Raus aus Randaktivitäten: Axel Springer stößt Anteil an Stadtportal hamburg.de ab

Die Stadt Hamburg übernimmt die Mehrheit an Hamburg.de
Die Stadt Hamburg übernimmt die Mehrheit an Hamburg.de

Das Stadtportal Hamburg.de bekommt einen neuen Mehrheitsgesellschafter: die Stadt Hamburg schluckt die Anteile der Berliner Axel Springer SE, die an dem Webauftritt der Elbmetropole bislang mit fast 62 Prozent hielt. Grund für den Rückzug von Axel Springer: Der Medienriese will stärker international wachsen und lokalen Randaktivitäten den Rücken kehren.

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Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner will stärker expandieren. Erst vor wenigen Tagen verkaufte der Konzernherr die Axel Springer Passage und den geplanten Springer-Neubau – für einen satten dreistelligen Millionenbetrag, um im Ausland und im Digitalgeschäft zu wachsen. Kleine Randaktivitäten wie das Stadtportal Hamburg.de gehören daher nicht ins vielverzweigte Firmenportfolio. „Der Verkauf unserer Anteile erfolgt vor dem Hintergrund einer stärkeren Internationalisierung und der Strategie, uns aus rein lokal bezogenen Einzelaktivitäten zurückzuziehen“, erklärt Jens Müffelmann, CEO der Axel Springer Digital Ventures. Daher stößt das Unternehmen seinen Mehrheitsanteil von 61,9 Prozent an dem Web-Auftritt ab. Erwerber ist die Stadt Hamburg. Sie wird mit 87 Prozent zum Mehrheitsgesellschafter. Weitere Anteilseigner sind die Hamburger Sparkasse mit 10,5 Prozent sowie die Sparkasse Harburg-Buxtehude mit 2,5 Prozent.

Hamburg.de bietet Bürgern, Besuchern sowie Unternehmen unterschiedliche Services und zählt nach eigenen Angaben mit 4,5 Millionen Visits zu den reichweitenstärksten Stadtportalen Deutschlands. Das Portal umfasst ein umfangreiches Spektrum – dazu gehören öffentliche E-Government-Dienste sowie privatwirtschaftliche Angebote. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch den Senat sowie der Kartellbehörde. Der Verkaufsprozess ist bereits seit Monaten im Gange. An dem Internetauftritt sollen diverse Medienunternehmen reges Interesse gezeigt haben, heißt es. Doch die Stadt hat sich wohl am Ende entschieden, selber Herr über die Gesellschaft zu werden. Andreas Rieckhof, Staatsrat der BWVI: „In den vergangenen Jahren konnte dank höchst engagierter Mitarbeiter und engster Kooperation aller Gesellschafter ein solides Fundament für das beliebte Stadtportal geschaffen werden, auf dem wir jetzt aufbauen werden.“

Kurz vor dem jetzigen Anteilverkauf hatte sich die Managementstruktur von Hamburg.de geändert. So war Jan-Niko Lafrentz ausgeschieden, der mit Carsten Ludowig jahrelang Co-Geschäftsführer war. Lafrentz war zuvor Mitglied der Geschäftsführung des Regionalsenders Hamburg 1 und Center.tv. Er hatte im Sommer 2015 zusammen mit Ludowig die Geschäftsführung des Portals übernommen. Ludowig, der weiterhin Geschäftsführer von hamburg.de ist, arbeitete bislang als Vice President Sales bei Smaato, zuvor war er unter anderem bei der Karriereplattform Xing sowie dem Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr (Stern, Geo) tätig.

Mit dem Verkauf des hamburg.de-Anteils zieht sich der Berliner Medienkonzern immer mehr aus der Hansestadt zurück. Dabei war einst Hamburg für die börsennotierte Gesellschaft publizistisch ein wichtiger Standort. Hier gab das Unternehmen jahrzehntelang das Hamburger Abendblatt und die Hörzu heraus, auch die Bild-Mantelredaktion hatte hier ihren Sitz. Doch dann veräußerte Vorstandschef Döpfner einige der Traditionstitel neben dem Abendblatt unter anderem die Berliner Morgenpost sowie die Programmies Hörzu und TV Digital an die Essener Funke-Gruppe, um das Unternehmen stärker zu einem Digitalverlag umzubauen. Darüber hinaus verlegte der Vorstand 2008 die Zentrale der größten Boulevardzeitung in die Bundeshauptstadt. Davon betroffen waren damals mehr als 500 Bild-Mitarbeiter.

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