Die Autoren wurden nicht eingeladen: Von Wolffsohn bis Blüm – diese Leute debattieren bei „Maischberger“ über die Antisemitismus-Doku

Zwei der Diskutanten bei Sandra Maischberger zum Thema Antisemitismus-Doku: WDR-Mann Jörg Schönenborn (l.) und der Historiker Michael Wolffsohn (r.)
Zwei der Diskutanten bei Sandra Maischberger zum Thema Antisemitismus-Doku: WDR-Mann Jörg Schönenborn (l.) und der Historiker Michael Wolffsohn (r.)

Am heutigen Mittwoch zeigt die ARD im Ersten um 22.15 Uhr nun doch die umstrittene Antisemitismus-Dokumentation "Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa" von Sophie Hafner und Joachim Schröder. Der Film sollte eigentlich bei Arte laufen. Wegen angeblicher handwerklicher und weil der Film anders ausfiel als bestellt, wollten Arte und WDR ihn zunächst nicht zeigen. Zu der "Maischberger"-Diskussion zum Thema wurden die Autoren des Films nach eigenen Angaben nicht eingeladen.

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Arte und WDR gerieten unter Druck, nachdem Bild.de den Film in einer nicht hundertprozentig fertiggestellten Fassung 24 Stunden lang zeigte. Danach teilten die beiden öffentlichen Sender zunächst mit, sie wollten gegen Bild nicht vorgehen, wollten die Film aber auch nicht durch ein nachträgliches Zeigen „legitimieren“. Mittlerweile war der Film dann auch bei YouTube gelandet. Nun wird „Auserwählt und ausgegrenzt“ doch im Fernsehen gezeigt, und zwar am heutigen Mittwoch im Ersten um 22.15 Uhr. Im Anschluss daran wird bei „Maischberger“ um 23.45 Uhr über „Israelhetze und Judenhass: Gibt es einen neuen Antisemitismus?“ sowie den Film und seine „handwerklichen Mängel“ diskutiert. Gäste bei Sandra Maischberger sind:

Der Historiker Michael Wolffsohn, der den Film als „herausragend“ lobt und sich auch bereits bei Bild entsprechend geäußert hat.

Der Psyhcologe und Extremismusexperte Ahmad Mansour, der die Macher des Films beraten hat.

Die Journalistin Gemma Pörzgen, die den Film für „propagandistisch“ hält.

Der frühere Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU), der sich in der Vergangenheit stark für die Belange von Palästinensern eingesetzt und Militäraktionen Israels scharf kritisiert hat.

Rolf Verleger, ehemaliges Mitglied im Zentralrat der Juden in Deutschland, der den Film für einseitig und unsachlich hält.

WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn, der die Sichtweise seines Senders erklären soll. Die Doku wurde vom WDR zunächst abgenommen, später wurden „handwerkliche Fehler“ attestiert.

Nicht eingeladen wurden offenbar die beiden Autoren des Films, Sophie Hafner und Joachim Schröder. Letzterer erklärte gegenüber der FAZ , WDR und Arte hätten seit sechs Monaten nicht mehr mit ihnen gesprochen. Der WDR habe ihnen lediglich einen Fragenkatalog übermittelt, der binnen drei Tagen beantwortet werden sollte. Auf die Antworten sei dann aber auch keine Reaktion mehr erfolgt (kostenpflichtiger Blendle-Link zum Interview der FAZ mit Jochen Schröder).

Update: Der WDR antwortete auf eine MEEDA-Anfrage, ob und warum die Autoren des Films nicht eingeladen wurden schriftlich und ohne Nennung des Zitatgebers: „Nein. Redaktionell liegt der Schwerpunkt der Diskussionsrunde nicht auf einer detaillierten Auseinandersetzung mit dem Film, sondern auf dem eigentlichen Thema der Dokumentation, dem Antisemitismus. Dazu haben wir mit Ahmad Mansour auch einen an dem Film beteiligten Gesprächspartner zu Gast.“

Neben der „Maischberger“-Sendung veranstaltet das Grimme-Institut ebenfalls eine Debatte zu der Doku, und zwar am morigen Donnerstag, 22. Juni, in der Volkshochschule Bonn. Beginn dieser Debatte ist um 19 Uhr, sie wird live bei WDR.de im Internet übertragen und am Sonntag, 25. Juni, um 11.25 Uhr noch einmal im WDR Fernsehen gezeigt. Vor der Debatte am Donnerstag wird vor Ort um 17.30 Uhr der Film nochmals aufgeführt.

Bei der Grimme-Veranstaltung diskutieren:

Fritz Wolf und René Martens, beide freie Journalisten, Medienkritiker und erfahrende Grimme-Preis-Juroren

Frauke Gerlach, Direktorin des Grimme-Instituts

die Schriftstellerin und Journalistin Mirna Funk

und noch einmal Jörg Schönenborn als Vertreter des WDR.

