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Angeblicher Insektenschwund: Wie die Medien in die grün-rote Wahlkampffalle tappten

Hasso Mansfeld
Hasso Mansfeld

„Schleichende Katastrophe: Bis zu 80 Prozent weniger Insekten in Deutschland“ – so oder ähnlich titelten am vergangenen Wochenende dutzende Printmedien und über einhundert Onlineportale. Dabei hätte eine kurze Recherche gezeigt: Die beeindruckende Zahl ist nicht belegt.

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Von Hasso Mansfeld

Wer den Beginn des Bundestagswahlkampfs in den vergangenen Wochen mitverfolgt hat, erinnert sich vielleicht: Die Zukunft von Fliegen, Faltern und Schmetterlingen ist eines der zentralen Themenfelder, das den Grünen im Oktober den Wiedereinzug in den Bundestag sichern soll. „Der Schutz der biologischen Vielfalt ist bei uns genauso wichtig wie in den tropischen Regenwäldern oder in der Arktis“, schreiben die Grünen in ihrem Wahlprogramm. Und weiter: „Heute kann man von Flensburg nach Freiburg fahren, ohne immer wieder die Frontscheibe seines Autos von Insekten reinigen zu müssen. Das ist keine gute Nachricht.“

Das Problem der Grünen:  Bislang hat das Thema – so berechtigt es durchaus sein mag – in den Medien nicht richtig verfangen. Trump, Erdogan, Putin, die Welt ist in Aufruhr und in den Medien bleibt kaum Raum für Fliegen & Co. Es fehlt die Aufmerksamkeit, die es bräuchte, um die dringend benötigten Wählerstimmen zu bringen. Und viel Zeit bleibt nicht mehr. Kreative Ideen sind also dringend gefragt.

Schon der erste Absatz im Insekten-Alarm von FAZ.net lässt erahnen, was sich die Kommunikationsprofis der Grünen haben einfallen lassen. Hier steht: „Das Bundesumweltministerium warnt vor einem fortschreitenden Insektensterben in Deutschland. In Teilen des Landes habe sich der Bestand von Insekten seit dem Jahr 1982 um bis zu 80 Prozent verringert, heißt es in einer Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorlag.“

Mit anderen Worten: Die Grünen (Wahlkampfthema: mehr Artenvielfalt) fragen geschickt und die geneigte Ministerin (Wahlkampfthema: weniger Glyphosat) liefert die passende Antwort: „Bestand der Insekten hat sich in Teilen des Landes seit 1982 um bis zu 80 Prozent verringert.“ Selbst das bei den Grünen seit langem beliebte Auto-Bild liefert Barabara Hendricks nochmal mit: „Wer heute übers Land fährt, findet danach kaum noch Insekten auf der Windschutzscheibe.“

Die Strategie ging auf. Hendricks  brachte ihre 80 Prozent in dutzende Regionalzeitungen. Eine Meldung der dpa sorgte für weiteren Schwung. Bis Sonntagabend verbreiteten weit mehr als 100 Online-Nachrichtenportale, darunter Leitmedien wie FAZ, Focus, Spiegel oder Süddeutsche, Hendricks vermeintlich exklusive Zahl. Teils über automatisierten dpa-Kanälen (wie z.B. süddeutsche.de), teils in redaktionell aufbereiteten Artikeln. Besonders gut vorbereitet zeigte sich die FAS, die dem Thema in der Printausgabe eine ganze Doppelseite widmete. Größer geht’s nimmer.

Aber wie kommt das Ministerium eigentlich auf einen Rückgang der Insekten „um bis zu 80 Prozent“ – und vor allem, wie neu ist die Zahl überhaupt?

Eine Antwort darauf bleibt Ministerin Hendricks schuldig – und offenbar hielt es auch keiner der beteiligten Journalisten für nötig, sie danach zu fragen. Dabei hätten schon wenige Klicks bei Google Interessantes zu Tage gefördert: 27.600 Treffer liefert die Suchmaschine zum Begriff „Insekten“ und „80 Prozent“. Zugegeben: Nicht alle Ergebnisse beziehen sich auf das hier diskutierte Thema, aber einige tausend dürften es wohl sein. Kurz gesagt: Die Erkenntnis, die Frau Hendricks als neu verkauft hat und auf die am Wochenende die gesamten deutschen Medien aufsprang, ist nicht belegt und zudem alt. Um nicht zu sagen uralt.

