Q2-Bilanz: Warum es für die New York Times sinnvoll sein könnte, die wochentägliche Print-Ausgabe einzustellen

Das Hauptquartier der New York Times in Manhattan
Das Hauptquartier der New York Times in Manhattan

Die New York Times hat ihre Bilanz für das zweite Quartal 2017 veröffentlicht. Das Zahlenwerk enthält gleichzeitig gute und schlechte Nachrichten für die gesamte Branche. So schafft es die NY Times, die Zahl ihrer Digital-Abos deutlich zu steigern. Der Verfall der Print-Auflage und Print-Anzeigenumsätze hält aber unvermindert an. Der Medien-Experte Frederic Filloux rät darum zu einem drastischen Schritt: die wochentägliche Print-Ausgabe einstellen.

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Der Gesamtumsatz der New ork Times ist im zweiten Quartal 2017 im Vergleich zu 2016 um neun Prozent gestiegen. Der Umsatz der digitalen Produkte kletterte im selben Zeitraum um 46 Prozent. Die Zahl der Digital-Abonnenten legte sogar um 63 Prozent auf 2,33 Mio. zu. Dabei kommen „nur“ 14 Prozent der Digital-Abonnenten von außerhalb der USA.

Dagegen die Bilanz des Print-Geschäfts: Die Print-Anzeigenumsätze sanken um 10,5 Prozent, die wochentägliche Auflage sank um vier, die der Sonntagsausgabe um ein Prozent. Medien-Experte Frederic Filloux, der den Newsletter „Monday Note“ herausgibt, schätzt, dass rund 50 Prozent der Print-Anzeigenumsätze von der besonders umfangreichen Sonntagsausgabe stammen.

Die Umsätze der Print-Abos, so argumentiert Filloux, könnten nur durch weitere Preiserhöhungen aufrecht erhalte werden. Dieses Mittel dürfte sich bald erschöpft haben. Nämlich dann, wenn ein Preispunkt erreicht ist, den die Leser nicht mehr zu zahlen bereit sind. Filloux zitiert den New Yorker Marketing-Professor Scott Galloway: „Woran erkennt man, dass eine Industrie reif für Disruption ist? Die Preise steigen schneller als die Inflationsrate. Man kann argumentieren, dass Medien und Fernsehen sehr wahrscheinlich unter die Disruption fallen werden: Sie erhöhen die Preise während die Nutzerzahlen sinken.“ Filloux ergänzt, dass dies für Printmedien weltweit der Fall ist, mit Ausnahme von Indien.

Das digitale Abo-Geschäft wächst also dynamisch, der Löwenanteil des Print-Anzeigengeschäfts entfällt auf die Sonntagsausgabe und die Abo-Umsätze der Print-Ausgabe lassen sich nur noch mit Preiserhöhungen stabil halten. Umgekehrt sind Vertrieb und Druck der wochentäglichen Zeitung die größten Kostenfaktoren. Filloux rät darum zu einem radikalen Schritt: Einstellen der wochentäglichen Print-Ausgabe, Verkauf der Druckereien und Konzentration auf gedruckte Sonntags-Ausgabe plus Digital.

Parallel sollte die New York Times ihre Anstrengungen verstärken, Digital-Abos im Ausland zu verkaufen. 14 Prozent Auslandsandteil an den 2,33 Mio. Digitalabos der Times sind zwar ein guter Wert, aber die  globale Zielgruppe mit englischen Sprachkenntnissen und Uni-Abschluss umfasse ca. 500 Mio. Menschen. Die BBC erreicht mit (kostenlosen) Angeboten rund 130 Mio. Menschen weltweit. Laut Filloux müsste die Times darüber nachdenken, Abos auf dem internationalen Markt deutlich verbilligt anzubieten, um aggressiv zu wachsen. Er bringt einen Rabatt von 75 Prozent ins Spiel. Technisch wären unterschiedliche Abo-Preise in anderen Ländern Dank Geo-Blocking kein Problem.

Digital-Platformen wie Facebook seien diesen Weg schon längst gegangen. „Wenn Facebook pro Nutzer in den USA und Kanada 100 Dollar Umsatz macht, sind das 31 in Europa, 12 in Asien und nur acht in anderen Ländern.“ Filloux zweifelt aber daran, dass Traditionsmedien, wie eben auch die New York Times, bereit sind, solch radikale Schritte zu unternehmen: „Das ist ein Rubikon, den Tech-Firmen, die von Daten und Wachstums-Bessesenheit beherrscht werden, schon lange überschritten haben, während Traditionsmedien liebe am Ufer verharren und abwarten.“

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Alle Kommentare

  1. Haben sowas schon Lokalzeitungen gemacht ? In anständigen Ländern gibts ja freie WiFis und in Schweden und Norwegen und Kanada und Australien usw. sind die Strecken gigantisch und das Internet wird gefördert statt zurück-gehalten und Papier-Vertrieb ist viel teurer weil es noch keine Roboter-Elektro-Trucks und Drohnen gibt sondern recht teuer Benzin oder Flieger die Gebiete versorgen müssen.

    Wenn Analysten besser wären, hätten sie bei $ 90 letztes Jahr Apple zum Kauf empfohlen… statt zu kritisieren.
    Gute Analysten können – wie FC Bayern München oder die Fußball-National-Mannschaft oder jede Börsen-Firmen-Quartals-Bilanz – ihre Leistung als Kennzahl hinter ihrem Namen stehen haben. Für die B..Z-Promis in vielen TV-Sendungen müsste man auch mal so einen Faktor einführen.