Die Grimme-Diskussion wird moderiert von Radiomoderator Volker Wieprecht.

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Alle Kommentare

  1. Der beschämende Vorgang ist, dass die Autoren des Propagandastreifens wissentlich die Regeln gebrochen haben und dann scheinheilig die Freiheit für ihre Agitation fordern.

    JEDER weiss, dass man vor der Bundestagswahl keine Doku ausstrahlen kann, die eine Character Assasination auf den sozialdemokratischen Spitzenkandidaten Martin Schulz ist. Ein Mann nebenbei, der im Europaparlament zu den israelfreundlichsten Parlamentariern gehört aber zugleich die wundersame Eigenschaft hat alle Rechten zur Weißglut zu treiben, da ist die israelische Rechte keine Ausnahme.

    Betrachten wir doch mal kritisch, wen der Film protegiert, etwa den umstrittenen Publizisten Tenenbom, der in Deutschland vor allem durch die neue Rechte bekannt ist, und wen er antagonisiert: Sämliches EU und UN Engagement in Palästina, die europäische Diplomatie, das Europaparlament mit seinen über 600 Abgeordneten, junge Antiimperialisten aus Berlin, Martin Schulz, Frau Groth von den Linken, deren Engagement gegen Wasserverschmutzung bösartig verunglimpft wird, evangelische Hilforganisationen, deren Gründer Martin Luther sowieso, hat ja der Julius Streicher gesagt, palästinensische Grenzbehörden, die geschmuggelten Alk vernichten, Naomi Klein, Roger Waters und und und. De ganze Welt is nit verrickt.

    Es scheint verständlich dass man der rechten Agitation keine Bühne geben darf und diese Produzenten nach diesem Autodafé nie wieder einen Fuß in die Anstalten setzen sollten. Und nein, man braucht nicht mit Rechten zu diskutieren.

  2. Es ist jedesmal ein Genuss, die Intelligenz eines Michael Wolfssohn erleben zu dürfen !
    Norbert Blüm… – peinliche Vorstellung. Hatte m.E. mit seinen banalen Geschichtchen, wo er schon überall gewesen ist und was er erlebt hat… in dieser Runde nichts verloren. Er wäre besser als Assistent/Ko-Moderator von Vera bei Sendungen wie ‚Bauer sucht Frau‘ o.ä. aufgehoben.
    Mansour – Respekt !
    Tante Gemma konnte intellektuel nicht folgen.
    Under der seltsame Programmdirektor hat ggü.Wolfssohn ganz trostlos ausgesehen und sollte sich zutiefst schämen, offensichtlich nur eine Marionette übergeordneter Stellen zu sein.
    Nur der Titel der Doku gefällt mir nicht, i.e. ‚ Der Hass auf Juden in Europa‘.
    Ich sehe keinen erwähnenswerten Hass von Europäern ggü. Juden oder will es zumindest nicht wahr haben. Bestenfalls Neid, weil Juden nun mal die Cleversten und Erfolgreichsten sind – vergleichbar mit Sonder-/Hauptschülern, die Gymnasiasten nicht leiden können.
    Der Hass ggü. Juden rührt von dem moslemischen Geschmeiss her, was sich, Dank Merkel, hier in Europa zunehmend breit macht.
    Was hat mal einer gesagt: Die beste Waffe der Araber gg. die Juden bzw. alle Anderen ist die Gebärmutter Ihrer Verschleierten. Wir erleben es jetzt hautnah selbst.

  3. Sorry, aber es gibt ja kaum Juden in Deutschland. Deshalb wird dieses Thema für mich – sehr oft sogar wenn es um diese Gruppe und ihre deutschen Vertreter geht – einfach zu sehr aufgebauscht.

    Noch schlimmer finde ich die Gästeauswahl für die am Sonntag folgende Podiumsdiskussion zum Thema / Film am Grimme-Institut. Haben sich die Veranstalter eigentlich einmal die Schriften von Mirna Funk durchgelesen? Diese strotzen nur so von Abneigung und Verachtung von „alten weißen Männern“ und „Täter-Enkeln“ (Deutsche).

  4. Ist es live oder aufgezeichnet ? Einer der Teilnehmer wird sich auf Anfrage von Meedia dazu hoffentlich äussern.

    Viele Talkshows könnte und sollte man schon 18 Uhr online stellen. Dann kann man es beim Abend-Essen machen laufen lassen oder aufzeichnen und beim joggen oder Gassi gehen anhören. Nicht jeder guckt Vorabend-Programm oder bleibt bis 22 Uhr wach.

