Anzeige

„Team Wallraff“ verliert vor dem Hamburger Landgericht gegen Helios-Klinik

Investigativ-Journalist Günter Wallraff begibt sich mit seinem Team undercover auf die Suche nach Missständen
Investigativ-Journalist Günter Wallraff begibt sich mit seinem Team undercover auf die Suche nach Missständen

Im Streit um eine Krankenhaus-Reportage in der RTL-Reihe "Team Wallraff - Reporter undercover" hat das Hamburger Landgericht der Klage einer Klinik des Helios-Konzerns stattgegeben. Der Klinik-Konzern wollte mehrere Sequenzen einer Episode unter Feststellung unlauterer Methoden untersagen lassen.

Anzeige
Anzeige

Die RTL Television GmbH und die Produktionsfirma InfoNetwork dürfen das mit versteckter Kamera in dem Krankenhaus aufgenommene Filmmaterial nicht erneut veröffentlichen oder verbreiten, sagte die Vorsitzende der Pressekammer, Simone Käfer, am Freitag in der Urteilsverkündung. Die RTL-Reihe mit Aushängeschild Günter Wallraff hat sich zum Ziel gesetzt, mit versteckter Kamera Missstände in Unternehmen oder anderen Einrichtungen offenzulegen.

Der Klage sei damit in vollem Umfang stattgegeben worden, sagte Käfer. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig. RTL kündigte an, in die Berufung zu gehen. „Wir nehmen das heutige Urteil des Landgerichts Hamburg im Rechtsstreit zwischen Helios und RTL zur Kenntnis und weisen darauf hin, dass wir dessen ungeachtet eine andere Rechtsauffassung haben“, sagte RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer der Deutschen Presse-Agentur. „Da wir von der Rechtmäßigkeit unserer journalistischen Arbeit überzeugt sind, werden wir in die nächst höhere Instanz gehen und weiter selbstbewusst für unsere Sache streiten.“

Anzeige

Für den Beitrag „Katastrophale Missstände in deutschen Krankenhäusern“ hatte das „Team Wallraff“ in einer Wiesbadener Klinik des Helios-Konzerns, der wiederum zu Fresenius gehört, gefilmt. Die Sendung war im Januar 2016 auf RTL zu sehen. In einer ersten Stellungnahme nach der Ausstrahlung hatte die Klinik Missstände eingeräumt und diese mit dem damals noch laufenden Integrationsprozess des Krankenhauses in den Helios-Konzern begründet.

Undercover-Recherchen hatten den Kölner Journalisten Günter Wallraff in den 70er und 80er Jahren berühmt gemacht. Der 74-Jährige ist Teil des „Teams Wallraff“.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Ich wünsche mir, dass das Team Wallraff noch lange recherchiert und Missstände
    in Unternehmen aufdeckt. Ich kann bzgl. Krankenhausrecherche, Pflgekräftemangel u.s.w. nur aus eigener Erfahrung berichten da ich in diesem Berufsfeld arbeite, es ist die Realität und leider zunehmend.
    Im Dienstleistungssektor Krankenpflege geht es inzwischen nur noch um Fallpauschalen, Gewinnoptimierung u.s.w. Die Zeiten der Florence Nightingale sind schon lange vorbei. Ich finde es sehr bedenklich dass Krankenhäuser zum Teil Stationen schließen müssen weil kein Pflegepersonal mehr vorhanden ist. Entweder sie kündigen, hängen ihren Beruf, welcher einmal ihre Berufung war ,an den Nagel, weil sie ausgebrannt sind und-/oder unter den Bedingungen denen sie ausgesetzt sind mehr arbeiten können und auch nicht mehr arbeiten wollen oder gehen in Teilzeitarbeit ( um sich zu schützen) um später in der Altersarmut zu landen oder oder oder. Laut Statistik, verlässt eine examinierte Pflegekraft nach dreijähriger Ausbildung spätestens nach 7 Jahren diese Beruf und macht etwas ganz anderes weil die Belastungen einfach utopisch zunehmen.
    Da wird auch keine herbeigezauberte Pflegekammer etwas ändern. Personalbemessungsgrenze in Krankenhäuser……..WER legt die denn fest? Bestimmt keine Krankenschwester/Pfleger die täglich ihren „Dienst“ am Bett verrichtet. In den Medien wird sehr oft über Intensivstationen, Seniorenheime, Behinderteneinrichtungen gesprochen. Leider wenig über eine ganz „normale“ Bettenstation. Bei 35 multimorbiden Patienten, stehen 2 exam. Pflegekräfte gegenüber, die ihr Bestes geben um die Patienten angemessen zu versorgen.
    Dass dieser Zustand absolut fahrlässig ist, dürfte mittlerweile jeder Klinikleitung/ Heimleitung klar sein.
    Wenn ich dann noch bedenke, ein ungelernter Karosseriepfleger einer Autofirma bekommt für seine Arbeit MEHR Gehalt als eine Pflegekraft die 3 Jahre Ausbildung hatte und mit und am Menschen arbeitet. Ich betone MENSCHEN.
    Dass das Wallraff Team in solchen Dingen unterwegs ist, finde ich sehr gut. Natürlich wollen sich viele mit der Realität nicht auseinandersetzen , aus welchen Gründen auch immer aber sie ist da und bedarf Aufmerksamkeit und Aufdeckung der etwaigen Missstände. Nur so kann sich etwas verändern.

    1. Pressefreiheit als Mittelverfremdung um Einschaltqouten zu generieren. Gerade im Fall von den Misshandlungen in der Behinderteneinrichtung sollte man das Team strafrechtlich wegen unterlassener Hilfeleistung verfolgen. Da ist erkennbar dass RTL und Team Wallraff die Opfer in Gänze egal sind. Eine schlimme Entwicklung im Journalismus und eine Schande für unsere Demkoratie.

      1. Das ist völliger Schwachsinn. Leider bleibt kein anderer Weg um Mißstände aufzudecken. Dabei bin ich der Meinung ist es legal zumindest für die Zeit der Ermittlungen das Leid noch zu dulden. aber eins ist Fakt danach wird sich vielleicht etwas ändern und andere Einrichtung werden wach.
        Leider bringen offizielle Anzeigen garnichts, weil die unter dem Tisch gekehrt werden und nicht weiter verfolgt werden. Da arbeiten sogar Staatsanschaften und Justiz zusammen um Mißstände zu vertuschen. Also muss man andere Wege finden, und das ist akzeptabel, wenn den Betroffenen damit geholfen werden kann.

  2. Ach ja, Richterin Käfer mal wieder, man kennt das schon. In der nächsten Instanz wird das Urteil kassiert. Gewiss, solange diese Dame die Zensurkammer leitet, kann sich das LG Hamburg über mangelnde Arbeit nicht beklagen. Aber peinlich ist das schon, was Käfer da treibt.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*