Anzeige

„AfD und Medien“ – Otto-Brenner-Stiftung gibt Journalisten Empfehlungen für den Umgang mit der Partei

Bernd Gäbler beschäftigt sich mit dem richtigen Umgang mit der AfD und ihrer Chefin Frauke Petry
Bernd Gäbler beschäftigt sich mit dem richtigen Umgang mit der AfD und ihrer Chefin Frauke Petry

Das Verhältnis der Alternative für Deutschland (AfD) zu den Medien ist eine Hassliebe. Die „System-“, “Lügen-“ oder „Pinocchio-Presse“ wird von der AfD verachtet. Andererseits braucht die AfD die Medien, damit ihre Themen und Provokationen überhaupt wahrgenommen werden. Das schwierige Verhältnis analysiert ein neues Papier der Otto-Brenner-Stiftung.

Anzeige
Anzeige

Im Auftrag der gewerkschaftsnahen Stiftung analysiert der ehemalige Direktor des Grimme-Institutes, Bernd Gäbler, das Verhältnis zwischen den Medien und der jungen Partei, die – vor allem im vergangenen Jahr – wie kaum eine andere Gruppierung Schlagzeilen produzierte.

Bereits in der Einleitung zu der „Analyse und Handreichung“ stellt OBS-Geschäftsführer Jupp Legrand fest, dass sich die Partei stets als „Opfer des politischen Systems inszeniert“ und offenbar auch sieht. Tatsächlich empfinde sich die AfD als der „fundamentale Gegner der Medien schlechthin“. Weiter schreibt Legrand, dass mit der Ablehnung der Medien durch die AfD zugleich ein geradezu verzweifeltes Buhlen und Werben um deren Gunst einher gehe. „Das historisch Neue und Einzigartige scheint darin zu liegen, dass bisher keine Partei mit bundesweiter Relevanz und breiter Präsenz in den Landtagen einerseits das Leistungsprofil privater Medien und des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems so massiv und so grundsätzlich in Frage gestellt hat, wie die AfD dies tut. Andererseits versucht die Partei zugleich, diese Medienangebote für ihre Zwecke und Anliegen auszunutzen und gelegentlich auch zu instrumentalisieren.“

Ein gutes Beispiel für diese Einschätzung ist die Androhung von Partei-Chef Jörg Meuthen, sich in die öffentlich-rechtlichen Talkshows einzuklagen, weil man in den vergangenen Monaten so wenig eingeladen worden sei. „Es ist schwer, mit Themen durchzudringen, wenn sie vor allem von den öffentlich-rechtlichen Medien nicht transportiert werden“, beschwert sich der Funktionär im Focus.

Gäbler sieht ein „Double-Bind“-Verhältnis zwischen der Partei und der Presse. „Die AfD und die Medien wirken aufeinander wie zwei Magnete. Es kommt zu Abstoßungsreaktionen, obwohl man sich eigentlich anzieht, es womöglich sogar eine gemeinsame Substanz gibt.“ Kein abwegiger Gedanke, immerhin ist es erstaunlich, wie viel Spitzenpersonal der jungen Partei früher in den Medien arbeitete, wie beispielsweise der Ex-Bild-Mann Nikolaus Fest oder der ehemalige Radiomoderator Leif-Erik Holm aus Mecklenburg Vorpommern.

Der große Wert der Gäbler-Analyse liegt darin, dass anhand einer Vielzahl von Beispielen diskutiert wird, wie Journalisten ganz konkret mit den einzelnen Herausforderungen durch die AfD umgehen könnten. Dabei handle es sich allerdings nur um Überlegungen, Argumente und Positionen, „über die ein Austausch angeregt werden soll“. Es sei keine „Gebrauchsanweisung für guten Journalismus“, schreibt der Autor. „Dafür werden zu viele Widersprüche und Dilemmata benannt, die alle Journalisten täglich spüren, die berichtend und kommentierend mit der AfD befasst sind.“ Wichtig sei allerdings, dass sich die Akteure überhaupt dieser Widersprüche bewusst sind.

Anzeige

Zwei dieser Widersprüche sieht Gäbler beispielsweise in „der Oppositionsfalle“ oder auch „dem Stöckchen-Spiel“. Für die Erklärung des letzteren zitiert Gäbler aus einem Strategiepapier der Partei: „Die AfD muss – selbstverständlich im Rahmen und unter Betonung der freiheitlich demokratischen Grundordnung unseres Landes – ganz bewusst und ganz gezielt immer wieder politisch inkorrekt sein, zu klaren Worten greifen und auch vor sorgfältig geplanten Provokationen nicht zurückschrecken“. Über diese berichten dann wieder die Medien ganz aufgeregt, was beispielsweise für hohe Klickzahlen sorgt. Die Partei profitiert von der hohen Aufmerksamkeit.

Gäbler rät nun, dass sich ein kluger Journalist nicht missbrauchen lassen soll, „wie ein Pawlowscher Hund, der bei jedem offensiv gesetzten Reiz exakt tut, was von ihm erwartet wird, nämlich der Provokation empört eine möglichst große Bühne zu verschaffen. Es ist Zeit, diese automatisierte Logik zu durchbrechen.“

Bei der Oppositionsfalle warnt die Analyse Journalisten davor, die Alternative für Deutschland „bekämpfen“ zu wollen. Als Beispiel führt Gäbler den Dokumentarfilm „Die nervöse Republik“ an, in dem der damalige Herausgeber der Bild, Kai Diekmann, noch genau das als Ziel bezeichnete. Gäbler meint, dass man möglichst unaufgeregt berichten und erklären soll. Die Presse dürfe sich erst gar nicht zum politischen Gegner machen. Dann könnte sich die Partei zu leicht als Opfer darstellen.

Am Ende kommt das Papier zu der Schlussfolgerung, dass die mediale Beschäftigung mit der jungen Partei keinen speziell auf die AfD zugeschnittener Journalismus braucht. „Vielmehr ist die AfD lediglich eine neue Herausforderung, um sich alte journalistische Tugenden und das klassische Handwerkszeug erneut vor Augen zu führen.“

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige