Bundestrainer im Kampf gegen die Klatschpresse: Funke muss Jogi Löw 220.000 Euro Geldentschädigung zahlen

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Jahrelang gelang es Joachim Löw, sich der Welt des Klatschjournalismus weitgehend zu entziehen – bis zum Sommer 2016. Nach der Trennung von seiner Ehefrau wurde er wurde zum beliebten Yellow-Press-Protagonisten. Nicht ohne Konsequenzen für die Medien: Gegen die Funke Mediengruppe setzte der Bundestrainer nun eine Geldentschädigung in Höhe von 220.000 Euro durch.

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Seinen ersten medialen Hype erlebte Joachim Löw während der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Nicht allein deshalb, weil er die DFB-Elf fast bis in Finale führte, sondern auch wegen einer klugen PR-Strategie. Gemeinsam mit Assistenztrainer Hansi Flick machte der Bundestrainer (auch dank der in Euphorie ersoffenen Medien) seinen blauen Kaschmir-Pulli zum Verkaufsschlager. Der „Glücks-Pullover“ war der Beginn einer Jogi-Obsession der Medien, in der sie sich wenig später nicht mehr nur auf die sportlichen Erfolge oder die Kleidung des Trainers konzentrieren sollten. Achsel-Kontrolle auf Schwitzflecken, Griff zwischen die Beine, Nasepopeln –  zur EM 2016 stand der Trainer dank der „Jogi-Cam“ sogar unter 90 Minuten Dauerbeobachtung.

Auch wenn Löw bei solch boulevardesker Berichterstattung nicht unbedingt zu lachen zumute war, musste er sie sich in seiner Rolle als Bundestrainer gefallen lassen. Zyniker würden sagen: Er konnte sogar froh sein. Denn trotz so mancher Häme konzentrierten sich die Medien in den meisten Fällen nur auf sein Treiben am Spielfeld-Rand, selten waren sie auch außerhalb des Stadions hinter dem 57-Jährigen her. Bis nach der Europameisterschaft im Sommer 2016.

Nach der Europameisterschaft legte vor allem die Klatschpresse ihren Fokus auf das Privatleben des Bundestrainers. Nachdem erste Spekulationen über eine Trennung von seiner Ehefrau bekannt geworden und diese schließlich bestätigt worden waren, kannte die Journallie kein Halten mehr. Paparazzi lauerten Löw im Urlaub auf, lichteten ihn rauchend vor einem Café ab, zeigten ihn mal mit und mal ohne weibliche Begleitung. Es verging kaum eine Woche, in der keine Zeitschrift über den getrennten Löw berichtete und wild spekulierte.

Für den Bundestrainer waren die Paparazzi-Attacken und die gewohnt phantasiestarken Geschichten der Klatschblätter zu viel der Aufmerksamkeit. Erst in der vergangenen Woche setzte die Medienkanzlei Schertz-Bergmann eine Gegendarstellung in der Freizeit Revue durch. Das Burda-Blatt hatte über eine angebliche Beziehung Löws zur Schauspielerin Dennenesch Zoudé berichtet. Doch damit nicht genug.

Liebesspekulationen kosten bis zu 30.000 Euro

Deutlich aggressiver berichteten die Yellows aus der Essener Funke Mediengruppe, gegen die Löw in den vergangenen Wochen vor dem Landgericht in Köln vorgegangen ist. Gleich fünf Regenbogen-Blättchen – darunter die oft negativ auffallende Die Aktuelle oder auch Frau aktuell – haben elf Mal in einer Art und Weise berichtet, die dem Bundestrainer deutlich zu weit gegangen war. Sieben Mal war Löw den Funke-Blättern eine Titelgeschichte wert, in denen sogar über eine Affäre mit seiner Patentochter spekuliert worden war. Dazu abgedruckt hatte Die Aktuelle ein Foto, das beide in Badebekleidung und unvorteilhafter Pose am Wasser zeigt – nur eines von insgesamt 24 Paparazzi-Bildern, für deren Veröffentlichung Löw eine Geldentschädigung gefordert hatte und auch bekam.

