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„Verboten hat man uns noch nie etwas“: Axel Naumer über den Erfolg der WDR-Radioshow „Satire Deluxe“

Mit „Satire Deluxe“ gelang dem Moderatoren-Duo Henning Bornemann (li.) und Axel Naumer eine lustige Erfolgsgeschichte
Mit „Satire Deluxe“ gelang dem Moderatoren-Duo Henning Bornemann (li.) und Axel Naumer eine lustige Erfolgsgeschichte

Mit „Satire Deluxe“ sind Henning Bornemann und Axel Naumer innerhalb weniger Monate zu einem Aushängeschild des WDR-Hörfunks geworden. Zur Bundestagswahl läuft das Format nun zum zweiten Mal auch im Fernsehen. Warum das bei den Künstlern zu einer Ferienlagerstimmung führt, wie hilfreich ein humoristisches Archiv ist und warum er jede Schäuble-Rede zu Ende guckt, erzählt Axel Naumer im Gespräch mit MEEDIA.

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Von Hendrik Steinkuhl

Herr Naumer, wie ist aus Ihnen und Henning Bornemann ein Moderationspaar geworden?
Auf WDR2 lief viele Jahre die „Zugabe“, die wir beide moderiert haben, allerdings getrennt voneinander. Irgendwann bekam die Sendung einen neuen Sendeplatz und ich habe die letzte „alte“ Folge moderiert. Henning Bornemann ist spontan dazugekommen, und wir haben dann improvisiert und die ganze Zeit so getan, als würden wir Umzugskartons packen und dabei überlegen, welche alten Pointen weg können. „Hier, den Strauß-O-Ton braucht doch keiner mehr“, so in der Art. Das klappte gut zusammen. Und als dann bei der WDR-5-Programmreform ein neuer Satire-Sendeplatz am Samstagvormittag eingeplant wurde, hat man sich erinnert und uns gefragt.

Sie haben sicher nicht lange überlegt.
Wir haben ehrlich gesagt gar nicht mal so kurz überlegt. Jeden Samstag eine einstündige Satire-Sendung zu stemmen ist lebensverändernd. Die ganze Wochenendgestaltung ist plötzlich eine andere, man muss auf einiges verzichten, und wir haben uns natürlich auch gefragt, ob wir es schaffen, Woche für Woche eine gute Livesendung hinzukriegen. Am Ende haben wir uns aber dafür entschieden, das Angebot anzunehmen. Denn so eine Chance bekommt man natürlich nicht oft.

Wie lange sind Sie mit der Vorbereitung auf die Sendung beschäftigt?
Während die Sendung läuft, beginnt eigentlich schon die Vorbereitung für die nächste. Die O-Töne, die wir in der Sendung einspielen, sammeln wir fast ausschließlich selbst. Ich gucke jetzt quasi alles, auch sehr viel Phoenix. Und wo sich andere bei einer Schäuble-Rede nach einem Satz ausklinken, bleibe ich bis zuletzt dran, um keinen Versprecher oder Verhaspler zu verpassen. Wenn wir dann zusätzlich im Fernsehen laufen, muss ich auch noch darauf achten, ob einer stolpert oder irgendwo eine Fahne umfällt.

Führt diese Art des Fernsehens dazu, dass man die inhaltlichen Schwerpunkte einer Rede manchmal gar nicht richtig mitbekommt?
Ja, da ist etwas dran. Ich stelle immer wieder fest, wenn ich etwa bei Monitor einen Beitrag mit Ausschnitten aus einer Pressekonferenz sehe, die ich auch geguckt habe, dass die Kollegen etwas ausgewählt haben, das ich so nicht wahrgenommen hatte.

Sie spielen in Ihrer Sendung auch immer wieder alte O-Töne und Auftritte von Kabarettisten ein. Nutzen Sie dafür das riesige WDR-Archiv?
Das auch, im WDR-Archiv findet man natürlich ungeheuer viel. Henning Bornemann und ich sind aber selbst extreme O-Ton-Sammler, und das schon ziemlich lange. In meinem eigenen Archiv habe ich über 50.000 Titel. Das hilft natürlich natürlich enorm dabei, eine wöchentliche Satiresendung zu bestücken.

