Ehemalige G+J-Tochter Entertainment Media: Verleger Busch stellt Insolvenzantrag in Eigenverwaltung

Verleger Timo Busch und die Top-Titel des Münchner Fachverlag Entertainment Media
Verleger Timo Busch und die Top-Titel des Münchner Fachverlag Entertainment Media

Der Kino & Co.-Gründer und Verleger Timo Busch versucht, sein finanziell angeschlagenes Medienreich, wieder in sicheres Fahrwasser zu geleiten. Der 34-jährige Geschäftsmann hat für die als Busch KGaA geführte Holding einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt. Zu seinen Gläubigern gehört auch der börsennotierte Außenwerber Ströer. Jetzt will der gebürtige Ratinger bei Verlagen sowie Finanzinvestoren rund zehn Millionen Euro einsammeln, um seine Gläubiger zu befriedigen und weiter zu expandieren.

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Timo Busch wirkt nervös. Immer wieder steckt er sich eine Zigarette an. Seine Anspannung ist verständlich. Der 34-Jährige kämpft mit aller Kraft darum, sein bisheriges berufliches Lebenswerk zu retten. Dabei hat der gebürtige Ratinger eine steile Karriere hinter sich. 2004 gründet der Geschäftsmann die Zeitschrift Kino & Co. und verkauft das Magazin sechs Jahre später – mit sattem Gewinn. Zeitweise gestaltet er den Internet-Auftritt der Cineplex-Kinos. 2014 gelingt ihm jedoch geschäftlich sein bislang größter Coup. Er kauft von Gruner + Jahr den auf die Unterhaltungsindustrie ausgerichteten Fachverlagsarm in München, die G+J Entertainment Media GmbH. Dazu gehören Titel wie Blickpunkt-Film, GamesMarkt und Musikwoche. Den Webableger kino.de, Teil des Gruner + Jahr-Pakets, veräußert er an den Kölner Außenwerber Ströer, um einen Teil des Kaufpreises für die millionenschweren Übernahme zu refinanzieren.

Doch die Restrukturierung der ehemaligen Gruner + Jahr-Tochter gestaltet sich schwieriger als gedacht. Um das Unternehmen wieder rentabel zu machen, strafft er die Organisation, baut massiv Stellen ab. Von den einst 130 Mitarbeitern entlässt er 70 Arbeitnehmer. Sukzessive relauncht er die Titel, Ende der Woche bekommt die Musikwoche eine Schönheitskur. Zudem bringt er die einzelnen Magazine in eigenständige GmbHs ein, um sie als Profitcenter zu führen. Der Umbau hinterlässt allerdings Spuren in der Bilanz. Abfindungszahlungen sowie weitere Umbaumaßnahmen sorgen dafür, dass Busch einen millionenschweren Schuldenberg anhäuft: mit insgesamt rund 5 Millionen Euro steht er bei Gläubigern in der Kreide – darunter Geldhäusern wie der Commerzbank sowie dem börsennotierten Außenwerber Ströer – mit einem Darlehen unter einer Million Euro.

Jetzt will der Verleger die Schulden abschütteln und sich einen neuen finanziellen Spielraum verschaffen. Dazu hat er die als Holding fungierende Busch GmbH in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien gewandelt, an der er derzeit alle Anteile besitzt. Um sich von den Altlasten der Vergangenheit zu befreien, stellte er – unbemerkt der Öffentlichkeit – bereits Ende Mai für die Busch KGaAG einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung beim zuständigen Amtsgericht in Köln, eine juristische Möglichkeit, um weiterhin über die Insolvenzmasse zu verfügen. Allerdings unter der strengen Aufsicht eines Sachwalters – in diesen Fall dem Kölner Rechtsanwalt Jens Schmidt von der Kanzlei Runkel Schneider Weber aus Wuppertal. Begleitet wird das Verfahren von einem Gläubigerausschuss – darunter sind Vertreter der Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen sowie dem Außenwerber Ströer. Doch die Maßnahme soll bald der Vergangenheit angehören. „Bis zum Jahresende soll unser Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung aufgehoben sein“, erklärt Busch gegenüber MEEDIA. Er ist dann wieder alleiniger Herr über sein verzweigtes Firmenreich. Über die Schritte hat er die Belegschaft bereits vor zwei Wochen informiert.

Um die Insolvenz in Eigenverwaltung zu beenden, benötigt er jedoch Geld. Das erhofft sich der Medienmanager von strategischen Anlegern wie Regionalzeitungsverlagen oder Finanzinvestoren. Sie sollen ihm zu einer Kapitalspitze in zweistelligen Millionenhöhe verhelfen. „Wir wollen rund 10 Millionen Euro bei Investoren einsammeln, um die Restrukturierungskosten von 5 Millionen Euro zu refinanzieren sowie weiteres Kapital zur Verfügung zu haben, um die Expansion der Busch Group voranzutreiben“, betont der persönlich haftende Gesellschafter der Busch KGaA. In den nächsten Tagen will der Verleger hierzu den Datenraum öffnen, um den Anlegern Einblick in die finanzielle Lage seines Firmenreichs zu ermöglichen. Die kann sich offenbar sehen lassen, sodass sich für die Investoren ein Aktienerwerb lohne, meint er. Busch: „Unsere drei Medienmarken Blickpunkt:Film, GamesMarkt und MusikWoche sowie das digitale B2B-Angebot mediabiz haben im Zeitraum vom 1. Juli 2016 bis zum Jahresende ein EBITDA von rund 850.000 Euro erzielt. Insgesamt erwirtschaften unsere Münchner Aktivitäten einen Jahresumsatz von gut 5,5 Millionen Euro“.

Mit diesem Zahlenwerk begibt sich der Verleger nun auf Investorenfang. Große Wachstumsträume setzt er – neben dem Magazingeschäft – auf eine webbasierte Datenplattform namens Creativebase, die er für die gesamte Kreativbranche einführen will. Von Werbe-, Film-, Kunstbetrieben bis zu Filmproduktionen, Design-, Musik- und Softwareunternehmen – alle Firmen aus dem Mediensektor sollen hierüber kommunizieren: „Creativebase ist als eine Art LinkedIn für Kreative gedacht. Es soll ein Ort werden, an dem sich die gesamte kreative Community versammelt, um sich hierüber zu vernetzen, Daten über Personen, Unternehmen und Produkte zu recherchieren und Stellengesuche aufzugeben“, sagte Busch jüngst gegenüber MEEDIA. Zunächst ist der Ausbau der Plattform in Deutschland geplant. Ist dies geschafft, will er mit der Plattform international Tritt fassen.

Zwei Anteilseigner hat er bereits an Bord, die ihm seit Jahren die Stange halten: Torsten Glatz, Geschäftsführer und Unternehmensgründer des Mediendienstleisters Impress Media GmbH aus Mönchengladbach sowie die Aachener Kreativagentur Crolla Lowis. Sie sollen an der Busch KGaA einen Anteil von 30 Prozent halten. Unterstützung bei der Suche nach weiteren Finanzpartnern holt sich der Geschäftsmann bei Goetzpartners in München. Die renommierten M&A-Berater sind in der Branche keine Unbekannten. Sie standen bei vielen Medien-Deals Pate – beispielsweise bei Hellman & Friedman. Die Berater halfen dem US-Investor dabei, von der Deutschen Telekom 70 Prozent an der Scout-24-Gruppe zu erwerben. Zudem waren die Münchener entscheidend daran beteiligt, dass der Berliner Medienkonzern Axel Springer und der schweizerische Verlag Ringier vor Jahren ein gemeinsames Joint Venture bildeten. Dies macht Busch Mut. Er hofft daher mit Goetzpartners im Rücken, die weitere finanzielle Zukunft seiner Firmengruppe zu sichern.

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