VDZ ändert Satzung: Verband will Zoff bei der Wahl des künftigen Präsidenten vermeiden

Der zurückgetretene VDZ-Chef Stephan Holthoff-Pförtner
Der zurückgetretene VDZ-Chef Stephan Holthoff-Pförtner

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) hat aus dem Debakel zur Ernennung des Präsidenten Stephan Holthoff-Pförtner im vergangenen Jahr Lehren gezogen. Die Lobbyvereinigung der Zeitschriftenverlage plant, ihre Satzung zu ändern. Sie will damit verhindern, dass es bei der Suche nach einem Nachfolger für den zurückgetretenen Funke-Mitgesellschafter erneut zu einem heftigen Zwist unter den Mitgliedern kommt.

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Es war für den Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) eine Katastrophe. Nach dem Rückzug des Verlegers Hubert Burda sorgte die Wahl des Funke-Mitgesellschafters Stephan Holthoff-Pförtner zum neuen Präsidenten für Unbill unter mehreren Mitgliedsunternehmen. Die Hamburger Verlagshäuser Gruner + Jahr, Spiegel und Zeit sowie die Medweth-Mediengruppe fühlten sich übergangen, als der promovierte Jurist ohne ihr Mitwissen an die Spitze des Verbands gelangte. „Wir möchten Sie wissen lassen, dass dieser Vorschlag ohne Beteiligung vieler wichtiger Mitgliedsunternehmen des VDZ (…) und in einem für diese Mitglieder höchst intransparenten Procedere entstanden ist. Wir halten das für nicht angemessen für einen modernen Verband im Jahr 2016 und möchten Sie über das bisherige Verfahren informieren“, rügten die Medienhäuser das Vorgehen scharf und sprachen in diesem Zusammenhang von „Hinterzimmer-Bünden“. Wenig später kündigten die Verlage an, dem VDZ den Rücken zu kehren und zogen sich zur Jahresmitte aus dem Arbeitskreis Publikumszeitschriften (PZ) zurück.

Jetzt will der VDZ bei der Bestellung eines neuen Präsidenten nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen. So plant der Verband eine entsprechende Satzungsänderung, wie MEEDIA aus Branchenkreisen erfuhr. So soll die Ernennung des künftigen Verbandschefs transparenter erfolgen, um keinen neuen Zwist unter den Mitgliedsunternehmen zu verursachen. Geplant ist beispielsweise, dass die Frist für die Bestellung des Verbandschefs deutlich verlängert wird, heißt es. Die Rede ist von einem Monat. Der Vorschlag für eine entsprechende Satzungsänderung wurde der Delegiertenversammlung nach MEEDIA-Informationen jüngst vorgestellt. Sie soll nun in den Landes- und Fachverbänden diskutiert werden. Signalisieren diese ihr OK, soll die Satzungsänderung zu einem späteren Zeitpunkt – möglicherweise im November – formell festgezurrt werden. Ein VDZ-Sprecher bestätigt dies auf MEEDIA-Anfrage: „Die VDZ-Delegiertenversammlung vor einer Woche setzte sich mit verschiedenen Vorschlägen des damit beauftragten Steering Committees, bestehend aus PZ-Vorstandsmitgliedern, zur Weiterentwicklung des VDZ zu den Themen Kommunikation, Governance und Transparenz auseinander. Dazu gehört auch ein Vorschlag zur Optimierung des Wahlprozesses, der das Vorschlags-, Findungs- und Wahlverfahren für den VDZ-Präsidenten präzisiert. Darüber wird nun in den Gremien der Landes- und Fachverbände weiterberaten. Die entsprechende Satzungs-Änderung wird von der VDZ-Delegiertenversammlung beschlossen.“

Heute wurde bekannt, dass Holthoff-Pförtner überraschend seinen Posten als Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger niedergelegt hat. Der Grund: der langjährige Vertraute des verstorbenen Altkanzlers Helmut Kohl wird in Nordrhein-Westfalen Minister für Bundesangelegenheiten, Europa, internationale Beziehungen und Medien.

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Alle Kommentare

  1. Man muss wohl die kleinen Verlage (z.b. mit dem Leistungs-Schutz-Gesetz) bis zur Rezession ruhig halten. Dann werden die Fusions-Gesetze angepasst, alle Kleinen aufgekauft und es gibt nur noch eine Hand voll Zentral-Redaktionen.

    Beim Zappen über France24 (franz. Präsidentenwahl) oder CNBC/… letztes Jahr USA sieht man wie es richtig geht: Alle Kandidaten jeweils pro Partei stellen sich ins Licht und einer nach dem anderen wird ausgefiltert. Da standen ich glaube 8 Kandidaten im TV und kämpften darum, für diese Partei als Spitzenkandidat zu sein.
    Oder Trump gegen 8-15 andere konservative Kandidaten.
    Hier hingegen dürfen die Delegierten Vorschläge –
    oft wohl ohne viel Eigenanteil – abstimmen.
    Da braucht man sich nicht wundern wenn „Volksvertreter“ (oder wie das hiess) gestern wohl so niedrige Zuschauerzahlen hat und das Volk Protest wählt.

  2. Was für ein Wahn: In Zeiten übermächtiger Konkurrenz machen dreieinhalb Honoratioren-Opis ganz allein klar, wer von Ihnen als nächster schön repräsentieren darf.

    Wenn so die Vertretung der Medien aussieht, dazu noch gespalten mit den Zeitungen, dann gute Nacht.

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