Anfang des Monats verurteilte das Landgericht Köln die Funke Mediengruppe für die Berichterstattung in elf Fällen zu einer stolzen Schmerzensgeld-Summe in Höhe von 220.000 Euro. Das geht aus dem Urteil (Az. 28 O 9/17) hervor, das das Gericht in der vergangenen Woche herausgegeben hat. Die drei Veröffentlichungen der Paparazzi-Fotos, die Löw mit Patentochter zeigen und in denen über eine Liebesbeziehung spekuliert wird, wurden dabei mit jeweils 30.000 Euro beziffert, genauso wie eine weitere Liebesspekulation, bei der Löw neben einer Frau auf einem Liegestuhl abgelichtet wurde. Weitere fünf Persönlichkeitsrechtsverletzungen bezifferte das Gericht mit bis zu 20.000 Euro Geldentschädigung.

Die Richter der Pressekammer haben Löw und seinen Anwälten damit 100.000 Euro mehr zugesprochen, als sie ursprünglich gefordert hatten. Begründet wird das mit der Häufigkeit (Löw wurde 14 Mal in Badehose abgedruckt, zwei Mal davon auf der Titelseite) sowie der schwere der Persönlichkeitsrechtsverletzungen, bei denen die Kammer den Funke-Titeln einen „bedingten Vorsatz“ unterstellt. So habe Funke billigend in Kauf genommen, „dass ihre Spekulationen über eine vermeintliche Liebesbeziehung zu seiner Patentochter, zu einem vermeintlichen Flirt am Strand oder einer neuen Frau an seiner Seite unzutreffend sowie mangels überwiegendem Berichterstattungsinteresse rechtswidrig bzw. die Veröffentlichung von Urlaubs und Freizeitbildern des Klägers unzulässig waren.“

Funke will Urteil nicht akzeptieren

Dabei sei die Tatsache, dass sich Löw im Urlaub befunden – und sich damit bewusst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen – habe, in ihrer Abwägung besonders beachtet worden, so die Richter in ihrer Urteilsbegründung. Die Fotos seien ohne Wissen Löws und unter „Ausnutzung von Heimlichkeit oder beharrlicher Nachstellung“ entstanden. Sie widersprachen der Argumentation, die Funke vorgebracht hatte. Der Verlag hatte die Veröffentlichungen mit dem öffentlichen Interesse am Leben des DFB-Trainers begründet und wegen der zuvor gewonnenen WM (2014) und der Trennung ein zusätzlich gesteigertes Interesse unterstellt. „Die streitgegenständlichen Äußerungen befriedigen jedoch allein die Neugier und die Sensationslust der Rezipienten…“, urteilte das Gericht. Dabei sei es unerheblich, ob an den Spekulationen etwas dran sei oder nicht. „Der Kern der Verletzung liegt in der Aufdeckung des Privaten, nicht in der Verfälschung der Wirklichkeit.“

Gegen das Urteil hat die Funke Mediengruppe bereits Berufung eingelegt, wie die Kanzlei Romatka & Collegen auf Nachfrage von MEEDIA mitgeteilt hat. „Wir sind der Auffassung, dass das Urteil rechtlich angreifbar ist“, so Rechtsanwalt Gero Himmelsbach. Dabei erhofft sich die Verlagsseite offenbar weniger die Abwendung der Geldentschädigung als vielmehr die Reduzierung der Summe: „So ist weder die Höhe der einzeln festgesetzten Beträge noch ist die insgesamt ausgeurteilte Geldentschädigung nachvollziehbar. Ein Beispiel: Das Landgericht bewertet ohne jede Begründung die verkleinerte und nicht mehr lesbare Doppelseite eines Beitrags auf der Leserbriefseite mit dem gleichen Betrag wie den Originalartikel.“

Einen Termin für die Verhandlung vor dem Oberlandesgericht (Az. 15 U 103/17) gibt es noch nicht.

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