Warum ausgerechnet Fox News zum Verlierer der Trump-Ära wird

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Es ist eigentlich das bestmögliche Szenario für Fox News: Nach acht Jahren werden die USA wieder von einem republikanischen Präsidenten regiert, der sich zudem mit Fox-Großaktionär Rupert Murdoch gut versteht. Doch der Schein trügt: Seit Beginn der Trump-Präsidentschaft verzeichnet Fox teilweise rückläufige Einschaltquoten und fiel im Mai bei der Kernzielgruppe erstmals hinter MSNBC und CNN zurück. Donald Trump braucht Fox News als Kommunikationskanal nicht mehr – er hat Twitter.

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Die Schwarz-Weiß-Logik bleibt auch nach inzwischen vier Monaten der Trump-Präsidentschaft intakt. Im Weltbild des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gibt es die bösen Fake News-Medien (CNN, die New York Times, Washington Post, inzwischen aber auch ABC und NBC) – und es gibt Fox News.

Seit Anfang Juni tauchte der erzkonservative Nachrichtensender 12 Mal in Donald Trumps Twitter-Feed auf – und zwar ausschließlich mit positiver Konnotation.

Mal retweetet der US-Präsident Kurznachrichten von Fox News, die wiederum positiv über die Politik des US-Präsidenten berichten, mal wird auf ein Interview mit Präsidententochter Ivanka hingewiesen, mal unterstreicht Trump explizit, wie gut ihm die Berichterstattung bei Fox News gefällt.

Trump und Fox – das passt einfach, sollte man meinen. Schließlich pflegen der US-Präsident und Medienmogul Rupert Murdoch, der Fox News über sein Film- und Fernsehkonglomerat 21st Century Fox kontrolliert,  so etwas wie eine Männerfreundschaft.

Fox News fällt unter Trump in den Einschaltquoten zurück

Und doch: Profitieren kann ausgerechnet der prädestinierte „Haussender“ von Donald Trump nicht von seiner Präsidentschaft, wie ein Absturz der Einschaltquoten vor wenigen Wochen überraschend offenbarte.

Wie AdWeek ermittelte, fiel Fox News Mitte Mai zur Hauptsendezeit zwischen 20 und 23 Uhr erstmals seit 17 Jahren in der Kernzielgruppe der 25- bis 54-Jährigen auf den dritten Platz zurück – hinter MSNBC und CNN. (Auf Tagesbasis erzielte Fox News weiter die höchsten Einschaltquoten.)

Der Autor Jared Yates Sexton (New York Times) erklärt das vermeintliche Paradoxon in seinem neuen Buch „The People Are Going to Rise Like the Waters Upon Your Shore“, das im September erscheint. Sextons These: Trump ist es durch seine ständige Twitter-Präsenz gelungen, Fox News als gewohnte Kommunikationsplattform konservativer Politik zu umgehen.

Trump operiert über Twitter ohne Filter – und macht Fox News damit überflüssig

Und mehr noch: Trump habe Fox News‘ sensationslüsterne Berichterstattung längst übertroffen. „Über Jahre hat Fox News Schlagzeilen mit einer ungesunden Dosis von rassistischer Hetze und Paranoia versehen, aber es gab immer noch einen Anstrich von Zivilisiertheit, egal wie dünn sich  der Sender dahinter zu verstecken versuchte“, analysiert Sexton bei The Daily Beast.

Trump dagegen operiere ohne Filter und habe seine Anhänger so an sich gebunden, dass der Sender überflüssig geworden sei, folgert Sexton.

Fox News hat zudem mit internen Problemen zu kämpfen: Die Aushängeschilder Megyn Kelly und Greta van Susteren wechselten zu NBC und MSNBC, während der erzkonservative Nachrichtensender zuletzt durch mehrere Sexismus-Skandale seiner Moderatoren für Negativ-Schlagzeilen gesorgt hatte.

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