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Härte und Humor: Stephen Colberts Interview mit Anthony Scaramucci wäre im deutschen TV undenkbar

Härte und Humor: Stephen Colbert (r.) interviewte den geschassten Kommunikationschef des Weißen Hauses, Anthony Scaramucci
Härte und Humor: Stephen Colbert (r.) interviewte den geschassten Kommunikationschef des Weißen Hauses, Anthony Scaramucci

Eine Sendung wie die jüngste Ausgabe der "Late Show" mit Stephen Colbert wäre im deutschen TV wohl undenkbar. Colbert hatte den in Rekordzeit geschassten Ex-Kommunikationschef des Weißen Hauses, Anthony Scaramucci, zu Gast, der während seiner Amtszeit vom Moderator gnadenlos durch den Kakao gezogen wurde. Auch in der direkten Konfrontation schenkten sich Scaramucci und Colbert nichts.

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Scaramucci war durch eine Reihe von ungeheuerlichen Entgleisungen aufgefallen und nach nur elf Tagen wieder als Kommunikationsdirektor der Trump-Regierung gefeuert worden. Zuvor hatte er u.a. einem Reporter gesagt, Trump-Berater Stephen Bannon würde „am liebsten seinen eigenen Schwanz lutschen“. Den mittlerweile ebenfalls entlassenen Stabschef Reince Priebus bezeichnete Scaramucci als „paranoiden Schizophrenen“. Mit Bezug auf die „fuckin‘ Leakers“, die Informationen aus dem Weißen Haus an die Medien durchstechen, beschied Scaramucci, er würde sie alle am liebsten töten.

Stephen Colbert ließ keine Gelegenheit aus, sich über die Steilvorlagen von „The Mooch“ lustig zu machen, und ihn der Lächerlichkeit preiszugeben. Umso erstaunlicher, dass Scaramucci nun als Gast in der „Late Show“ von Colbert auftauchte. Dabei redete er offen und geradeheraus über seine Fehler und die internen Querelen im Weißen Haus. Colbert thematisierte den aktuellen Aufreger, dass Präsident Trump zwei Tage gebraucht hat, um die Ausschreitungen von Rechtsextremisten in der US-Stadt Charlottesville zu verurteilen.

Scaramucci positionierte sich bei Colbert klar gegen Nazis und Rassismus. Er finde es unerträglich, dass Leute in Trumps Umfeld, wie Stephen Bannon Rassismus zumindest tolerieren würden. Er selbst würde Bannon feuern, so Scaramucci. Das Interview ist überaus sehenswert, auch weil Scaramucci und Colbert beide zu keiner Sekunde der Versuchung erliegen, etwas weichzuspülen. Colbert konfrontiert Scaramucci knallhart von Angesicht zu Angesicht mit seinen Fehltritten. Als Scaramucci versucht, Colbert auf seine Seite zu ziehen, wiegelt dieser ab.

Scaramucci: „You know this, You can fell it from me, I’m an honest person …“

Colbert: „Wait a second! Don’t use me as a character witness for You. I met You like five minutes ago. What are You talking about?“

Scaramucci: „I won’t use You …“

Colbert: „Ah, the Mooch, I’ll sign a loan for him …what are You talking about?“

Scaramucci: „Hey, I#m always good on loans. I’m like the Lannisters that way.“

Colbert: „The Mooch always pays his debt, is that what You’re saying?“

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Diese Mischung aus Härte plus Humor ist einzigartig für das angelsächsische Fernsehen. Abgesehen, davon dass eine absurde Figur wie Scaramucci im deutschen Politikbetrieb nicht vorstellbar wäre, ist es leider auch nicht vorstellbar, dass jemand aus dem Politikbetrieb so hart und konfrontativ im TV angegangen wird wie „The Mooch“ von Colbert. Hier das Interview in zwei Teilen in voller Länge:

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