    Vielen Dank aber für diese Wirtschafts-Background-„Faustregel“. Sowas könnte man öfter in Artikeln unterbringen und bitte auch mal „vorhersagen“ was passieren oder wie es weitergehen könnte. Oder diese Faustregel auf andere Medien-Gattungen bzw. Branchen übertragen. Kann RTL höhere Preise nehmen wenn die absoluten Zuschauer bei Final-Sendungen kleiner liegen als letztes oder vorletztes Jahr ? Können Spiegel oder FAZ mit x% weniger Verkäufen die Anzeigenpreise halten ?

    Solche internationalen Zielgruppen sind aber oft Zielgruppe für Whispernet und wollen unterwegs darauf zugreifen können wo es keine freien WiFis oder bezahlbares mobiles Internet gibt. Davon abgesehen wird es oft genug wohl auf Firmenkosten gekauft und somit oft wohl steuerlich als Firmenkosten abgesetzt und diese Leute wissen vermutlich, das Rolex (wohl ?) weltweit gleiche Preise haben soll und sich wohl nur die örtliche Umsatz-Steuer unterscheidet.

    Unterschiedliches Länder-Pricing kommt bei Privatleuten vielleicht nicht gut an. Die können ja schon zu Hause (Mallorca, London,…) ihre Serien z.b. als Deutscher nicht in Heimatsprache gucken wegen Geoblocking. Und als Firmenkunden ist es denen oft wohl egal wie wir als Kleinaktionäre vom neuen Markt oft genug sehen durften.

    Das es z.B. AOL oder auch Whispernet gab und vielleicht noch gibt, wurde wohl vergessen. „Geschichte wiederholt sich ständig“ wurde mal wieder bewiesen. Die ersten 30 Teslas wurden gestern(?) geliefert. Mal sehen ob die deutschen Autohändler noch Weihnachts-Feiern abhalten werden weil keiner von der Presse die Politiker im Bundestagswahlkampf fragt, ob Tesla3 die deutschen Autojobs auf Grund setzen wird so wie damals die West-Autos wohl den Trabbi „aussterben“ liessen.

    Schade das man wohl nicht ein Whispernet2.0 für ein paar Euros bei Amazon für ein paar Gigabyte für im Urlaub (oder dafür auch „nur“ als Provider für Readly) kaufen kann.
    Das man pro Urlaubs-Region/Land und dort verfügbarer Provider unterschiedlich viel zahlt ist bei so etwas natürlich normal.

    Für sowas wäre es wichtig:
    http://www.golem.de/news/kindle-unlimited-amazon-de-bringt-e-book-flatrate-fuer-10-euro-1410-109671.html
    Am Ende stehen auch die mir oft genug nicht geglaubten Rabatt-Größen im Einzelhandel wobei das wohl hohe Stückzahlen betrifft aber vielleicht wegen vertikaler Preisbindung oder so nicht im Hinterzimmer individuell ausgehandelt werden darf sondern Einheits-Preise für die ganze Branche sind (was ich gut finde weil das gerechter ist als Extra-Behandlung).

    Sehr interessant und oft wohl hier nicht bekannt:
    http://www.golem.de/1011/79243.html Amazon Kindle Magazin- und Zeitungsverleger bekommen mehr Geld
    „Übertragungsgebühren“ betrifft evtl Whispernet.

    Das die Haptik bei vielen Apps nicht stimmt und manche Kunden Abos kündigen ist ja bekannt.
    http://meedia.de/2017/07/17/holpriger-start-fuer-frankfurter-neue-presse-neues-zeitungskonzept-eckt-bei-aelteren-lesern-an/
    Man müsste dann ja der US-Amerikaner-Familie am Frühstückstisch irgendwie ein NYTimes-Family-Angebot machen und die App passend gestalten. Gibts dort auch für 99 Euro Tabletts mit 10″ ?
    Vorteil: Man kann NYTimes bequemer auch für alte Rentner in großer Schrift in der Bahn oder am 65″-UHD1-TV in 8 Megapixeln lesen und die Artikel kürzer oder länger je nach Voreinstellung oder auch links oder rechts gefärbt oder je nach Lieblings-Football-Verein worüber es wohl einige Sitcom-Serien-Folgen gibt („Are you there Chelsea“ beispielsweise) wo man sieht wie intensiv die Fans auch dort ihren Lieblings-Club bejubeln. Beim Buffet wählt man ja auch glutenfrei, fleischfrei oder das Gegenteil je nach Gusto und würzt passend nach Geschmack.

    Das Feature mit dem Lesen-am-TV bzw. AppleTV in großer Schrift für Rentner und Weitsichtige oder auch Vorlesen am Kindle wäre in USA voll der Unique-Selling-Point USP !!!
    Könnt Ihr ihm ja twittern und er soll auch an die Abonnenten-Familien und Kindle-Besitzer denken.

    Dann machen die Eigenwerbung mit Mrs. Petrillo oder allen Golden Girls als zwei Fotos nebeneinander welche in extragroßer Schrift am 65″-TV die NYTimes lesen und auch am Tablett (bunt und glücklich) bzw. bei der Papierausgabe (schwarz-weiss-Foto) voll die Augen zusammenkneifen wie es von vieler US-Werbung kennt. Betty White lebt ja hoffentlich noch. Die anderen drei sind wohl leider schon verstorben.

    Wieso macht es Bezos nicht ? Hatte er nicht Washington Times gekauft ?

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