Bereits vor mehr als zwei Jahren, am 21. Mai 2015, forderte der Naturschutzbund Deutschland (NABU) erstmals „politische Maßnahmen“ und begründete dies damit, dass „innerhalb der vergangenen 20 Jahre bis zu 80 Prozent der Biomasse aller Fluginsekten in Nordrhein-Westfalen“ verschwunden seien. Anfang 2016 veröffentlichte die Organisation eine Pressemitteilung mit dem Titel: „NABU warnt vor dramatischem Insektensterben in Deutschland. In Nordrhein-Westfalen fehlen bis zu 80 Prozent der Fluginsekten.“ Auch die Grünen kennen diese Zahl natürlich schon lange. In einem Pressestatement vom Januar 2017 heißt es bereits, „in Nordrhein-Westfalen“ sei ein „drastischer Rückgang der Insektenbiomasse um rund 80 Prozent“ festzustellen. Merke: Nordrhein-Westfalen!  Am 6. März schließlich, bei einem von der Bundestagsfraktion veranstalteten Fachgespräch (Titel: „Stummer Frühling ante portas“) beschäftigten sich die Teilnehmer wieder mit exakt diesem Punkt. Und wen wundert’s: Selbst im Wahlprogramm der Grünen für die Bundestagswahl findet sich der zentrale Satz: „In den vergangenen Jahren hat die Zahl der fliegenden Insekten um 80 Prozent abgenommen.“

Aber wo denn genau? In einzelnen Regionen, deutschlandweit, international oder gar rund um den Globus? Hatten NABU und Grüne zu Beginn der Debatte noch darauf verwiesen, dass es sich um Messungen aus NRW handelt, ist die Differenzierung seit der Vorstellung des Wahlprogramms der Grünen dahin.

Auch für viele Medien ist die Frage, wann, wo und wie denn gemessen wurde, nicht von Belang. So schreibt zum Beispiel die dpa in ihrer Meldung mit Bezug auf Ministerin Hendricks: „In Teilen des Landes habe sich der Insektenbestand seit 1982 um bis zu 80 Prozent verringert.“ Für FAZ.net „findet in der deutschen Natur ein großes Insektensterben statt“, Spiegel Online urteilt schlicht: „Bis zu 80 Prozent weniger Insekten“,  die Münchner TZ titelt: „In Deutschland sterben Insekten aus“ und beim Bremer Weser-Kurier „sind in den letzten Jahren in Deutschland 80 Prozent der Insekten verschwunden.“

Bleibt die entscheidende Frage: Wo ist eigentlich die Studie, die diese magische Zahl liefert? Können NABU, die Grünen oder Frau Hendricks wissenschaftlich belegen , dass die genannten Zahlen stimmen?

Die Antwort lieferte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung: „Ein Verein von Hobbyforschern in Krefeld ist der wichtigste Zeuge“, schreibt die FAS  am Wochenende treffend und fährt fort: „Seit 1905 untersucht der Verein das Gebiet zwischen Kleve an der holländischen Grenze bis Koblenz.“ Jahr für Jahr sammeln, dokumentieren und archivieren die Insektenspezialisten penibelst ihre Beute aus mehreren dutzend Insekten-Fallen. 2013 schließlich entschieden sich die Vereinsmitglieder, ihre Erkenntnisse in einer „Entomologischen Mitteilung“ zusammenzufassen und zu veröffentlichen. Seit diesem Zeitpunkt steht die Zahl im Raum und es „vergeht keine Woche, in der nicht wieder ein Journalist anruft“, gibt der Krefelder Insektenforscher Martin Sorg der FAS zu Protokoll.

Eine wahrlich respektable und anerkennenswerte Leistung, die die rund 50 Vereinsmitglieder in den vergangenen Jahrzehnten vollbracht haben. Beindruckend ist aber auch, was  Sorg der FAS noch erzählt: Die starken Rückgänge „von bis zu 80 Prozent“ sind nicht etwa ein Durchschnitt aller vom Verein betriebenen Messstellen in Nordrhein-Westfalen. Nein, die Zahl, auf die sich seit 2013 alle Experten stützen, stammt von genau zwei Standorten im Krefelder Naturschutzgebiet „Orbroicher Bruch“. Auf die Frage der FAS, ob sich diese beiden Messpunkte denn problemlos auf ganz Deutschland hochrechnen ließen, antwortet Entomologe Sorg: „Natürlich nicht.“

Nochmal: Das Anliegen der Entomologen und aller Umweltschützer ist berechtigt. Wenn es eindeutige Indizien dafür gibt, dass Insektenarten in Deutschland in breitem Umfang aussterben, muss dem nachgegangen werden – und zwar bundesweit mit wissenschaftlich fundierten, nachvollziehbaren  und damit glaubwürdigen Methoden.

