#trending: Der Postillon, Peter Crouch und seine Giraffen-Familie, Wonder Woman und Otto Warmbier

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Guten Morgen! Trend Nummer 1 am Montag war die Hitze. Und Eiscreme. Und ein Ende ist bis zum Wochenende nicht in Sicht. In den sozialen Netzwerken spielte das Wetter hingegen keine Rolle, sondern stattdessen vor allem eine herrliche Satire des Postillons zum Thema Cristiano Ronaldo, Bayern München und Steuern.

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#trending // News & Themen

Der Postillon ist eins der größten Phänomene der jüngeren deutschen Medien-Historie. Mehrfach pro Woche gelingt es dem Satire-Blog von Stefan Sichermann, in Sachen Likes und Shares sämtliche Artikel journalistischer Medien hinter sich zu lassen. Am Montag gelang das besonders eindrucksvoll: Mit dem lustigen Text „FC Bayern reagiert auf Ronaldo-Wechsel-Gerüchte: „Steuersünder haben bei uns keinen Platz“ sammelte Der Postillon in wenigen Stunden mehr als 65.000 Interaktionen bei Facebook und Twitter ein, schon nach zwei Stunden hatte man sämtliche am Montag von deutschsprachigen Medien veröffentlichten Artikel hinter sich gelassen. Ein großartiges Zitat aus der Satire: „‚Wir sind ein anständiger Verein‘, so Hoeneß. ‚Und da passt so ein Ganove wie der Cristiano Ronaldo einfach nicht rein. Da kann er noch so gut spielen und uns noch so oft aus der Champions League kegeln. Steuersünder haben bei uns keinen Platz.‘

Zu den meistbeachteten journalistischen Themen zählten am Montag noch einmal der getötete Matador (am erfolgreichsten: Bild), der Anschlag auf Muslime in London (am erfolgreichsten: n-tv), die gefloppte Anti-Terror-Demo in Köln (am erfolgreichsten: Jakob Augsteins Kommentar bei Spiegel Online), sowie der Tod eines Elefanten-Babys im Kölner Zoo (am erfolgreichsten: der Express).

#trending // Social Media

Ein Thema, das die Menschen am Montag im Netz recht wenig interessiert hat, war der Confederations Cup. Zwar werden viele Millionen das Auftakt-Match des deutschen Teams im ZDF gesehen haben – mehr dazu in meiner TV-Quoten-Analyse ab ca. 9 Uhr an dieser Stelle -, doch im Internet war das Interesse gering. Kein einziger der 100 Artikel deutschsprachiger Medien, die am Montag in den sozialen Netzwerken die meisten Interaktionen geholt haben, hatte mit dem Confed Cup zu tun.

Ich habe mir mal angeschaut, welche der deutschen Spieler erfolgreich in den sozialen Netzwerken sind. Interessant: Nur 14 der 21 Kicker verfügen über eine offizielle Facebook-Seite. Spieler wie Sandro Wagner verzichten hingegen bewusst auf Social Media. Unter den 14 aktiven Fußballern erreichen Marc-André ter Stegen und Julian Draxler die meisten Pagelikes: 2,37 Mio. bzw. 1,87 Mio. Der Grund: Die beiden sind in Barcelona bzw. Paris aktiv, sorgen so für internationales Interesse. Ebenfalls stark: die beiden weiteren Legionäre Mustafi und Can, die ebenfalls im Ausland spielen. Der erfolgreichste Post zum ersten Spiel gelang Julian Draxler: „Guter Start in den Wettbewerb“ sammelte bis Mitternacht rund 7.000 Interaktionen ein.