    Ich glaube hier gabs mal eine Politiker-Aussage das er nur noch an live-Talkshows teilnimmt weil er nicht will, das er Aussagen macht und dann weggeschnitten wird.

    Seit Jahrzehnten gibt es Talkshows. Welches Land wird davon besser und beispielsweise schuldenfrei und verwaltungskosten-minimal so wie in den letzten Jahren die US-Großkonzerne mit zigtausenden Entlassungen mitten im Wirtschafts-Wachstum ? Die haben sich schlank gespart und digitalisieren – endlich – alles was sich anbietet.

    Schön sind die Debatten mit vorheriger Aufführung der Dokumentation.
    Aber sowas muss endlich mal digital mit weltweiter Beteiligung erfolgen und De-Railing und andere Techniken aus dem Spiel genommen werden damit das ganze Volk !-konstruktiv-! diskutieren darf und nicht nur in paar ausgewählte Gäste welche oft genug nur ihre vorgegebene Meinung propagieren oder Wahl-Werbung machen wollen/sollen. Doch welches Land erlaubt die kostenlose Programmierung ? Das Grimme-Institut sollte sich überlegen ob man nicht besser mal was neues braucht statt Schuldenmacher und Lobbyisten wie bisher seit Jahrzehnten auf Kosten der Gemeinschaft mit oft wohl nur geringem Nutzen „debattieren“ zu lassen. Denn wo gehts dem Volk jedes Jahr besser ? Fast nur in China glaube ich. Die Erdölstaaten (Norwegen, Kanada, Mexiko, Saudi-Arabien, Emirate, Katar(?),…) werden den Tesla3 ab September vielleicht bald zu schmecken kriegen und immer weniger Öl verkaufen.

    In der kommenden Rezession wären Demokratie-verbessernde/stabilisierende Systeme schon ganz nett und hätten vielleicht schon Trump
    und Hillary Clinton verhindern können, wo man es hätte kostenlos programmieren dürfen.

  5. Wen wundert’s?

    Eine inhaltliche Auseinandersetzung ist dem WDR doch gar nicht gelegen. Eine Diskussionsrunde um einen umstrittenen Beitrag ohen einen Macher des Beitrags – da streiten Blinde über Farben.

  6. Ein schönes Beispiel, wie es zugeht bei öffentlich-rechtlichen Sendern. Ich finde zwar die Doku nervt in Art, Sprache und Behauptung ABER diese Autoren haben es wenigstens geschafft, die ganze Presse auf ihre Seite zu ziehen und dem Sender zu widerstehen. Egal, ob man es speziell bei diesem Film gut findet, es ist sehr mutig. Das traut sich die ganze freie Produzenten-Schar nicht, während diese hunderte Tochterfirmen und ABleger von Tochterfirmen es gar nicht nötig haben. Ob die Autoren jemals wieder einen Auftrag für irgendwas bekommen? Das Monopol (Oligopol) schlägt g n a d e n l o s zurück auf „Verräter“.. Wir sind alle „Verräter“, wenn wir offen legen (würden), was da alles abgeht, was die sich trauen, was die machen ohne dass es auch nur eine interne Kontrollfunktion gibt oder gar eine anonyme Beschwerdestelle. Entscheider auch über Budgets und Honorare, schotten sich ab, schicken einfache Redakteure oder Mitarbeiter vor, die noch stolz darauf sind, die freien Zulieferer und Arbeiter von Programm für die Sender regelrecht abzuzocken. Ein Trauerspiel. Und „die Politik“ schaut zu, sondert –
    wie nach den FFA-Studien über massive Frauendiskriminierung im gesamten ÖR Rundfunk/Fernsehen – ein paar Sätze ab und pennt weiter. Und die KEF? Die will nichts von all dem hören. Der Herr ist genervt, wenn man ihn anspricht. Die Rundfunkräte sind vollkommen sinnlos. Von massiver Diskriminierung der Frauen oder Abzockerei, Dumpinglöhne etc. haben DIE sicher noch nix gehört, jedenfalls hat kein einziger Rundfunkrats-Mensch dazu Stellung genommen. Statt dessen durfte Intendant Bellut vor kurzem erst wieder eine feine Veranstaltung mit den Herren und Frauen machen.. daheim.. in Mainz… Und die Medien? Sind zu totalen Schnarchnasen verkommen.. Vermutlich fühlen sie sich mit den Sendern im gleichen Boot. Sind es aber nicht, denn sie bekommen ebenso wenige satte Gehälter und Pensionen aus Milliarden Gebührengeldern wie wir. Trotzdem steigen sie nicht ins Boot der Bürger sondern (ver)schweigen die Zustände. Ausnahme: Antisemitismus-Doku. Traurig, sehr traurig werthe Medien.

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