Die Ergebnisse eines entomolgischen Vereins aus zwei Messpunkten in einem Krefelder Naturschutzgebiet zu einem deutschlandweiten Massensterben der Insekten aufzublasen, ist dagegen unseriös bis skandalös. Das schadet nicht nur der Sache, sondern vor allem der Glaubwürdigkeit aller Beteiligten.

Über den Autor:

Hasso Mansfeld arbeitet als selbstständiger Unternehmensberater und Kommunikationsexperte. Für seine Ideen und Kampagnen wurde er unter anderem dreimal mit dem deutschen PR-Preis ausgezeichnet. Hasso Mansfeld schreibt außerdem regelmäßig für das Online-Debattenmagazin diekolumnisten.de. Mansfeld trat 2014 als Kandidat der FDP für die Europawahl an.

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Alle Kommentare

  1. Guten Morgen, ich bin gestern Abend bis Mitternacht mit meinem Auto durchs schöne MeckPomm gefahren – als ich heute morgen mein Auto von vorn betrachtete, bekam ich einen Riesenschreck. ALLES voller Insektenleichen! Habe mir mal die Mühe gemacht, diese zu zählen und mit meiner Zählung von vor 10 Jahren zu vergleichen! Wer hätte das gedacht, dieses Mal waren es 7,45 % MEHR!

    Wenn nun ein Politiker / Verband meine Zählung als Basis nehmen möchte, sehr gern! Titel „Insektenzahl nimmt wieder zu“…

  2. „Insgesamt gelten laut „Roter Liste“ in Deutschland 45 Prozent der Wirbellosen, zu denen die Insekten zählen als gefährdet. Das globale Insektensterben hat Anfang 2016 eine internationale Studie des Weltrats für Biodiversität bestätigt. In manchen Regionen sind bis zu 40 Prozent der Fluginsekten vom Aussterben bedroht. “
    http://www1.wdr.de/…/faktencheck-insektensterben-100.html

  3. Diesen Beitrag von Hasso Mansfeld, einem Unternehmensberater, trifft die eigene Kritik an der Seriösität von Veröffentlichungen wohl am meisten: Zu den Untersuchungsergebnissen des Entomologischen Vereins Krefeld, die er ja nicht weiter benennt: “ Ehrenamtliche hatten zwischen 1989 und 2014 an insgesamt 88 Standorten in Nordrhein-Westfalen fliegende Insekten gesammelt, ihre Arten bestimmt und sie gewogen. „Während wir 1995 noch 1,6 Kilogramm aus den Untersuchungsfallen sammelten, sind wir heute froh, wenn es 300 Gramm sind“, Der Rückgang von bis zu 80 Prozent beträfe unter anderem Schmetterlinge, Bienen und Schwebfliegen“ (Quelle NABU) Weiter sind an Untersuchungen u.a. zum Insekten-Artensterben die EFSA (EU) selbst beteiligt, sowie Universitäten (University of Sussex) und Agrarwissensschaftler der Uni Göttingen (Quelle: Greenpeace). Wenn man weiß, wie man googelt, dann findet man heraus, dass sich Wissenschaftler und wissenschaftliche Institutionen weltweit mit dem Thema Insektensterben befassen, wie eine Veröffentlichung von IPBES nachweist: Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES), eine UN- Organisation.

  4. Ich lebe auf dem Land, in einem Dörfchen im Weserbergland. Es ist unbestreitbar, dass es deutlich weniger Insekten gibt. Früher wimmelte es im Garten von Grashüpfern und Schmetterlingen. Grashüpger sieht man da kaum noch und Schmetterlinge.. haben stark abgenommen. Unsere Fingerhüte locken vor allem Hummeln und Bienen an…

