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Nach den Kartell-Vorwürfen des Spiegel: das irritierende Kommunikationsverhalten der Autokonzerne

Auto-Bosse im Krisenkommunikations-Modus: Dieter Zetsche von Daimler, Harald Krüger von BMW und Matthias Müller von Volkswagen
Auto-Bosse im Krisenkommunikations-Modus: Dieter Zetsche von Daimler, Harald Krüger von BMW und Matthias Müller von Volkswagen

Nach den Spiegel-Enthüllungen zum Kartell-Verdacht gegen die Auto-Hersteller Mercedes, VW, BMW, Audi und Porsche reagieren die Autofirmen mit höchst unterschiedlichen kommunikativen Maßnahmen. Daimler-Chef Dieter Zetsche wählte LinkedIn als Plattform für eine windelweiche Erklärung, BMW verschickt ein Pressemitteilung mit harten Infos, Volkswagen lässt wissen, die Absprachen hätten dem Kundenwohl gedient. Die Kommunikation der Autokonzerne irritiert, wenn auch auf unterschiedliche Weise.

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Am jämmerlichsten war wohl die Einlassung von Daimler-CEO Dieter Zetsche bei LinkedIn. „Wir sind aber gut beraten, uns nicht an Spekulationen zu beteiligen“, schrieb er in seiner Rolle als „Influencer“ beim us-amerikanischen Karriere-Netzwerk, um anschließend ausführliches Eigenlob zu betreiben und den Mitarbeitern einen schönen Sommerurlaub zu wünschen.

Von ganz anderem Kaliber war da schon die Pressemitteilung, die die BMW Group bereits am Sonntag verschickte. In dem Schreiben äußert sich BMW-CEO Harald Krüger nicht persönlich, inhaltlich ist die Pressemitteilung aber viel klarer als Zetsches Nicht-Auskunft:

Den Vorwurf, dass aufgrund zu kleiner AdBlue-Behälter eine nicht ausreichende Abgasreinigung in Euro 6 Diesel-Fahrzeugen der BMW Group erfolgt, weist das Unternehmen entschieden zurück.

Wegen zu klein dimensionierter AdBlue-Tanks griff VW zu dem Trick, die mittlerweile berühmte Schummel-Software in zahlreichen Diesel-Fahrzeugen einzusetzen, die die Abgasreinigung nur in Prüf-Situation komplett aktivierte.  BMW teilt nun mit, dass sich die hauseigene Technik „deutlich“ von anderen Markteilnehmern unterscheide. Selbstbewusst heißt es aus München: „Wir suchen auch in der Abgasreinigung den Wettbewerb.“ Wohlgemerkt: Dass sich BMW nicht an Absprachen bezüglich der AdBlue-Tankgrößen beteiligt habe, sagt der Konzern nicht. Der Auto-Hersteller legt vielmehr Wert auf die Feststellung, dass die BMW Euro-6-Diesel die vorgegebenen Richtwerte einhalten würden und man darum auch keine Notwendigkeit für einen Rückruf oder eine Nachrüstung sehe.

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Die Euro-5-Diesel will BMW auf freiwillig mit einem Software-Update versorgen, „um auf Basis der in den letzten Jahren im Feld gewonnenen Erkenntnisse weitere Abgasreduktionspotentiale zu realisieren“. Dieses Vorgehen soll auf dem so genannten „Diesel-Gipfel“ am 2. August, bei dem Vertreter von Regierung und Auto-Industrie über das weitere Vorgehen in der so genannten Diesel-Affäre beratschlagen, branchenweit beschlossen werden.

Volkswagen seinerseits ließ über einen Sprecher wissen: „Es ist weltweit üblich, dass Autohersteller sich zu technischen Fragen austauschen, um die Innovationsgeschwindigkeit und -qualität zu steigern.“ So kämen innovative Lösungen „schneller und preiswerter auf den Markt.“ Letztlich profitiere also der Kunde. Fragt sich nur, warum Volkswagen (und früher noch Daimler) dann das eigene Verhalten als potenziell illegale Kartellverstöße an die Wettbewerbsbehören in Brüssel und Bonn gemeldet haben, wenn jetzt plötzlich alles ganz normal und in Ordnung sein soll.

Wenn das Kommunikationsverhalten von Daimler-CEO Zetsche am meisten irritiert, wirft die aktuelle Stellungnahme von VW auch Fragen auf, da sie in eindeutigem Widerspruch zum Verhalten des Konzerns steht. Am stringentesten kommuniziert hier noch BMW. Der Münchner Hersteller wartet in seiner Mitteilung mit einer ganzen Reihe von Sach-Argumenten auf, die belegen sollen, dass bei ihm prinzipiell alles sauber läuft. Das mag man glauben oder nicht. Aus Kommunikationssicht ist das Verhalten von BMW aber zunächst einmal schlüssig. Bei BMW sind sie ohnehin sauer auf Daimler, weil man offenbar erst aus der Presse erfahren hat, dass der Stuttgarter Konzern schon 2014 zum Kartellamt gerannt ist und BMW mit angeschwärzt hat. Die Süddeutsche zitiert eine anonyme Quelle aus Industriekreisen: „Das Vertrauen ist total beschädigt.“ Man fühle sich bei BMW „hintergangen“.

So kann man die Pressemitteilung von BMW auch als trotzige Ansage in Richtung Daimler lesen. Nach dem Motto: Unsere Fahrzeuge sind jedenfalls keine Dreckschleudern. Keine Frage: Im Autoland Deutschland ist es im Sommer 2017 deutlich ungemütlicher geworden.

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