Bleiben wir noch kurz beim Fußball: Den wahrscheinlich erfolgreichsten Tweet seines bisherigen Lebens setzte der englische Fußballer Peter Crouch am Montag ab. Crouch, der seine besten Zeiten als Fußballer bereits hinter sich hat, erhielt wegen seiner Körpergröße von über 2 Metern des Öfteren den Spitznamen „Die Giraffe“. Mit seinem Tweet zeigte er viel Selbstironie – und erreichte in nur sechs Stunden mehr als 270.000 Likes und Retweets. Aber sehen Sie selbst:

#trending // Wahljahr 2017

Nicht allzu erfolgreich war im Internet auch das am Montag vorgestellte Steuerkonzept der SPD. Martin Schulz holte mit seinem entsprechenden Post immerhin rund 3.000 Interaktionen, landete damit aber nur auf Platz 7 aller deutscher Politiker-Posts. Über 5.100 Likes & Co. sammelte hingegen Sahra Wagenknecht ein, die auf Facebook vor allem eins macht: Wahlkampf gegen die SPD. „Hasenfuß Martin Schulz“ würde auf eine „Vermögensteuer für Superreiche“ verzichten, Wagenknecht hingegen fordert die „Rückgabe von enteignetem Vermögen. Millionärsteuer jetzt!“ Plakativer Populismus zieht in den sozialen Netzwerken nunmal mehr als komplexe Konzepte.

#trending // Entertainment

Der Superheldinnen-Film „Wonder Woman“ ist zum großen Popkultur-Phänomen des bisherigen Jahres 2017 geworden. Nach grandiosen Kino-Zahlen rund um die Welt stieg er am Wochenende auch in Deutschland auf Platz 1 der Charts ein. Weltweit setzte „Wonder Woman“ bereits 571,8 Mio. US-Dollar um – und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Was dem Erfolg aus gesellschaftlicher Sicht eine gewisse Wichtigkeit verleiht ist die Tatsache, dass es ein Film mit einer weiblichen Superheldin ist, der auch noch von einer Regisseurin inszeniert wurde. Regisseurin Patty Jenkins und Hauptdarstellerin Gal Gadot wagten sich auf traditionell sehr männliches Territorium vor – und das mit riesigem Erfolg. Wie sehr kleine Mädchen „Wonder Woman“ als neues Role Model wahrnehmen, zeigt ein sehr erfolgreicher Tweet von Jenkins. Und auch Gal Gadots Ehemann ist sehr stolz auf seine Frau:

Gal Gadot and Wonder husband.More movie trivia ➡️ https://9gag.com/gag/aADBROE/sc/superhero?ref=fbsc

Posted by 9GAG on Samstag, 17. Juni 2017

#trending // Worldwide

Der Fall Otto Warmbier erreichte am späten Montagabend deutscher Zeit eine weitere Eskalationsstufe: Der junge US-amerikanische Student starb nach seiner Rückkehr in die USA mit Hirn-Verletzungen, die er sich in der Haft in Nordkorea zuzog. Die Meldung wurde schnell zur meistdiskutierten der jüngsten 24 Stunden in den USA. Die meisten Interaktionen generierte auf Facebook Fox News, zudem Dan Rather, die BBC und TMZ. Hoffen wir, dass die Mächtigen in den USA und Nordkorea Warmbiers Tod nicht zum Anlass für weitere Eskalationsstufen nehmen.

#trending // Deutsche Tops des Tages

Story nach Social-Media-Interaktionen: Der Postillon – „FC Bayern reagiert auf Ronaldo-Wechsel-Gerüchte: ‚Steuersünder haben bei uns keinen Platz‘“ (65.000 Interaktionen bei Facebook und Twitter)

Story nach Likes & Shares bei Twitter: Der Postillon – „FC Bayern reagiert auf Ronaldo-Wechsel-Gerüchte: ‚Steuersünder haben bei uns keinen Platz‘“ (2.200 Retweets und Likes)

Story bei Blendle (nach Likes): Focus – „Die Kunst des klugen Essens

Google-Suchbegriff: „Deutschland Australien“ (50.000+ Suchen)

Wikipedia-Seite: Helmut Kohl(40.200 Abrufe)

Youtube-Video: LeFloid – „Die schlimmste Challenge im Internet… egal was ihr tut – TUT DAS NICHT!