  5. Das Thema verdient gründliche journalistische Recherche. Weder in die eine noch in die andere Richtung sind Pauschalisierungen angesagt. Ich habe das Thema und auch das Problem der Datenlücken bereits 2016 für den Wissenschaftsteil der FAZ aufbereitet und nun nochmals aktuell auf RiffReporter dargestellt, der neuen, von mir mitgegründeten Plattform für fundierten Journalismus. Beide Artikel kosten je 59 Cent, die Einnahmen finanzieren neue Recherchen in diesem Fall der Riff-Gruppe „Flugbegleiter – die Vogeljournalisten“, in der sich elf Autoren, die sonst für GEO, FAZ, WDR, Deutschlandradio und andere Medien arbeiten, zusammengeschlossen haben.
    https://www.riffreporter.de/flugbegleiter-koralle-insektenschwund/
    https://www.riffreporter.de/flugbegleiter-interview-dauber/

  6. Was diesem Bericht fehlt, um selber seriös und nicht tendenziös zu sein, ist die Information, welchen Insektenrückgang die Klever Forscher im Druchschnitt festgestellt haben. Es scheint, diese Information wird bewusst vorenthalten. Wie stark ist der Rückgang im gesamten Untersuchungsraum in den letzten, sagen wir 20 Jahren? 40%? 60%?

  7. Da ist aber jemand erst vorgestern eingewandert, um zu behaupten, das Thema könne zur „grün-roten Wahlkampffalle“ werden. Das Wahlergebnisentscheiden immer noch die legendären „russischen Hacker“! Los, schreib das auf.

  8. Fahrt alle mal aufs Land und schaut Euch selbst an, wie dort alles Leben mit Pestiziden vernichtet wird. Ich weiß wovon ich spreche und brauche eigentlich keine Statistik dafür. Der Bio Hof meiner Eltern ist von Chemie Agrarflächen umsäumt, wo Gülle, Pestizide, Klärschlamm etc ausgebracht werden. Und die Insekten und (leider) auch Damwild flüchtet sich auf die Oase meiner Eltern. Schaut also selbst mal hin!!! Das Problem liegt wie in der Massentierhaltung bei der konventionellen Landwirtschaft, die immer noch subventioniert wird.

  9. Nein, das Insektensterben haben sich leider nicht die Grünen ausgedacht. Weitere Studien ? Wahrscheinlich angefertigt oder bezahlt von Bayer, Monsanto & co? Es reicht !!! Jeder der noch ein bisschen Herz für die Natur hat merkt das es massiv weniger Insekten gibt. Gehandelt muss werden und nicht gequatscht und beschönigt.

  10. Es mag ja für einen ehemaligen FDP-Kandidaten und PR-Preisträger eine obszöne bis schmerzhafte Vorstellung sein, aber die Qualität wissenschaftlicher Arbeit ist keine Funktion der Rechtsform oder der Monetarisierungsinteressen ihrer Urheber.

    Auch lehrt uns Hanlons Rasiermesser, nicht durch Bosheit zu erklären, was durch Unwissenheit ausreichend begründet ist.
    Dementsprechend sei auch Herrn Mansfeld verziehen, dass er die Krefelder Käferzähler als „Hobbyforscher“ abtut. Es liegt sicher an einer bemerkenswerten Kenntnisfreiheit von Struktur und Wesen naturwissenschaftlicher Forschung und ist kein Symptom abgeschmacktester Demagogie. Analog könnte man schließlich auch den kompletten BDI als Bande von Hobbyökonomen disqualifizieren. Tatsächlich hat es aber eine gewisse Tradition, auf ehrenamtlicher Basis und im besten Sinne „brotlos“ Wesen zu zählen, die meist kleiner sind als Erbsen. Man denke zum Beispiel an einen englischen Priesterseminaristen, ein gewisser C. Darwin.

    Auch war es sicher Zeitmangel, dass Mansfeld sein vernichtendes Urteil fällen musste, ohne sich schlicht die zugrundeliegende Publikation einmal zumindest oberflächlich anzuschauen:
    http://80.153.81.79/%7Epubl/mitt-evk-2013-1.pdf
    Dann hätte er ja gleich sehen können, dass die Daten zumindest formal offenbar sehr wohl und transparenterweise nach wissenschaftlich fundierten, nachvollziehbaren und damit glaubwürdigen Methoden entstanden sind und die Mitteilungen des Krefelder Vereins nicht zufällig in Bibliothekskatalogen zu finden sind.

