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Halbjahresbilanz der Anzeigenumsätze: Titel wie Spiegel, Bild am Sonntag, Gala und ADAC Motorwelt brechen ein

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Die drei Print-Segmente Zeitungen, Publikumszeitschriften und Fachzeitschriften setzten laut Nielsen im ersten Halbjahr 2017 brutto weniger mit Werbung um als im Vorjahreszeitraum. Die Publikumszeitschriften liegen 2% im Minus, einige populäre Titel wie Der Spiegel, Bild am Sonntag, Gala und ADAC Motorwelt büßten sogar mehr als 15% ihres Brutto-Umsatzes ein.

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Insgesamt ist die Lage der Publikumszeitschriften also nicht dramatischer als in den Jahren zuvor. Ein Minus von 2% beim Brutto-Werbeumsatz hat Nielsen errechnet – Rabatte, Gegengeschäfte, etc. wie immer nicht mit einberechnet, da diese nur die Verlage selbst kennen. 27 der Top-50-Titel liegen unter dem Vorjahr, das Verhältnis Gewinner-Verlierer hält sich also in etwa die Waage.

Dramatisch sieht es aber für einige der Top-Titel aus. So büßte Der Spiegel laut Nielsen in den Monaten Januar bis Juni 17,1% seines Vorjahres-Umsatzes ein, die Bild am Sonntag 17,7%, die Gala 15,2%, die ADAC Motorwelt 21,6%, die Sport Bild 10,4% und Vogue 11,8%. Umsatz-Verluste, die weit über dem Branchen-Mittel liegen.

Ganz vorn bleibt der stern, der mit einem Minus von 7,4% ebenfalls überdurchschnittlich stark Brutto-Umsatz verlor. Spiegel, Focus (-7,9%) und Bild am Sonntag finden sich auf den Rängen 3 bis 5, hinter dem großen Gewinner rtv West. Das TV-Supplement, dem seine große Reichweite zugute kommt, gewann erneut 19,3% hinzu. Auch Konkurrent prisma West liegt mit 9,45 deutlich im Plus, genau so wie die beiden jeweiligen Ost-Ausgaben mit 16,9% und 14,8%. Deutliche Gewinne gab es in der Top 25 zudem für die Bunte (13,1%) und die Hörzu (17,7%).

Nielsen-Anzeigenstatistik 2017: Top 50 Publikumszeitschriften*
Umsatz brutto 2017 vs. 2016
Januar-Juni absolut in %
1 stern 49,07 -3,92 -7,4
2 rtv Ausgabe West 46,67 7,55 19,3
3 Der Spiegel 42,61 -8,78 -17,1
4 Focus 42,39 -3,64 -7,9
5 Bild am Sonntag 40,37 -8,70 -17,7
6 Brigitte 39,98 -0,63 -1,6
7 Die Zeit 37,01 1,80 5,1
8 Bunte 33,08 3,83 13,1
9 Bild der Frau 31,64 -1,54 -4,6
10 freundin 29,45 1,02 3,6
11 Auto Bild 26,57 -0,47 -1,7
12 Gala 23,55 -4,22 -15,2
13 auto motor und sport 23,24 0,05 0,2
14 ADAC Motorwelt 22,46 -6,18 -21,6
15 prisma Gesamt West 21,46 1,85 9,4
16 Hörzu 19,53 2,94 17,7
17 Wirtschaftswoche 19,39 0,34 1,8
18 TV Digital 19,04 -1,33 -6,5
19 InStyle 18,98 -1,71 -8,3
20 rtv Ausgabe Ost 17,89 2,58 16,9
21 Sport Bild 17,46 -2,03 -10,4
22 Glamour 16,47 -0,95 -5,5
23 tina 15,65 0,25 1,6
24 Vogue 15,31 -2,05 -11,8
25 Cosmopolitan 14,93 0,19 1,3
*und Wochenzeitungen / Brutto-Werbeumsatz in Mio. Euro
Daten-Quelle: Nielsen, PZ-Online / Tabelle: MEEDIA

Auf den Rängen 26 bis 50 gewannen neben prisma Ost auch die beiden Apotheken Umschauen deutlich hinzu, von den Kauf-Titeln vor allem die Freizeit Revue. Zweistellige prozentuale Verluste verzeichnen hier Elle, tv14, Für sie, TV Movie, Grazia, GQ, der kicker, Computer Bild und Eltern. Ein bunter Mix von Titeln aus zahlreichen unterschiedlichen Segmenten also.

Nielsen-Anzeigenstatistik 2017: Top 50 Publikumszeitschriften*
Umsatz brutto 2017 vs. 2016
Januar-Juni absolut in %
26 TV Spielfilm 14,90 0,19 1,3
27 Elle 14,59 -1,97 -11,9
28 prisma Gesamt Ost 14,33 1,85 14,8
29 tv14 13,35 -1,67 -11,1
30 Schöner Wohnen 13,07 -0,05 -0,4
31 Apotheken Umschau A 13,04 1,05 8,7
32 Für Sie 12,64 -2,02 -13,8
33 TV Movie 12,58 -1,54 -10,9
34 Zeitmagazin 11,97 0,58 5,1
35 Superillu 10,42 0,52 5,3
36 Grazia 10,18 -1,25 -10,9
37 Apotheken Umschau B 10,11 0,96 10,5
38 tv Hören und Sehen 10,08 0,48 5,0
39 c’t magazin für computer technik 8,85 -0,35 -3,8
40 Freizeit Revue 8,67 0,97 12,6
41 Lisa 8,23 0,54 7,0
42 GQ 8,22 -1,16 -12,3
43 auf einen Blick 8,00 0,08 0,9
44 InTouch 7,78 -0,64 -7,5
45 kicker Montag 7,77 -1,29 -14,2
46 Neue Post 7,21 -0,10 -1,4
47 Computer Bild 7,00 -1,57 -18,3
48 Eltern 6,98 -0,90 -11,5
49 Auto Zeitung 6,94 0,17 2,5
50 Motorrad 6,86 0,37 5,7
*und Wochenzeitungen / Brutto-Werbeumsatz in Mio. Euro
Daten-Quelle: Nielsen, PZ-Online / Tabelle: MEEDIA

