Der Hai war eine Ente: Wie Discovery Medien mit Fake-Wettschwimmen zwischen Michael Phelps und einem weißen Hai narrte

„Michael Phelps verliert Wettschwimmen gegen computeranimierten Hai“, titelt die NZZ. Tatsächlich fand niemals eine Art von Wettkampf statt
"Michael Phelps verliert Wettschwimmen gegen computeranimierten Hai", titelt die NZZ. Tatsächlich fand niemals eine Art von Wettkampf statt

Es gibt Geschichten, die sind einfach zu schön, um wahr zu sein. Die Story Schwimm-Star Michael Phelps vs. der weiße Hai, gehört definitiv dazu. Über Wochen hatte der US-Sender Discovery für den Event getrommelt, ohne zu verraten, dass es sich um einen rein virtuellen Wettstreit handelt. Trotz des absurden Settings nahmen einigen Medien - plus viele TV-Zuschauer - das Rennen für bare Münze, darunter auch die dpa. So verbreitet sie die News: „Michael Phelps verliert Wettschwimmen gegen computeranimierten Hai“.

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Die Zeile hört sich bereits beim ersten Lesen mehr als schräg an, ging aber trotzdem auf den Ticker und natürlich auch bei einigen Seiten online. So übernahmen beispielsweise die NZZ, aber auch die Frankfurter Rundschau die Meldung.

In der Meldung heißt es:

Er ist der erfolgreichste Schwimmer der Geschichte, aber nicht der König der Meere: Der 23-fache Olympiasieger Michael Phelps (32) hat sich in einem im Fernsehen ausgestrahlten Showrennen über 100 Meter einem Weißen Hai geschlagen geben müssen. Phelps kam nach 38,1 Sekunden ins Ziel und verlor das ungewöhnliche Kräftemessen, das am Sonntagabend (Ortszeit) auf dem US-Sender Discovery gezeigt wurde, um zwei Sekunden. «Revanche? Nächstes Mal…wärmeres Wasser», twitterte Phelps hinterher.

Zudem schreibt die Agentur: „Laut Phelps waren 15 Sicherheits-Taucher in der Nähe, als die beiden Kontrahenten um die Wette schwammen – mit einem Netz voneinander getrennt. Viele Zuschauer waren laut amerikanischen Medien enttäuscht, weil sie von einem Rennen mit einem echten Weissen Hai ausgegangen waren.“

Wie passt das aber mit Worten wie „computeranimierter Hai“ zusammen? Offenbar ging da einiges durcheinander. Das entdeckte dann auch die dpa und warnte fortan ihre Kunden: „Laut US-Medien gab es entgegen der Ankündigung kein reales Wettschwimmen im offen Meer – auch nicht mit einem computeranimierten Hai“. Weiter klärt die Agentur auf: „Stattdessen seien simulierte Bewegtbilder eines Hais anhand von Daten mehrerer Tiere in die TV-Aufnahmen von Phelps hineingeschnitten worden.“ Wie ein Wettschwimmen im offenen Meer mit einem computeranimierten Hai überhaupt möglich sein sollte, bleibt unbeantwortet.

„Haidewitzka!“, ruft da Spiegel Online zu recht. Also noch einmal von vorne. Was war bei der Hai-Ente wirklich passiert?

Seit Wochen trommelte der US-Sender Discovery im Zuge seiner „Shark-Week“ für das Rennen des Serien-Olympia-Siegers gegen den weißen Hai. Claim: “Phelps vs. Shark: Great Gold vs. Great White”.

Phelps selbst gab sich alle erdenkliche Mühe, in Vorabinterviews den Eindruck zu erwecken, dass er tatsächlich gegen einen Hai schwimmen würde.

Offenbar wirkte die Inszenierung. Denn als es am Sonntag zum TV-Duell kam und die Zuschauer merkten, dass es gar keinen echten Wettkampf gibt, machten unzählige via Twitter ihrem Unmut Luft.

Wie fragwürdig die Inszenierung war, zeigt sich alleine schon daran, dass Haie noch nicht einmal geradeausschwimmen. So wäre in der Theorie noch nicht einmal ein anständiges Rennen möglich. Auch eine Geschwindigkeitsberechnung ist deshalb kompliziert.

Die Discovery-Leute mussten sich behelfen und bauten den Hai am Computer aus Schnipseln und Daten einer Vielzahl von unterschiedlichem Hai-Aufnahmen zusammen. Tatsächlich schwamm Phelps alleine vor der Küste Südafrikas.

Die beste Zusammenfassung des desaströsen Spektakels lieferte wohl der Twitterer Phantom Act: „Michael Phelps race against a computer generated shark will go down as one of TV’s most hyped flops.“

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