    Was den Forschungsbereich des Vereins betrifft, zwischen Kleve und Koblenz spannt sich ein Kreis von der Größe Mecklenburg-Vorpommerns. Naturschutzgebiete sind Modellstandorte, die eine möglichst breite und große Stichprobe ermöglichen. Es wurden von Nuklearsicherheit bis Prohibition allemal politische Entscheidungen auf begrenztere Einblicke in die Wirklichkeit gestützt. Empirische Forschung ist Beobachtung der Welt in realisierbarem Maßstab, jede sog. repräsentative Umfrage ist angreifbarer.
    Dementsprechend darf man sich fragen, was die Vokabel „Wahlkampffalle“ an dieser Stelle soll. Ein Thema ist ein Thema, keine Heimtücke.

    Was der beobachtete signifikante Schwund von Fluginsekten denn nun bedeuten würde, falls er womöglich doch wissenschaftlich erhoben ist und Modellcharakter besitzt, bleibt der Autor da aber gänzlich schuldig.

  11. Was ich an dem Artikel geradezu verachtenswert halte, ist wie so oft, die Überschrift sagt was anderes als der Text.
    In der Überschrift platziert man einen „angeblichen Insektenschwund“ wohl wissend das viele Leser das im Kopf abspeichern, weil sie nur die Überschriften lesen.
    Im Text erfährt man dann, das die Datenbasis für die Aussage (0% der Insekten sind verschwunden, sehr dünn ist. Und das ist sie zweifellos auch. Dies liegt aber unter anderem auch daran, das die Methoden sich geändert haben. Nur wenige haben vor 100 Jahren Insektendaten quantitativ ausgewertet. Man hat sich darauf beschränkt nur die Arten zu erfassen. Derartige Untersuchungen sind auch sehr aufwändig und wahrscheinlich ist es gar nicht möglich wirklich alle Insekten über einen langen Zeitraum zu erfassen, weil auch aufgrund einer, für diese Fragestellung, nicht idealen Wissenschaftslandschaft, es gar nicht genug Spezialisten für alle Insektengruppen gibt.

    Aber auch in der Wirtschaft, wird ja nicht unbedingt viel besser gearbeitet. Ich erinnere da an Pispers Kritik am Ifo-Geschäftsklimaindex. Würde man in der Entomologie mit der gleichen Methode arbeiten, also ohne belegbare Zahlen, sondern als Umfrage unter Entomologen, dann wette ich darauf, das Ergebnis wäre das ein großer Teil der Insektenwelt vom Aussterben bedroht ist. Formulierungen a la „Angeblicher Insektenschwund“ sind daher entweder Interessengesteuert oder unglaublich dämlich!

  12. Was für ein sinnfreies Gebrabbel? Gerade die SPD und die Grünen verschlafen doch das Artensterben genauso wie der Rest der Parteien! Schaut euch doch mal deren Wahlprogramme an. Durchsucht diese nach dem Wort „Artensterben“. Was soll also dieser Artikel?

    Wir die richtigen Informationen möchte, über den Zustand da draußen geht auf http://www.aufschrei-jetzt.de und sagt NEIN zum Artensterben!

  13. Sehr geehrter Herr Mansfeld,

    Ihr süffisanter Einschub über das „berechtigte Anliegen“ der Forscher täuscht nicht darüber hinweg, dass ihr Text gespickt ist mit Formulierungen die die Integrität der erwähnten Studie diskreditieren soll. Die Autoren der fraglichen Publikation http://80.153.81.79/~publ/mitt-evk-2013-1.pdf
    sagen ganz klar, dass ihre Ergebnisse NICHT zur Extrapolation auf ganz NRW, oder gar auf ganz Deutschland taugen. Dennoch sagen sie mit Recht, dass die erhobenen Zahlen alarmierend sind und in ihrer Deutlichkeit (> 75 % Rückgang der Biomasse) wohl keine Zufällige Anomalie darstellen. Auch die, wenn auch nicht immer von Ihnen selbst, Herr Mansfeld, genannten Bezeichnungen „Hobbyforscher“ und „Freizeitentomologe“ könne die Expertise der beteiligten Autoren kaum anzweifeln. Herr Dr. Martin Sorg http://www.biota.de/b-sorg.html
    hat in Entomologie Promoviert. Der Rückgang von Arten aller Taxa in der Kulturlandschaft ist kein Geheimnis. Man sollte sich daher fragen, warum ein gemeinnütziger Entomologischer Verein mit größtenteils ehrenamtlichen, aber damit nicht minder professionellen, Mitarbeitern solche Untersuchungen macht (machen muss). Möglicherweise weil es daran liegt, dass viele Themen in der öffentlich geförderten Forschung nicht förderungswürdig erscheinen. Oder nicht gewünscht sind. Es sei an dieser Stelle angeraten sich zu informieren wie viele zum Beispiel Entomologische Institute (die auch aktiv Forschung betreiben) es an deutschen Hochschulen noch gibt! Da diese Art der Feldforschung viel know-how, viel Zeit und viel Personal erfordert, sind es hier oft solche Vereine, oder Verbände die Pionierarbeit leisten und eine (bedenkliche) Entwicklung erst in den Fokus rücken müssen.