Song (Spotify): Luis Fonsi – „Despacito – Remix“ (371.600 Stream-Abrufe aus Deutschland am Sonntag)

Musik (Amazon): Helene Fischer – „Helene Fischer“ (Audio CD)

DVD/Blu-ray (Amazon): „Fifty Shades of Grey – Gefährliche Liebe (Unmaskierte Filmversion“ (DVD)

Game (Amazon): „Crash Bandicoot N-Sane Trilogy“ (PlayStation 4)

Buch (Amazon): Rolf Peter Sieferle – „Finis Germania“ (Gebundene Ausgabe) [wegen des Skandals um die „Sachbücher des Monats“]

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Alle Kommentare

  1. Lieber Herr Schröder,

    als Initiator des Vorschlages eines neuen Lastenausgleiches
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/1-7-billionen-euro-miese-so-entkommt-deutschland-der-schuldenfalle-a-711589.html
    möchte ich feststellen, dass nicht die Besteuerung von Vermögenszuwächsen, sondern die Zusatz-Besteuerung hoher Einkommen „platter Populismus“ ist.

    Österreich hat 2012 einen Teil meines Vorschlags als Gesetz verabschiedet und besteuert seitdem Vermögenszuwächse beim Verkauf von Immobilien.

    Hohe Einkommen als Angestellter sind in Deutschland bereits sehr hoch besteuert. Der entscheidende Punkt sind aber die Immobilien: Wer etwa in München, Hamburg, Köln, Frankfurt, Stuttgart eine 4-Zimmer-Wohnung oder ein EFH besitzt, hat eine vedoppeltes verfügbares monatliches Nettoeinkommen.

    In München etwa kann eine 4-köpfige Familie mit 150.000 brutto nur knapp durchkommen, da sie ja keine Sozialwohnung bekommt und in KITA und Waldorfschule Höchstsätze bezahlt. Dazu kommt 4x ÖPNV, ebenfalls als Vollzahler.

    Nicht Wagenknecht, Schulz und die SPD verbreiten hier platten Populismus, denn nicht die wenigen Hochverdiener, sondern 20 Millionen Erben und Beamte sowie von allen Steurn und Sozialabgaben befreite Wohlhabende sind die Begünstigten des ungerechten Systems, in dem Einkommen zu hoch, Besitz zu niedrig besteuert wird.

    Auch die Einbeziehung von Selbständigen und Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung hat in unseren Nachbarländern zu Renten deutlich über Sozialhilfeniveau geführt.

    Auch das möchte die SPD nicht, wohl aber die Linkspartei.

    Die Linkspartei betreibt eben keinen platten Populismus – und hat daher auch keinen Erfolg bei den Wählern, die ja größtenteils selbst von den Privilegien profitieren.

    Als langjähriger Kapitalist und Aktionär kann ich den Einschätzungen und Vorschlägen von Sahra Wagenknecht fachlich nur zustimmen, denn die Bevorzugung von Erben und Beamten behindert die Innovation und die Aufstiegschancen von tüchtigen Unternehmern und Jugendlichen.

    Wir sind wieder eine Feudalgesellschaft, die von CDU/CSU, Grünen, SPD und FDP mit allen Mitteln aufrecht erhalten wird.

    Das war aber nicht die Idee der sozialen Marktwirtschaft, an deren Anfang eben 1952 das Lastenausgleichsgesetz stand, in dem alle Immobilien mt 50% belastet wurden.

    Das Ergebnis war das Wirschaftswunder.

    1. Ohnehin ist es ratsam, Wertungen wie „plakativer Populismus“ zu vermeiden. Gerade wenn es ums Geld geht, werden mit diesem rhetorischen Plattmacher nur allzu oft Vorschläge und Ideen denunziert, die an den Privilegien der Elite kratzen könnten.

      Es ist aber keineswegs grundsätzlich falsch, was den Interessen einer Mehrheit dienlich ist, im Gegenteil. Und es ist nicht die Aufgabe von Journalisten, vorauseilend die Interessen ihrer Arbeitgeber oder „der Wirtschaft“ zu verteidigen.

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