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“Es gab zu wenig weibliche Vorbilder in deutschen Frauenzeitschriften” – Lisa van Houtem über den Erfolg des Online-Magazins Femtastics

Lisa van Houtem, Co-Founderin von Femtastics
Lisa van Houtem, Co-Founderin von Femtastics

Der Markt der Frauenmagazine ist hart umkämpft. Trotzdem konnten sich zuletzt einige innovative Angebote einen festen Platz sichern. Dazu gehören Très Click, Edition F oder Femtastics. Hinter diesen Marken stehen Gründerinnen, die die Vision eint, auch online facettenreichen Journalismus für Frauen machen zu wollen. MEEDIA stellt die Erfolgsgeschichten dieser Magazine vor. Teil drei: Femtastics.

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Lisa van Houtem, Katharina Charpian und Anna Weilberg haben 2014 entschieden: Deutschland braucht ein neues digitales Frauenmagazin. Noch parallel zu ihren Festanstellungen bei Brigitte beziehungsweise bei Couch gingen sie in die Planung, um Anfang 2015 schließlich Femtastics zu gründen. Die drei Hamburgerinnen porträtieren in ausführlichen Interviews sowie in Home- und Workstories inspirierende Frauen – von der Anwältin bis zur Bloggerin, von der Stewardess bis zur Restaurant-Besitzerin, von Hamburg bis London. Im MEEDIA-Interview spricht Lisa van Houtem über die Anfänge von Femtastics, die Herausforderungen von Native Advertising und Feminismus im Trend.

Was lief bei den deutschen Frauenmagazinen derart schief, dass ihr drei im Herbst 2014 entschieden habt, Femtastics zu gründen? Du hast vorher bei der Brigitte gearbeitet, wann hast du gemerkt: Ich will hier raus?
Lisa van Houtem: Nach fünf Jahren Festanstellung habe ich für mich dort keine Perspektive mehr gesehen. Wir waren alle drei in unseren Verlagsjobs nicht mehr zufrieden, weil uns die Online-Aktivitäten der Magazine viel zu langsam waren. Es war schwierig, eigene Ideen umzusetzen. Außerdem hat uns das Thema „Girlpower“ damals schon stark bewegt. In den gängigen deutschen Frauenmagazinen haben weibliche Vorbilder sowie die Darstellung von vielfältigen Lebenswegen gefehlt. Wir wollen Frauen eine Bühne bieten, die richtig was bewegen, und gleichzeitig wollen wir unterschiedlichste Karrieremodelle sichtbarer machen.

Screenshot: Femtastics

Ist das mittlerweile besser geworden? Gibt es in den geläufigen Frauenmagazinen mehr Vorbilder?
Es ist definitiv besser geworden. Es werden mehr alternative Lebenskonzepte vorgestellt und der Feminismus ist obendrauf Trend geworden. Meiner Meinung nach ist da auch der Zenit schon erreicht.

Das klingt, als würdest du es nicht komplett positiv finden, dass der Feminismus Trend ist?
Die Frage ist immer, wie nachhaltig das ist. So gibt es ja auch beispielsweise eine berechtigte Diskussion darüber, ob es sinnvoll ist, dass große Modemarken in Masse auf ihre T-Shirts den Slogan „I’m a Feminist“ drucken. Es ist natürlich super, wenn ein junges Mädchen darüber einen ersten Anknüpfungspunkt zum Feminismus findet und sich mit den Werten der Bewegung auseinandersetzt. Trotzdem muss man aufpassen, die Ziele des Feminismus trotz Hype nicht aus den Augen zu verlieren.

Hattet ihr als junge Frauen Schwierigkeiten beim Gründen? Wo lagen Hürden?
Am Anfang wurden wir manchmal nicht ernst genommen. Viele haben über Femtastics als „niedlichen Blog von drei Journalistinnen“ gesprochen. Dabei hatten wir immer die Vision, ein Medienunternehmen hochzuziehen.

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Woher hattet ihr die finanziellen Mittel für die Gründung?
Wir sind komplett eigenfinanziert gestartet, ohne Verlag im Rücken und ohne Investoren. Wir haben am Anfang tatsächlich noch Geld von unseren Privatkonten aufs Geschäftskonto überwiesen. Dadurch hatten wir vom ersten Tag an den Druck, dass wir Geld verdienen müssen.

Hat es geklappt? Seid ihr profitabel und woher kommen eure Einnahmen?
Ja, wir waren recht zügig profitabel. Wir kooperieren mit Unternehmen, wie beispielsweise Otto, Catrice, Mint&Berry, Hessnatur, Ebay oder auch Samsung. Das heißt, wir finanzieren uns hauptsächlich über Native Advertising. Unsere zweite große Einnahmequelle sind Zweitverwertungen. Wir verkaufen unsere Inhalte an andere Medien. Parallel haben wir noch eine Creative Content Agentur im Hintergrund gegründet, sodass wir drei als Journalisten auch beratende Tätigkeiten annehmen können.

Verkauft ihr die Inhalte auch an euren ehemaligen Arbeitgeber?
Ja, generell sind wir viel mit Gruner + Jahr in Kontakt.

Screenshot: Femtastics

Du hast Native Advertising als eine wichtige Einnahmequelle genannt. Ich muss ja gestehen, dass mir das teilweise noch echt negativ aufstößt, weil die Inhalte bei vielen Medien nicht deutlich genug als Werbung gekennzeichnet sind. Ganz furchtbar finde ich es bei den zahlreichen Beauty- und Lifestylebloggern, deren Seiten letztendlich reine Werbebroschüren sind. Da steht dann unter einem Text maximal „In Zusammenarbeit mit XY“. Wie sollen das Leser, die mit Journalismus oder Marketing nichts am Hut haben, als Werbung erkennen…
Das ist auch für uns immer wieder ein Drahtseilakt. Tatsächlich wünschen wir uns manchmal andere Finanzierungsmöglichkeiten, aber an eine Paywall glauben wir beispielsweise nicht. Das widerspricht meiner Meinung nach dem Online-Spirit, dass Inhalte frei zugänglich und vor allem auch teilbar sind. Native Advertising ist für uns die beste Möglichkeit, unser Produkt am Laufen zu halten und unsere Dienstleister zu bezahlen. Deshalb sehen wir das vor allem als Herausforderung: Jede Kooperation so umzusetzen, dass wir uns nicht verraten und abends noch in den Spiegel schauen können. Die Werbung muss einen Mehrwert bieten, ohne die jeweilige Geschichte zu beeinträchtigen. Sie muss transparent und authentisch bleiben, das heißt, dass man sie nicht nur als solche kennzeichnet, sondern durchaus auch redaktionell anmoderiert. Und wir merken: Je transparenter wir sind, desto bereitwilliger akzeptieren unsere User die Werbung auf der Seite.

Hier geht es zum Interview mit Ninon Götz und Alexandra Springer von Très Click,  hier geht es zum Interview mit Susann Hoffmann von Edition F und und hier zum Interview mit Thea und Toni vom sisterMAG. 

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