    Das die Politik sich Schlagworte heraussucht und damit eben Politik macht, dass ist so alt wie die Menschheit und ändert nichts an der Aussagekraft solcher Untersuchungen. In erster Linie fällt Ihre Warnung vor dem Verlust der „Glaubwürdigkeit aller Beteiligten“ also auch auf Sie zurück, wenn Sie diese Geschichte zum Anlass nehmen sich über unlautere Verzerrung zu beschweren und einer anderen politischen Strömung Unlauterkeit vorzuwerfen.
    Um es richtig zu machen hätten Sie viel mehr Text dafür verwenden sollen warum es jetzt und für die Zukunft wichtig ist Forschung solcher Art zu fördern und zu verbreitern. Hier sitzt die Politik nämlich an einem ziemlich langen Hebel, auf allen politischen Ebenen.

  14. NGOs und Politiker agieren schon mal gern faktenarm, dafür aber hoch emotional. Der Zweck heiligt die Mittel und es gibt eine Menge Buzz-Wörter.

    Das die Presse ständig diese Medieninszenierungen mitmacht, konterkariert die Sonntagsreden von Chefredakteuren, Edelfedern und Kommentatoren. Wenn es in das Weltbild passt, wird scheinbar alles weitergegeben. Da es die Kollegen auch machen, muss es ja stimmen, oder?

    Mein Eindruck in vielen Fällen: Entweder wird verniedlicht oder mit dem Holzhammer argumentiert. Kritischer Abstand, Reflexion, Faktencheck – lieber nicht, kostet Zeit und könnte eigene (liebgewonne) Vorurteile ins wanken bringen.

  15. Mein Schwager arbeitet in Schleswig-Holstein in einem Institut, das für andere diverse „biologische Dienstleistungen“ vollbringt, von Vögelpopulationen zählen über Studien zu Windkraft und ihren Auswirkungen auf die Fauna. Und es gibt eben auch ein Projekt, das schon jahrelang läuft, wo es um die Anzahl von Insekten auf Feldern von Landwirten geht. Und hey, es ist tatsächlich so, dass die Anzahl der Insekten von Jahr zu Jahr sinkt. Und ja, es ist auch meine persönliche Wahrnehmung. Wenn man sonst im Sommer beim Bäcker war, brummte und summte es überall in den Auslagen. Diesen Sommer ist man schon erschrocken, wenn mal eine Wespe durch die Auslage streift. Und selbst der Spatz ist in manchen Gegenden nur noch schwerlich zu finden.

  16. Schöne Analyse die zeigt wie seriös unsere „Qualitätsmedien“ recherchieren. Es hätte noch auf folgendes hingewiesen werden können:
    1.Es werden in der Analyse des Krefelder Vereines keine langfristigen Daten dargestellt (Bericht hier: http://www.entomologica.org/publikationen-frameset.htm), sondern zwei Punktmessungen, eine 1989 und die zweite 2013, also insgesamt Daten aus 4 Fallen an einem Standort zu 2 Zeitpunkten.
    2.Als Maß für die gefangenen Insektenzahl wird nicht etwa der Inhalt der Fallen ausgezählt, sondern lediglich das Gewicht („Abtropfgewicht“) der in Alkohol gefangenen Insekten bestimmt (Ein Maikäfer oder eine Hummel dürfte ca. 1000x schwerer sein als eine Blattlaus)
    3. Die verwendeten Malaise-Fallen werden unter Fachleuten sehr kritisch beurteilt ( einfach Malaise Falle in Suchmaschine eingeben)

    1. Ich darf anmerken:
      1. Es wurden in den Jahren 1989 und 2013 jeweils zu 24 Terminen an zwei Fallenstandorten Daten gesammelt. Zu keinem der Termine waren die Messwerte in 2013 höher als die von 1989.
      2. Zu keiner Zeit wird in der Studie behauptet dass es NICHT um die Biomasse der Insekten geht.
      3. Der Mangel an Vergleichsdaten und die fehlende Arterfassung ist den Autoren bewusst und wird deutlich gemacht.