Nach absoluten Zahlen wird deutlich, wie sehr vor allem kostenlose Blätter wie Supplements und Kundenmagazine Werbeumsätze hinzu gewinnen. Unter den ersten sechs der Aufsteiger-Top-Ten finden sich alle vier Ausgaben von rtv und prisma, auf 9 zudem eine der beiden Apotheken Umschauen. Die fünf Kauftitel unter den größten Gewinnern heißen Bunte, Hörzu, Die Zeit (die bei PZ Online als Wochenzeitung unter den Publikumszeitschriften gewertet wird), die Frankfurter Allgemeine Woche und die freundin. Die Frankfurter Allgemeine Woche gewann allerdings deswegen so enorm dazu, weil sie erst im April 2016 gestartet ist, also mit gar keinem kompletten Vergleichs-Halbjahr in die Wertung kam. Bei den vergleichbaren Ausgaben von April bis Juni lag sie 2017 sogar unter 2016.

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Nielsen-Anzeigenstatistik 2017: Top Ten Gewinner*
Umsatz brutto 2017 vs. 2016
Januar-Juni absolut in %
1 rtv Ausgabe West 46,67 7,55 19,3
2 Bunte 33,08 3,83 13,1
3 Hörzu 19,53 2,94 17,7
4 rtv Ausgabe Ost 17,89 2,58 16,9
5 prisma Gesamt Ost 14,33 1,85 14,8
6 prisma Gesamt West 21,46 1,85 9,4
7 Die Zeit 37,01 1,80 5,1
8 Frankfurter Allgemeine Woche (FAZ Woche) 2,46 1,07 76,3
9 Apotheken Umschau A 13,04 1,05 8,7
10 freundin 29,45 1,02 3,6
*Publikumszeitschriften + Wochenzeitungen / Brutto-Werbeumsatz in Mio. Euro
Daten-Quelle: Nielsen, PZ-Online / Tabelle: MEEDIA

Die größten Verlierer nach absoluten Zahlen heißen unterdessen Spiegel, Bild am Sonntag, ADAC Motorwelt, Gala und stern.

Nielsen-Anzeigenstatistik 2017: Flop Ten Verlierer*
Umsatz brutto 2017 vs. 2016
Januar-Juni absolut in %
1 Der Spiegel 42,61 -8,78 -17,1
2 Bild am Sonntag 40,37 -8,70 -17,7
3 ADAC Motorwelt 22,46 -6,18 -21,6
4 Gala 23,55 -4,22 -15,2
5 Stern 49,07 -3,92 -7,4
6 Focus 42,39 -3,64 -7,9
7 Landlust 6,77 -2,25 -24,9
8 Vogue 15,31 -2,05 -11,8
9 Sport Bild 17,46 -2,03 -10,4
10 Für Sie 12,64 -2,02 -13,8
*Publikumszeitschriften + Wochenzeitungen / Brutto-Werbeumsatz in Mio. Euro
Daten-Quelle: Nielsen, PZ-Online / Tabelle: MEEDIA

Hier noch der Blick auf alle Medien-Segmente in der Nielsen-Anzeigenstatistik von Januar bis Juni mit Vorjahresvergleich:

Alle Gattungen: 14,60 Mrd. Euro / +1,0%
Fernsehen: 6,97 Mrd. Euro / +1,6%
Zeitungen: 2,31 Mrd. Euro / -2,1%
Publikumszeitschriften: 1,63 Mrd. Euro / -2,0%
Internet [deutsche Vermarkter]: 1,32 Mrd. Euro / -3,3%
Out of Home: 0,91 Mrd. Euro / +5,4%
Radio: 0,86 Mrd. Euro / +4,8%
Fachzeitschriften: 0,20 Mrd. Euro / -1,6%
Mobile: 0,19 Mrd. Euro / +29,2%
Kino: 0,05 Mrd. Euro / +36,5%

AnmerkungWie immer muss an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass es sich bei den Nielsen-Zahlen um Brutto-Umsätze handelt. Eventuelle Rabatte, Austauschgeschäfte und Eigenanzeigen werden in diesen Zahlen nicht als solche, sondern als komplett nach Preisliste bezahlte Werbung gewertet. Über tatsächliche Umsätze geben die Nielsen-Zahlen also keine Auskunft. Ein wichtiges Indiz für die Entwicklung der einzelnen Titel bzw. Segmente und den Werbedruck sind sie dennoch.

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Alle Kommentare

  1. Seitdem sich der SPIEGEL von einen seriösen Nachrichtenmagazin zu einen unseriösen Spielzeug des Herrn Jakob Augstein verwandelt hat, geht es mit dem SPIEGEL steil bergab!

    Selbst Schuld!

    1. Von Tuten und Blasen keine Ahnung, aber herumstänkern.
      Nicht mal wissen, dass alle Printmedien in einer Strukturkrise stecken.

      1. So, so alle?
        „Die Zeit und kleinere Wochenzeitungen legen zu“
        Wer lesen kann ist klar im Vorteil.

      2. Strukturkrise heißt: nicht nur 1. Halbjahr 2017. Der Spiegel z.B. verliert seit 1993 Anzeigen. Hat nix mit Augstein zu tun.

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