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Wann beginnt dann die unmittelbare Vorbereitung der Sendung?
Mittwochs gibt es eine Telefonkonferenz, an der neben Henning Bornemann und mir auch die Redakteure und ein Rechercheur teilnehmen. Wir haben ein acht bis zehn Minuten langes Hintergrundthema in jeder Sendung, häufig setzen wir den Rechercheur darauf an. Nach der Wahl von Donald Trump zum Beispiel haben viele seine Macht relativiert, indem sie sagten, es gebe auch andere Präsidenten, die sehr viel dürfen. Also haben wir den Rechercheur losgeschickt mit der Frage: Was dürfen denn eigentlich andere Präsidenten? Da kommt dann oft viel trockenes Material und wir müssen sehen, dass wir das unterhaltsam kriegen. Freitags schreiben wir dann das Buch, wovon wir dann am Samstag manchmal einen Teil wieder wegschmeißen müssen, wenn aktuell etwas Wichtiges passiert ist.

Welchen Einfluss nehmen dabei die WDR-Redakteure?
Einen geringen, und wenn, dann in Form von sachlich vorgetragenen Hinweisen. Wir haben ziemlich große Freiheiten, und definitiv wird nicht seitenweise in unserem Text herumredigiert. Natürlich werden sachliche Fehler moniert und auch sonst kritisch gegengelesen, aber das hilft der Sache ja. Verboten hat man uns noch nie etwas. Andere Satiriker haben da vielleicht andere Erfahrungen gemacht, was man so liest.

Sie spielen auf Serdar Somuncu an, der einer WDR-Redakteurin öffentlich Zensur vorgeworfen hat.
Ach, eine konkrete Person hatte ich gar nicht im Kopf. Ich denke übrigens, dass in vielen solcher Situationen der große Ärger einfach nur durch Kommunikationsprobleme entsteht.

Haben Sie denn schon nennenswerten Ärger bekommen, weil Sie nach Meinung der Hörer oder des WDR zu weit gegangen sind?
Bislang nicht, und wenn doch, dann wurde es nicht an uns herangetragen. Natürlich gibt es immer wieder Hörer, die schreiben, unsere Sendung sei wirklich das Allerletzte und sie würden den Sender jetzt nicht mehr hören. Man muss an dieser Stelle auch mal WDR 5 danken, denn die haben sich wirklich was getraut, indem sie am helllichten Tag, am Samstagmorgen um 11 Uhr, Satire ins Programm genommen haben. Normalerweise findet die im Radio ja nur in Randbereichen des Programms irgendwann nach Sonnenuntergang statt. Wir bemühen uns aber natürlich auch, dass unser Humor geschmackssicher ist. Wenn man auf diesem Sendeplatz im Radio Satire macht, ist das Publikum ein ganz anderes, als wenn man abends auf die Bühne geht und fast ausschließlich vor eingeschworenen Kabarett-Fans spielt. Deswegen haben wir in der Sendung nach dem Tod von Helmut Kohl keine Witze über ihn gemacht. Mit einem gewissen zeitlichen Abstand geht das sicher auch im Radio, aber nicht, während noch allgemeine Betroffenheit herrscht.

Vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gab es einige Fernseh-Ausgaben von „Satire Deluxe“, zur Bundestagswahl laufen Sie nun erneut im WDR-Fernsehen. Wie hoch ist der zusätzliche Aufwand?
Der ist enorm hoch, weil wir dann in einer Woche zwei komplett verschiedene Sendungen für Radio und Fernsehen produzieren. Nur der Gast ist derselbe, allerdings führen wir mit dem auch zwei unterschiedliche Gespräche. In der Vorbereitung führt der Aufwand dann zu einer Art Ferienlagerstimmung, wir hocken bis tief in die Nacht zusammen, und vor der Tür liegen morgens leere Pizzakartons. Aber selbst, wenn wir nur die Radiosendung machen, hat sich unser Leben vor allem in einer Hinsicht verändert: Wir schlafen beide deutlich weniger als früher.

Satire Deluxe“  läuft jeden Samstag um 11 Uhr auf WDR 5. Zur Bundestagswahl werden zusätzlich vier Folgen im WDR-Fernsehen ausgestrahlt. Die erste Ausgabe kommt am 9. September um 23.30 Uhr.

 

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