      Fazit: An der Durchführung und der Aufbereitung der Studie ist nichts wissenschaftlich falsch. Ein Mangel an Daten wird erst dann kritisch wenn aus fehlenden Daten Schlüsse gezogen werden. Das passiert hier nicht.
      Der Bote (die Forscher) können hier also keineswegs das Ziel der Kritik sein. Wenn man richtig zuhört (liest) versteht man auch was gesagt wird.

    2. @Georg Bauer
      Es scheint, Sie haben diese Studie nicht verstanden!

      Studien, die den Rückgang der Artenvielfalt bei den Insekten und anderen Organismengruppen belegen, gibt es 1000e. Aber die meisten (insektenfressenden) Singvögel interessiert es nicht, ob sie eine Schwebfliege oder eine Blattlaus fressen oder um welche der tausende Insktenarten es sich dabei handelt. Sie wollen satt werden und ihre Jungen füttern. Und da zählt nun mal die Biomasse.

      Ich bin Biologe und Ökologe mit etwa 20-jähriger Berufserfahrung. Die „sehr kritische“ Beurteilung der Malaise-Falle, die Sie in die Welt setzen, gibt es in der Fachwelt so nicht – bzw. soweit die Malaise-Fallen kritisch beurteilt werden, geht es in erster Linie um ihre Nicht-Selektivität. Darüber hinaus sind auch bei der Malaise-Falle wie bei jeder Methode ihre methodischen Limitierungen vorhanden und bekannt. Für die Krefelder Untersuchung ist die Malaise-Falle durchaus eine valable Methode.

      Was Sie den Medien (und Marketing-Abteilungen) zu Recht vorwerfen, ist die einseitige Fokussierung der 80%. Es ist nämlich ziemlich irrelevant, ob der Rückgang 80% oder „nur“ 50% in 25 Jahren beträgt!! Wir haben so oder so ein riesiges Problem und müssen mehr Sorge zur Biodiversität tragen!!

  17. Ach?! Hat Hasso doch wieder jemanden gefunden, der ihm zuhört und das auch noch veröffentlicht? Sommerloch?

    Tatsache ist das, was ich selber erlebe: Es wird immer stiller. Auf den Agrar-Wüsten vor meiner Haustüre lebt gar nichts mehr.
    Das was da noch lebt, wird zusätzlich von schießwütigen Hobbyjägern umgebracht.

    Es ist fünf nach Zwölf – aber Hasso weiss es ja besser.

  18. Eine große angelegte Meinungs- und Stimmungsmachekampagne auf (bewußt?) falsch oder verfälschend wiedergegebenen Tatsachen – wo ist da die Grenze zu den allseits verteufelten »Fake-News«?
    Es soll ja mal Zeiten gegeben haben, als Ministerien als Quelle als »vertrauenswürdig« galten. Aber diese scheinen ja vorbei zu sein.
    Und natürlich ist die ganze Sache ein Indiz dafür, dass auch NGOs, auch wenn sie noch so hehre Ziele haben, bereit sind, Tatsachen in ihrem Sinne zu verfälschen, um ihre Ziele (wozu auch mehr Aufmerksamkeit -> mehr Spenden) zu erreichen, also Fake News in die Welt zu setzen.
    Und die Presse, selbst die »Leitmedien«, verbreiten es ungeprüft weiter. Hätten sie es auch getan, wenn die Zahl von der »bösen« AFD oder dem »bösen« Trump gekommen wäre und nicht den »guten« Grünen, Ministerium und NABU? Wohl kaum, sie hätten wahrscheinlich nachrecherchiert, um dann die AFD wegen dieser Verfälschung der Tatsachen an den Pranger zu stellen.
    Das ist jetzt kein Plädoyer für die AFD, zeigt aber, dass anscheinend mit zweierlei Maß gemessen wird und würde wieder Argumente liefern für diejenigen, die von »System-« oder »Lügenpresse« reden.
    Aber wahrscheinlich wird keine der genannten Leitmedien diese breit angelegte, vorsätzliche Tatsachenverfälschung thematisieren, die im Grunde genommen ein Skandal ist, da ein Ministerium sich an der Kampagne beteiligt.
    Und so werden Grüne, NABU und andere diese Falschinformation wohl weiter behaupten und lautstark verbreiten. Und irgendwann glaubt dann jeder die Behauptung, weil sie ja lautstark von den »Guten« propagiert wird (und dieser Meedia-Beitrag wird als »Fake-News« von Maas angeprangert und Meedia zu Löschung aufgefordert).
    Apropos Glyphosat: dasselbe Spiel. Es gibt bisher nur eine offizielle Institution, die Glyphosat in de letzten 40 Jahren als »wahrscheinlich krebserregend sein« eingestuft hat (übrigens wie auch rotes Fleisch, sehr heiße Getränke, Alkohol, die Arbeit als Schichtarbeiter oder als Frisör und Dämpfe beim Braten und Frittieren). Und was machen Grüne, NABU, BUND und andere »Umweltschutzorganisationen? Sie schreien lauthals schon seit vielen Jahren »Gift, Gift, Gift!« ohne dafür jemals einen Beweis vorgelegt zu haben. Und die Bevölkerung glaubt’s ihnen, weil sie ja die »Guten« sind. und auch die Presse betet nach.
    Und immer wenn über Glyphosat berichtet wird, heißt es auch im Kontext, dass es im Verdacht stehe, Krebs zu verursachen. Wäre die Presse konsequent, müsste sie auch jedesmal, wenn über Bier, Wein, Schnaps
    oder über Rind- oder Lammfleisch (Kochsendungen, Rezepte) berichtet wird, darauf hinweisen, das diese Dinge »wahrscheinlich krebserregend« sind.
    »Man nehme 1 kg Rindfleisch, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein, …«. »Dazu empfehlend wir einen Spätburgunder, der Alkohol, enthält, der im Verdacht steht, Krebs zu verursachen….«

