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Spiegel, stern & Co. nicht immer kostenlos: die missverständliche Kommunikation von Amazon Prime Reading

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Diese Pressemitteilung hat das Zeug zum Standardbeispiel-Text für Kommunikations-Seminare: Wortreich kündigte Amazon am Donnerstag den Start von Amazon Prime Reading an – eine Art digitale Leihbibliothek für Bücher, Comics und auch Magazine. Namentlich schmückt sich die PM u. a. mit Spiegel, stern, Happinez und Focus. Nachfragen in den Verlagen zeigen jedoch: Nur sehr selten werden die Kunden kostenlos in den Genuss der Top-Magazine kommen.

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Wie aus den Verlagen zu hören ist, sehen die Deals mit Amazon bei den meisten Häusern so aus, dass es nur ab und an ausgewählte Inhalte kostenlos zum Schmökern geben wird. Alles andere wäre auch eine radikale Abkehr der bisherigen digitalen Vertriebsstrategien der Medienhäuser gewesen.

So erläutert beispielsweise Markus Hüßmann, Managing Director Bauer Xcel Media, gegenüber MEEDIA, dass der Amazon-Deal für sein Haus nur „eine weitere Vertriebsplattform im ePublishing Business“ sei. „Über Amazon haben Kunden die Möglichkeit, unsere Bauer-Zeitschriften im Abo oder im Einzelverkauf käuflich zu erwerben. Die Konditionen sind genauso wie bei anderen externen Vertriebs-Plattformen, zum Beispiel Google oder Apple. Wie auch bei Google oder Apple haben wir Amazon je Titel eine selektierte Einzelausgabe für einen beschränkten Zeitraum kostenlos zur Verfügung gestellt (Free-Trial).“ Auch für Gruner + Jahr ist Amazon nur „einer von vielen Wegen“ bei den neuen digitalen Vertriebskanälen.

Auch der Spiegel ist „nicht Teil einer Amazon-Flatrate“, wie ein Sprecher gegenüber MEEDIA erklärt. „Im Rahmen des neuen Amazon Newsstands wird der Spiegel mit dem Ziel beworben, neue Abonnements zu gewinnen, die regulär von den Kunden bezahlt und von Amazon verwaltet werden. In diesem Zusammenhang sind in ausgewählten Zeiträumen auch kostenlose Testhefte verfügbar, wie beispielsweise in der aktuellen Startwoche.“

Tatsächlich hat Amazon in seiner Kommunikation nicht behauptet, dass die Magazine alle immer kostenlos zu lesen sein werden. So ist von einer „wechselnden Auswahl an Hunderten von Kindle eBooks, Magazinen, Kurzgeschichten, Comics, Kinderbüchern und mehr“ die Rede – „kostenlos und unbegrenzt“. Allerdings liest sich die Darstellung von Alessio Santarelli, Kindle Content Director EU bei Amazon, die ebenfalls Teil der Amazon-Pressemitteilung war, doch auch anders: „Mit Prime Reading ist Amazon Prime noch besser geworden. Mitglieder können nun unlimitiert und kostenlos auf Magazine, Comics und Hunderte von Büchern zugreifen, darunter auch Bestseller wie „Harry Potter und der Stein der Weisen“. Von einer „wechselnden Auswahl“ ist da jedoch nicht mehr die Rede. Viele Medien berichteten bereits über das neue Angebot (auch MEEDIA).

Nach welchem Rhythmus Amazon nun die Magazin-Inhalte in seiner Leihbibliothek kostenlos zur Verfügung stellt, ist nicht bekannt. Eine entsprechende MEEDIA-Anfrage bei dem US-Konzern blieb bislang unbeantwortet.

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