele belegbare Fakten, wirkt dabei aber nur ganz selten authentisch. Es passt einfach überhaupt nicht zusammen, wenn im zweiten und dritten Drittel eine wirklich gut durchkomponierte, pointierte und nicht selten hämische Medienkritik zu lesen ist, im ersten Drittel hingegen ein oft unerträgliches Gesülze aus dem Leben eines jungen Versicherungsfuzzis. Sätze wie: „Meine Buddys und ich lagen immer links von der großen Seebrücke beim Volleyballfeld. Dort war die Beauty-Dichte am größten“ klingen nicht nur lächerlich, sondern in einem derart akribisch ausgearbeiteten Enthüllungsbuch auch viel zu konstruiert, um von dem stammen zu können, der die Situation erlebt hat – nämlich Schabirosky.

Wenn – jenseits der Schilderung der Rufkmordkampagne – wahr sein soll, was uns Autor und Verlag hier einreden wollen, dann klang die Wahrheit noch nie so ausgedacht. Und weil sich Carsten Maschmeyer nicht äußert und Stefan Schabirosky eine völlig nebulöse Figur bleibt, müssen beide und auch der Verlag mit solchen Spekulationen leben.

Der Unternehmer aus Hannover hat sich auch auf erneute MEEDIA-Anfrage nach seiner Rolle bei dem Buchprojekt bisher nicht geäußert. Der Verlag teilte nach den Dementis von Medien und dem Versicherungskonzern DVAG sowie der Kritik an der von Schabirosky vertretenen Sichtweise am Freitagmittag mit, er habe bislang noch keine Kenntnis von juristischen Interventionen gegen die im Buch aufgestellten Tatsachenbehauptungen. Und Schabirosky selbst? Der verweist auf sein Statement vom Mittwoch, in dem er u.a. die „als Presse-Info verbreitete Schutzbehauptung“ seines angeblichen Auftraggebers DVA als „eine Ansammlung billiger Lügen“ bezeichnet.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige