IPO: Delivery Hero startet zu 25,50 Euro an der Börse – wird aber von Blue Apron und Internetaktiencrash belastet

Rocket-Chef Oliver Samwer winkt mit Delivery Hero ein Emissionserlös von 264 Millionen Euro
Rocket-Chef Oliver Samwer winkt mit Delivery Hero ein Emissionserlös von 264 Millionen Euro

Wiederholt sich die Geschichte? Knapp drei Jahre ist es her, dass die Samwers beim IPO ihrer Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet die Preisspanne maximal ausreizten – und danach an der Börse schnell baden gingen. Auch die Rocket-Beteiligung Delivery Hero will von zeichnungswilligen Aktionären Höchstkurse sehen und teilt ihre Aktien zu 25,50 und damit am oberen Rand der Bookbuildingspanne zu. Damit nimmt der Gegenwind für das IPO fast stündlich zu: Während Kochbox-Anbieter Blue Apron seinen Ausgabekurs um ein Drittel reduzieren musste, brechen Internetaktien weiter ein.

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Es ist so weit: Knapp drei Jahre nach dem hochpreisigen Börsengang von Rocket Internet, der die Berliner Internet-Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet mit 7 Milliarden Euro bewertet, strebt nun endlich die erste große Beteiligung an die Börse.

Der Essens-Lieferdienst Delivery Hero (Lieferheld, Foodora, Pizza.de) hat es tatsächlich geschafft, im richtigen Moment den Appetit der zeichnungswilligen Anleger zu wecken, die ihren Hunger auf frische Internetaktien allerdings happig bezahlen müssen.

Zuteilung zu 25.50 Euro: Delivery Hero erlöst 996 Millionen Euro, Rocket Internet  264 Millionen

Am obersten Ende der Bookbuildingspanne, die bei 22 bis 25,50 Euro gelegen hatte, werden die 39 Millionen Aktien nun zugeteilt. Der Essens-Lieferdienst erzielt damit Emissionserlöse von 996 Millionen Euro. Auch für die Samwers ist damit der große Zahltag da: 264 Millionen Euro frische Mittel haben die Berliner damit erlöst.

Aus dem Stand wird Delivery Hero damit mit 4,4 Milliarden Euro bewertet – und ist damit in etwa so viel wert wie MDax-Konzerne Hugo Boss, der Rohstoffkonzern K+S oder Pharmahersteller Stada.

Delivery Hero Mit 195 Millionen Euro Verlust an die Börse

Angesichts der Geschäftsentwicklung erscheint die Bewertung extrem ambitioniert: Im vergangenen Geschäftsjahr konnte Delivery Hero zwar den Umsatz von 166 auf 297 Millionen Euro fast verdoppeln, schrieb aber mit Verlusten von 195 Millionen Euro tiefrote Zahlen.

Ob Delivery Hero sich und seinen Aktionären mit der sportlichen Bewertung einen Gefallen getan hat, ist morgen ab 9 Uhr auf dem Frankfurter Börsenparkett zu besichtigen.

Kochbox-Anbieter Blue Apron stolpert an die Börse

Die Vorzeichen haben sich zumindest in den vergangenen Tagen deutlich eingetrübt. So könnte Amazons 13,7 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Whole Foods den boomenden Essenmarkt kurzfristig beflügeln – genau in der Zeit der Übernahme lief auch die Zeichnungsfrist für Aktien von Delivery Hero an.

Doch nach wenigen Tagen war die Euphorie schon wieder verflogen, wie der Börsengang des Kochbox-Anbieters Blue Apron beweist, der seine Preisspanne beim IPO erst um 34 Prozent zusammenstrich und die Aktien bei 10 Dollar dann zu Tiefkursen zuteilte.

Vapiano legte Fehlstart an der Börse

Für die weitere Rocket-Beteiligung Hello Fresh, die exakt das Geschäftsmodell der Zutatenlieferungen in Kochboxen verfolgt, sind das keine guten Aussichten, zumal Hello Fresh nach dem 2015 überraschend geplatzten Börsengang  als nächstes IPO nachgeschoben werden soll.

Auch die Aktien eines anderen Essenanbieters wollen Anlegern an der Börse nicht so recht schmecken. Zu Wochenbeginn strebte die Restaurantkette Vapiano an die Börse – und liegt nach wenigen Handelstagen bereits unter dem Ausgabekurs.

Internet- und Techaktien schwer unter Druck

Für Delivery Hero trüben sich die Aussichten unterdessen durch die schwache Performance der Internet- und Technologieaktien, die sich seit Mitte Juni unter Abgabedruck befinden. Die Technologiebörse Nasdaq verlor heute weitere 2 Prozent an Wert, während die hoch gewetteten FAAMG-Aktien (Facebook, Apple, Amazon, Microsoft und Google) mitunter noch stärker in die Tiefe gerissen werden.

Ein veritabler Sommersturm ist an der Börse heraufgezogen: Ob er auch dem Essens-Lieferdienst Delivery Hero einen schweren Börsenstart beschert, ist morgen ab 9 Uhr zu besichtigen. Rocket-Aktionäre zumindest machen sich offenkundig bereits größere Sorgen und haben ihre Anteilsscheine in den vergangenen drei Handelstagen schon wieder um 10 Prozent auf rund 19 Euro fallen lassen.

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