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Millionenschweres Anzeigenminus: Polnische Firmen boykottieren Medien von Axel Springer Ringier

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Ob Axel Springer, Burda oder Bauer - deutschen Verlagen drohen in Polen harte Einschnitte. Grund hierfür ist, dass die Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ Medienhäusern per Gesetz ihre dominante Stellung streitig machen will. Dagegen stemmt sich Marc Walder, Ringier-CEO und Verwaltungsrat des Joint Ventures mit der Berliner Axel Springer SE in Osteuropa. Für ihn und Axel Springer kommt ein Verkauf von Zeitungen, Zeitschriften oder Internetportalen nicht infrage, obwohl regierungsnahe Unternehmen bei dem Joint Venture derzeit keine Anzeigen schalten.

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In Polen wird das Klima für deutsche Medienunternehmen rauher. Die dortige Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ PIS fordert, dass ausländische Firmen nur noch einen Anteil von 30 Prozent an polnischen Medien halten dürfen. „Seit Monaten läuft eine Diskussion über die Änderung des Mediengesetzes. Konkret geschehen ist bisher nichts, aber wir nehmen das äusserst ernst», erklärt Marc Walder, Ringier-CEO und Verwaltungsrat von Ringier Axel Springer Media, in der Neuen Zürcher Zeitung. Dennoch bekommt das Gemeinschaftsunternehmen bereits erste Auswirkungen zu spüren. So würden staatsnahe Unternehmen in Polen nicht mehr in Medien des Joint Ventures inserieren. „Das kostet uns schnell Millionen Euro“, sagte der Manager. Axel Springer Ringier verlegt in Polen über 13 große Pressetitel, darunter neben Fakt das Nachrichtenmagazin Newsweek Polska.

Doch Walder bleibt hart. Das Gemeinschaftsunternehmen wolle sich nicht aus Polen zurückziehen. „Ich schliesse kategorisch aus – und dies gilt auch für Axel Springer –, dass wir uns in Polen von unseren Zeitungen, Zeitschriften oder Internetportalen trennen wollen, weder von einzelnen noch von allen. Wir wollen auch in Polen wachsen“, erklärt der Ringier-CEO. In Branchenkreisen heißt es, dass deutsche Medienunternehmen stark verunsichert sind. Sie hoffen, dass die EU-Kommission Einfluß auf die Regierungspartei nimmt, um den Kurs zu ändern. Denn Brüssel hat Polen in den vergangenen Jahren mit Milliardenhilfen unterstützt. Es könne daher nicht sein, dass die PIS investitionsfeindliche Bedingungen für ausländische Medienfirmen durchsetzen will, heißt es aus Branchenkreisen.

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In Osteuropa haben sich in der Vergangenheit die Bedingungen für hiesige Verlagshäuser massiv verschlechtert. So hatte erst vor zwei Jahren Russland seine Mediengesetze verschärft. Kremlchef Wladimir Putin verbot ausländischen Unternehmen, mehr als 20 Prozent an dortigen Verlagen zu halten. Viele namhafte Investoren zogen ihre Konsequenzen. Darunter die Axel Springer SE. Der Berliner Konzern zog sich hier nach zehnjähriger Tätigkeit Mitte 2015 zurück und verkaufte die Anteile an seiner russischen Tochtergesellschaft, die Titel wie OK! und Geo verlegte. Von neuen Mediengesetzen wären neben Axel Springer hierzulande auch andere Zeitungs- und Zeitschriftenhäuser betroffen. Dazu zählen auch die Bauer Media Group, die Münchener Hubert Burda Media sowie der Verlag der Passauer Neuen Presse.

Besonders betroffen wäre Bauer, obwohl der Verlag hier keine politischen und meinungsstarken Produkte herausgibt. Dennoch ist das norddeutsche Traditionshaus dort einer der führenden Zeitschriftenverlage des Landes. Jedes Jahr verkauft Bauer in Polen mit mehr als 30 Titeln rund 300 Millionen Exemplaren. Die Hamburger besitzen hier fünf der zehn der meistverkauften Titel. Zudem betreibt das Printhaus mit der RMF Group den größten Hörfunkanbieter des Landes. Darüber hinaus sind die Norddeutschen mit der Interia.PL Group eine Größe im Internetgeschäft. Mehr als 150 Websites und Dienste zählt hier das Unternehmen. Betroffen wäre auch Hubert Burda Media. Das Münchener Zeitschriftenhaus gibt in Polen 26 Zeitschriften heraus – darunter Gala, Burda, Glamour, Elle sowie Focus. Auch für den Verlag der Neuen Passauer Presse könnte das so genannte Re-Polonisierungsgesetz einen schweren wirtschaftliche Schaden bedeuten. Das Unternehmen publiziert in Polen 23 Regionalzeitungen.

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