„Verherrlichung von Magersucht“: Proteststürme gegen neuen Netflix-Film „To the Bone“

Spielt in „To the Bone“ eine magersüchtige junge Frau: Lily Collins
Spielt in "To the Bone" eine magersüchtige junge Frau: Lily Collins

Erst vor wenigen Monaten sorgte die Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht" (im Original: "13 Reasons Why"), in der es um den Suizid eines jungen Mädchens ging, für Aufsehen. Jetzt löst die nächste Produktion des Streaminganbieters noch vor der Ausstrahlung Proteste aus: "To the Bone" verniedliche und verherrliche Magersucht, sind sich Kritiker einig.

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„Mein Gott, als hättest du Kalorien-Asperger“, staunt die Schwester der 20-jährigen Ellen, nachdem diese in rasantem Tempo alle Kalorien der jeweiligen Lebensmittel auf ihrem Teller einzeln aufgezählt hat. Ellen ist magersüchtig, jeder Therapieversuch in den vergangenen Jahren scheiterte, weil sie fest daran glaubt, „alles im Griff“ zu haben. Schließlich schließt sie sich auf Drängen ihrer Familie einer Therapiegruppe an, die von dem unkonventionellen Dr. William Beckham (Keanu Reeves) geleitet wird. Der Arzt begleitet Ellen auf einem „qualvollen, aber amüsanten Prozess der Selbstfindung“, so Netflix.

Der Streaminganbieter wagt sich mit seiner neuesten Eigenproduktion auf schwieriges Terrain – und verfilmt den Kampf mit einer gefährlichen Krankheit wie der Magersucht in einer Tragikomödie. Sowohl Hauptdarstellerin Lily Collins als auch Regisseurin Marti Noxon waren in der Vergangenheit an Essstörungen erkrankt und haben den Film deshalb mit einer gehörigen Portion „schwarzem Humor“ umgesetzt, „den Menschen, die mit Essstörungen zu kämpfen haben, verstehen werden“, so Collins im Interview mit der Vanity Fair. Gegenüber der Zeitschrift People erklärt sie weiter: „Der Film hat das Potential, etwas zu bewegen und ein Gespräch über ein Thema in Gang zu bringen, das auch heute immer noch tabuisiert wird.“

Gesundheitsexperten schätzen dies allerdings grundlegend anders ein und kritisieren den Film bereits vor seiner Ausstrahlung scharf. Gegenüber dem Guardian äußern mehrere Mediziner, die sich auf das Thema Essstörungen spezialisiert haben, große Bedenken. Der Film „verniedliche“ und „verherrliche“ die Krankheit. Die Therapie sei darüber hinaus zu simpel, und zwar als „bereichernde Erfahrung“, dargestellt. Das Mindeste, was Netflix tun müsse, sei, eine sogenannte Trigger-Warnung vor dem Film laufen zu lassen.

Bei Change.org ist inzwischen sogar eine Petition gestartet, die von Netflix fordert, „To the Bone“ nicht zu zeigen. Die Verantwortlichen könnten „jahrelange Therapie zunichte machen“, so die Initiatorin der Petition.

Netflix selber hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert. Auf die Ausstrahlung verzichten, wird der Streaminanbieter jedoch vermutlich nicht. Schließlich wurde auch „Tote Mädchen lügen nicht“ trotz massiver Kritik nicht aus dem Programm genommen.

„To the Bone“ ist ab dem 14. Juli 2017 bei Netflix zu sehen.

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Alle Kommentare

  1. Was für ein blödsinniger Artikel. Aus einem Artikel im Guardian mit Zitaten von Menschen, die den Film nicht gesehen haben, einen Proteststurm zu machen. Clickbaiting par excellence, Meedia

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