Von G+J-Chefin Jäkel bis Burdas CEO Kallen: Wer folgt Holthoff-Pförtner an die Spitze des VDZ?

Am 5. November will die Delegiertenversammlung des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) einen neuen Präsidenten wählen. Der Verbandsgeschäftsführer Stephan Scherzer hat in einer E-Mail an alle 500 Mitglieder deutlich gemacht, dass er alle Fach- und Landesverbände in die Nachfolger-Suche einbinden will – ein Grund für die monatelange Vakanz. Zugleich gibt es erste Personalspekulationen.

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Die Email an die 500 Mitglieder des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) war kurz und knapp. Darin hatte VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer klargemacht, dass die Suche nach einem Nachfolger für den überraschend ausgeschiedenen VDZ-Präsidenten Stephan Holthoff-Pförtner diesmal so transparent wie möglich erfolgen soll – und zudem ohne Zeitdruck. „Das Präsidium hat sich zur Aufgabe gemacht, die Neubesetzung des Präsidentenamtes mit ausreichender Zeit und unter Einbindung der Landesverbände des VDZ sowie der Vorstandsgremien der Fachverbände anzugehen“, schreibt Scherzer in der Mail, die MEEDIA vorliegt. Und weiter: „Das Präsidium wird dazu Gespräche mit den jeweiligen Vorsitzenden der Landes- und Fachverbände führen sowie die Delegierten einbinden.“

Damit will Scherzer vermeiden, dass der VDZ die Fehler der Vergangenheit wiederholt. Denn bei der Wahl von Holthoff-Pförtner im vergangenen Jahr war es zu erheblichem Unmut gekommen. Überraschend hatte die Lobbyvereinigung den Funke-Gesellschafter im Herbst vergangenen Jahres für das Spitzenamt nominiert. Die vier Vorzeige-Verlage Gruner + Jahr, Zeit, Spiegel sowie die Mediengruppe Medweth fühlten sich überrumpelt. Die Betroffenen reagierten sauer und sprachen in einem Brief von „Hinterzimmerbünden“. Nach vergeblichen Schlichtungsbemühungen seitens des VDZ zogen die Medienhäuser die Konsequenzen und kehrten mit Wirkung zum 1. Juli dem Fachbereich Publikumszeitschriften den Rücken.

Jetzt bietet sich für den Verband ein idealer Zeitpunkt für einen Neuanfang. Denn mit der Ernennung eines neuen Präsidenten kann der VDZ endlich die Schatten der Vergangenheit abschütteln. Zwar ist bis zur Wahl am 5. November in Berlin noch genügend Zeit. Dennoch läuft die Suche bereits auf Hochtouren, um alle Landes- und Fachverbände einzubinden, heißt es aus Branchenkreisen. Doch die Interessenlage in dem milliardenschweren Wirtschaftszweig ist sehr unterschiedlich. Aus dem Kreis der Fachverlage ist zu hören, dass sie sich als neue Stimme des Verbands einen Vertreter aus ihren Reihen wünschen. Für den VDZ wäre dies nicht das erste Mal. Zehn Jahre lang hatte Werner Hippe, Inhaber des Godesburger Fachverlags Asgard, die Geschicke der Interessenvertretung der Zeitschriftenhäuser gelenkt, bevor der Münchener Großverleger Hubert Burda das Ruder übernahm. Hippe hatte den Verband von 1987 bis 1997 geleitet. Er galt als ein Präsident, der die unterschiedlichen Vorstellungen der mittelständischen Medienhäusern und der Großverlage gut unter einen Hut bringen konnte.

Doch dies ist Jahrzehnte her. Inzwischen hat sich die Branche gewaltig gewandelt. Sie muss sich vor allem gegen die zunehmende Datenmacht von Google und Facebook wappnen, heißt es in der Branche. Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner und zugleich Präsident des Bundesverbands deutscher Zeitungsverleger (BDZV) hat dies erkannt. Der Medienmanager bildete erst vor wenigen Monaten mit den DAX-Riesen Daimler, Allianz sowie Deutsche Bank eine Daten-Allianz unter den Namen DIPP – quasi als Gegengewicht, um der zunehmenden Werbemacht der Tech-Riesen aus dem Silicon Valley in Deutschland die Stirn zu bieten. Geeignet wäre deshalb auch auf Seiten des VDZ ein Präsident, der dem Thema Daten-Allianz einen besonders großen Stellenwert einräumt, heißt es in Branchenkreisen.

Dabei kämen naheliegender Weise zwei Kandidaten infrage: der Burda-CEO Paul-Bernhard-Kallen sowie die Gruner + Jahr-Chefin Julia Jäkel. Kallen ist die Problematik sehr gut bewußt. Im Handelsblatt kritisierte er jüngst die „amerikanische Datensammelwut, die bislang kaum Regulierung erlebt“. So prüft das Münchner Medienhaus bereits einen Einstieg bei der konkurrierenden Daten-Allianz um den Internetkonzern United Internet. MEEDIA hatte bereits vor einem Monat über die bevorstehende Kandidatenkür spekuliert.

Gruner + Jahr hingegen hält sich bislang zu dem Thema bedeckt. Dabei dürfte die norddeutsche Bertelsmann-Tochter ebenfalls massives Interesse daran haben, mit gewichtigen Partnern aus der Medien- und Kreativwirtschaft einen Gegenpol zu den Datenkraken aus den USA zu bilden. Für Julia Jäkel ist dies eine große Chance, sich zu profilieren. Im nächsten Jahr ändern sich wichtige Datenschutz-Bestimmungen auf europäischer Ebene, die für die Zukunft des hiesigen Verlagswesens von existentieller Bedeutung sind. Für die Managerin birgt eine VDZ-Präsidentschaft noch einen weiteren Vorteil. Sie müsste sich nicht mehr um eine eigenständige Lösung bemühen, um die Interessen ihres Unternehmens in der Branche zu wahren. Von dem Schritt könnten auch der Spiegel, Zeit und Medweth profitieren, die mit Gruner + Jahr im Schlepptau in den Fachverband Publikumszeitschriften zurückkehren könnten.

Noch sind allerdings gut drei Monate Zeit, bis die VDZ-Delegierten ihre neue Spitze wählen. Doch die Diskussion über eine Nachfolge von Holthoff-Pförtner scheint hinter den Kulissen bereits in vollem Gange.

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