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Ex-Bild-Chef macht Türkei-Urlaub: Regierungsnahe Medien stellen Kai Diekmann an den Pranger

Verwunderung in Deutschland, aggressive Stimmung in der Türkei: Bodrum-Urlauber Kai Diekmann kommt nicht gut an
Verwunderung in Deutschland, aggressive Stimmung in der Türkei: Bodrum-Urlauber Kai Diekmann kommt nicht gut an

Kai Diekmann macht Urlaub und selbst das sorgt für Erregung: Der ehemalige Bild-Herausgeber befindet sich auf Südeuropa-Reise und legte dabei ein paar Tage Aufenthalt in der Türkei ein. Die dortigen Medien zeigen sich wenig gastfreundlich und reagieren aggressiv. Und auch aus deutscher Perspektive hat Diekmanns Ferienplanung ein Geschmäckle.

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Kai Diekmann macht Urlaub, wie er ihn eigentlich immer macht – und doch ist alles anders. Bereits seit Jahren verbringt er seinen Sommerurlaub mit der Familie in Bodrum, so war die Region im Südwesten der Türkei auch in der vergangenen Woche wieder Diekmann’sches Reiseziel. Nur willkommen ist er in diesem Jahr nicht so wirklich. Zumindest nicht von den regierungsnahen Medien. Der Bild-Chef wurde zur Zielscheibe.

Gleich mehrere Zeitungen berichteten über den Aufenthalt des ehemaligen Bild-Herausgebers, veröffentlichten Fotos von seiner Unterkunft und druckten Tweets ab, in denen Diekmann fleißig Urlaubsmomente teilte. „Sie sind nicht willkommen“, hieß es in der Berichterstattung dazu.

Diekmanns Aufenthalt sorgt offenbar vor allem wegen der Berichterstattung der Bild-Zeitung für Unmut. Obwohl der Journalist operativ nicht mehr für das Springer-Medium arbeitet, machen ihn die regierungsnahen Medien für kritische Schlagzeilen verantwortlich. Unter anderem wurde eine Titelgeschichte aus den vergangenen Wochen zitiert. Darin fragte Bild, ob Staatspräsident Erdogan nun auch deutsche Urlauber inhaftieren werde. Zuvor hatte sich Außenminister Sigmar Gabriel warnend über Türkei-Aufenthalte geäußert. Dass ausgerechnet Diekmann trotzdem in die Türkei gefahren ist, darauf reagierte man nun unter anderem mit Häme.

Hintergrund sind die angespannten Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland, die sich seit Wochen zuspitzen und mit jüngsten Verhaftungen einen neuen Krisen-Status erreicht haben. Seit Anfang Juli halten Behörden den deutschen Menschenrechtler Peter Steudtner in Gewahrsam. Seit April befindet sich die deutsch-türkische Journalistin Mesale Tolu in Haft, auch ihr Kind wurde festgenommen. Bereits seit Ende vergangenen Jahres sitzt zudem Deniz Yücel im Gefängnis.

Angesichts dieser Vorfälle wird Diekmanns Urlaub auch hierzulande mit einiger Verwunderung aufgenommen – vor allem im Axel-Springer-Haus in Berlin. Yücel ist Türkei-Korrespondent der ebenfalls zu Springer gehörenden Welt. Im Konzern interpretieren einige das Verhalten des Ex-Herausgebers als unsensibel – auch wenn es sie nicht verwundert.

Denn Diekmann sorgte im persönlichen Umgang mit der Türkei bereits im März für Aufsehen, als er in einem Interview, das wiederum in einer Werbe-Broschüre für die Türkei erschienen ist, für das Land schwärmte. Diekmann verfolgt damit seine eigene Agenda, verteidigte das Interview damals damit, dass man beim Blick auf die Türkei differenzieren müsse. „Ich wünsche mir, dass wir zu den Menschen in der Türkei Kontakt halten und Kontakt pflegen, die dort schon lange unter dem Druck von Erdogan stehen“, erklärte er dazu gegenüber MEEDIA.  Bei Twitter erwiderte er seine Einstellung als Antwort auf den Medien-Pranger.

Mit dem Urlaub hat sich Kai Diekmann womöglich aber auch privat einem Risiko ausgesetzt. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass die Behörden den einflussreichen Journalisten festsetzen, als gering erscheint, können anderen Übergriffe, beispielsweise von Erdogan-Anhängern nicht ausgeschlossen werden. „Erdogans Medien riskieren die Sicherheit des deutschen Journalisten Kai Diekmann“, stellte dazu auch Abdullah  Bozkurz, Präsident des Stockholm Center of Freedom, fest.

Mittlerweile ist Diekmann nach Griechenland weitergereist.

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