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Alpen-Attacke auf deutschen Medien-Markt: Der Standard startet News-Portal für Deutschland

Der Standard (Vorstand Alexander Mitteräcker) und die NZZ wollen Analysen und Hintergründe für deutsche Leser liefern
Der Standard (Vorstand Alexander Mitteräcker) und die NZZ wollen Analysen und Hintergründe für deutsche Leser liefern

Neue Konkurrenz für Spiegel Online, SZ und FAZ,: Jetzt drängen auch die NZZ und Der Standard auf den deutschen Medienmarkt. Seit Montagmittag ist die Wiener Tageszeitung unter DerStandard.de mit einem speziell auf Deutschland zugeschnittenen News-Portal online. Am morgigen Dienstag folgt die Neue Zürcher Zeitung mit dem E-Paper-Newsletter „NZZ Perspektive“.

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„Mit unserem Qualitätsanspruch, unseren Kernkompetenzen und dem derzeitigen Wettbewerbsumfeld sehen wir auf dem deutschen Markt ein besonderes Potenzial“, erklärt Standard-Vorstand Alexander Mitteräcker. Schon heute sollen die Zugriffe aus Deutschland einen beträchtlichen Teil des Traffics der Wiener ausmachen. Zudem habe man herausgefunden, dass diese Zielgruppe den unabhängigen Blick von außen auf Deutschland schätze.

Passende Aufmacherstory der frisch gestarteten Seite ist das Essay: „Merkel oder Schulz: Wer wäre besser für die Zukunft der EU?“. Das zeigt bereits: Der inhaltliche Fokus des neuen Portals soll in den ersten beiden Monaten auf der Bundestagswahl liegen. Weitere Stories auf der Startseite: „Polnischer Präsident Duda kündigt Veto gegen Justizreform an“ oder auch „Kartellverdacht: Aktien deutscher Autobauer brechen ein“. So wahnsinnig originell ist Außen-Blick auf die Nachrichtenlage zwischen Flensburg und Oberammergau dann auch nicht. Eher News-Schwarzbrot.

Eine gewissen strategischen Vorteil sehen die Österreicher gegenüber ihrer deutschen Konkurrenz im Bereich der Community-Einbindung. „Wir sehen den User tatsächlich auf Augenhöhe“, erklärt Digital-Verlagsleiterin Gerlinde Hinterleitner in einem Erklär-Artikel, mit dem der Standard den Start des neuen Angebots kommuniziert. „Mit 30.000 Postings pro Tag haben wir die größte Community eines Verlagshauses im gesamten deutschsprachigen Raum. Unsere User schreiben nicht nur unterhalb der Artikel, sondern auch eigene Beiträge – etwa in klar gekennzeichneten Userkommentaren und Userblogs.“

Offiziell befindet sich das Projekt noch in einer „Konzept-Phase“. Bis man in den Regelbetrieb übergehe, würde es noch etwas dauern. Erst einmal sei man jedoch gespannt, „wie das Portal von deutschen Userinnen und Usern angenommen wird.“

DerStandard.de ist frei zugänglich. Von Paid-Content ist in den Plänen der Wiener keine Rede. Anders ist der Ansatz der Eidgenossen der Neuen Zürcher Zeitung.

Bei der „NZZ Perspektive“ soll der Name Programm sein und die Artikel sollen eine andere Perspektive liefern. Auch die Schweizer sagen, dass bereits ein signifikanter Teil ihres Traffics aus Deutschland komme (gut ein Drittel aller Zugriffe). Zudem versprechen auch sie einen „unaufgeregten Blick“ und eine „liberale Haltung“.

Tatsächlich habe sich der vor wenigen Wochen gestartete Deutschland-Newsletter „Der andere Blick“ bereits jetzt zu einem der erfolgreichsten E-Mail-Angebote des Verlages entwickelt. Am morgigen Diensttag startet nun mit „NZZ Perspektive“ ein tägliches E-Paper, mit kuratierten NZZ-Artikeln aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die für das Publikum des nördlichen Nachbarn relevant und interessant sein könnten. Jeweils am Freitagmittag gibt es zudem einen Kommentar bzw. eine Analyse zu einem Fokusthema von Chefredakteur Eric Gujers. Der Preis für das NZZ-Angebot liegt bei zehn Euro pro Monat.

Beide Angebote stehen wohl unter einem gewissen zeitlichen Druck. Beiden müssen sich bis zur Bundestagswahl durchzusetzen. Danach dürfte das Interesse der breiteren deutschen Öffentlichkeit an Politik-Berichterstattung wieder abnehmen. Dann besteht die Gefahr, dass der Blick von Außen, wie unaufgeregt er auch immer sein mag, für viele nicht mehr so interessant ist.

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