Der neue Prantl-Letter der Süddeutschen: gepflegte Langeweile vom Leitartikler

Unter Lettern: Heribert Prantl von der SZ
Unter Lettern: Heribert Prantl von der SZ

Wenn ein Journalist als prominenter Kopf für die Süddeutsche Zeitung steht, dann ist das wohl Heribert Prantl. Der ausgebildete Jurist hat als Richter und Staatsanwalt gearbeitet und ist so etwas wie das gute Gewissen der SZ. Seine, von manchen als pastoral belehrend empfundene Art, macht ihm aber nicht nur Freunde. Jetzt ist Prantl auch unter die Newsletter-Schreiber gegangen. Mit gebremster Originalität.

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„Prantls Blick“ heißt der neue, wöchentliche Newsletter des Leiters Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung und es soll eine „politische Wochenvorschau“ am Sonntag sein. Der Markt der Chef-Newsletter ist schon voll. Um das Mindeste zu sagen. Angeführt von Gabor Steingarts täglichem „Morning Briefing“ gibt es mittlerweile die tägliche „Lage“ des Spiegel mit wechselnden Autoren, Bild-Chef Julian Reichelt verschickt Links, WirtschaftsWoche-Herausgeberin Miriam Meckel macht sich sonntags in „Serendipity“ Gedanken über Kreativität, die Chefs des Hamburger Abendblatts wünschen zum Abend stets „Moin“, Zeit-Magazin-Chef Christoph Amend gibt Feierabend-Tipps, bei der FAZ werden Rhein-Main-Themen in der „Hauptwache“ abgehandelt und dann ist da natürlich noch der preisgekrönte Letterstar Lorenz Maroldt. Manchem soll der tägliche, sehr lange Checkpoint-Letter des Tagesspiegel-Chefredakteurs schon fast die ganze Zeitung ersetzen. Und das sind nur einige Beispiele im übervollen Markt der Chef-Newsletter von Medienmarken.

Es ist also schwer, hier noch einen guten, weil sinnvollen neuen Letter zu platzieren. Im Idealfall sind die Newsletter persönlich gehalten und haben immer denselben Absender. Der Leser ist halt ein Gewohnheitstier. Gut zu konsumieren sind die Letter zudem, wenn ihre Inhalte in Häppchen serviert werden – oft handelt es sich dabei um kurze Kommentare und Hinweise zu längeren Stücken im jeweiligen Medium.

Der Prantl-Letter macht hier eine Ausnahme. In seiner ersten Wochenvorschau befasst er sich mit einem einzigen Thema: dem diese Woche anstehenden G20-Gipfel in Hamburg. Prantl kritisiert erwartungsgemäß die Einschränkungen der Versammlungsfreiheit im Umfeld des Gipfels. Dabei bleibt er seinem Stil treu und streut das eine oder andere Prantl-Wort („Flegeleien“) ein. Inhalt und Ton des Textes sind aber in etwa so überraschend und originell wie Breze und süßer Senf zum Weißwurstfrühstück.

Der Letter-Text hätte auch ein stinknormaler Prantl-Leitartikel sein können. Das ist ein bisschen schade. Denn, ganz egal ob man Prantl und seinen Stil und seine Haltung nun mag oder nicht, er ist einer der Charakterköpfe der Branche mit hohem Wiedererkennungswert. Seine Video-Kommentare, die er bei SZ.de hin und wieder mit seinem sanft dahingeknödelten Roll-R einspricht, besitzen mehr Eigenständigkeit als dieser Letter.

Bei dem knappen Gut Zeit, muss man sich heutzutage schon bei der ersten Ausgabe eines solchen Angebots fragen: Lohnt das Lesen? Im Falle von „Prantls Blick“ muss man leider sagen: nö. Außer für Hardcore-Fans des bayerischen Prantlers, die hier einmal mehr ihre Weltsicht bestätigt bekommen wollen. Den wesentlich kantigeren und damit interessanteren Newsletter verschickt einmal wöchentlich SZ-Chefredakteur Kurt Kister. Aber der ist Abonnenten vorbehalten. Schade eigentlich. Schlauer wäre: Den Kister-Letter als Werbemaßnahme frei zur Verfügung stellen, den Prantl-Letter wieder zum gepflegt langweiligen Leitartikel umetikettieren. Denn da gehört er hin.

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Alle Kommentare

  1. Als Abonnent empfange ich bereits zwangsweise Kisters wöchentlichen Chefletter und werde nicht vergessen, wie er das Münchner Olympiazentrum-Attentat in breaking news als „erstes islamistisches Attentat“ in Deutschland schmähte.

    Dass es dann – so auch bei dem Polizistenmord in Georgensgmünd – ein rechtsradikaler Mörder war, konnte die SZ bis heute nicht richtig eingestehen.

    Kein einziges islamistisches Attentat in Bayern und das einzige Opfer eines Attentäters mit potentiell islamistischem Hintergrund starb in Ansbach an seiner eigenen, dilettantischen Bombe.

    Auf den Fotos sieht man seinen fast unversehrten Rucksack.

    Bis heute warnen SZ und BR täglich vor der Gefahr „islamistischer Anschläge“. Und wenn man ihre Leser und Hörer fragt: Na klar gab es schon islamistische Attentate in Bayern. Das weiss doch jeder.

    Stand doch in der Zeitung. Lief doch im Radio.

    1. „Kein einziges islamistisches Attentat in Bayern…
      Stand doch in der Zeitung.Lief doch im Radio.“

      Diese infamen Qualitätslügner von der SZ aber auch wieder, die die rechtsradikalen Mörder schützen.

      Aber vergessen Sie nicht das Fernsehen!

      https://www.tagesschau.de/inland/wuerzburg-staatsanwaltschaft-105.html

      Gehen Sie weiter, hier ist nichts passiert. Keine halben Sachen, denn für Sie scheinen schlichterweise nur tote Opfer zu zählen.

      Eieiei…

  2. „Angeführt von Gabor Steingart …”
    Hoffentlich liest Er’s.
    G’schamster Diener.

  3. Moin hat nichts mit Morgen zu tun. Wer das vermutet, outet sich als Dösbaddel oder Bayer.

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