  19. Da bin ich aber beruhigt. Ich dachte schon es stimmt, was ich selbst wahrnehme. Also muss ich zum Arzt wegen Wahrnehmungs Störungen. Ich habe tatsächlich empfunden, das es wesentlich weniger Insekten gibt.

  20. Verharmlosen sollte man das Sterben der Insekten aber auch nicht! Pestizide wie Glyphosat zu verbieten, wäre schon ein Anfang und wissenschftliche Untersuchungen durch das Umweltbundesamt mehr als geboten!

    1. Der hier Schreibende scheint eine andere Realität zu haben. Die Wirklichkeit und die subjektive Realität eines Menschen werden häufig durch bestimmte Interessen oder Drogen in einen Dissens gebracht.

    2. Jens Diekmann – nein Verharmlosen sollte man Probleme nicht, wenn es sie tatsächlich gibt! Aber mal eben einen Schuldigen ausmachen ohne genauste Untersuchungen dazu hilft auch nicht! Schon ihre Verwendung des Begriffs „Pestizid“ identifiziert ihre Einstellung. Jedoch gilt es zwischen Insektizide (Töten Insekten direkt) und Herbizide (können Insekten z.B. bei falscher Anwendung töten und sind nicht grundsätzlich direkt tödlich) zu unterscheiden. Das Totalherbizid Glyphosat wird seit über 30 Jahren eingesetzt, vor allem um nach der Ernte kurzfristig stark mit Unkräutern und Quecken bewachsene Äcker mit Bodenbearbeitungsgeräten überhaupt bearbeiten zu können. Das sind auf jedem Betrieb häufig nur wenige % der Gesamtfläche. D. h. es wird nicht jährlich und ständig die gesamte Nutzfläche behandelt. Ausserdem findet die Anwendung heute i. d. R. nach der Ernte statt. D. h. die Flächen sind mit dem Mähdrescher gemäht worden und Blüten in denen sich Insekten überwiegend aufhalten sind eh nicht mehr vorhanden. Auf einer Fläche die mit Glyphosat behandelt werden sterben die verblieben Pflanzenreste innerhalb von 8-10 Tagen ab. Dann kann der Boden bearbeitet werden. Ist der Acker unkrautfrei wird er meist nach wenigen Tagen bearbeitet um die Kapilare zu unterbrechen und die Verdunstung von Wasser zuvermindern. Das Ergebnis ist gleich – kein Bewuchs. Warum sollte also Glyphosat in diesem Zusammenhang für das Insektensterben verantwortlich sein?

      1. hubert, schon alleine die einfach zu verstehende kausalkette: unkraut tot – raupe nix zu fressen – imago kein nektar, macht glyphosat und alle anderen unkrautvernichtungsmittel mitveranwortlich für den rückgang der insekten

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