Außenbüros auf dem Prüfstand: FAZ-Chef Thomas Lindner baut Stellenvermarktung um

FAZ-Geschäftsführer Thomas Lindner
FAZ-Geschäftsführer Thomas Lindner

Unruhe in der Vermarktungsorganisation der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Das Frankfurter Verlagshaus reorganisiert die Anzeigenvermarktung für den Stellenmarkt. Dabei stehen die Außenbüros - unter anderem in Berlin, Düsseldorf, Hamburg sowie München - auf dem Prüfstand. Hintergrund ist, dass Verlagschef Thomas Lindner ein neues Konzept umsetzen will.

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Die Anzeige war nicht zu übersehen. Großflächig sucht die Frankfurter Allgemeine Zeitung seit zwei Wochen nach Senior-Beratern für „Employer Branding & Recruiting“, die den Stellenmarkt der überregionalen Tageszeitung vermarkten sollen. Seitdem das Gesuch in eigener Sache auf dem Markt ist, herrscht unter den Mitarbeitern massive Unruhe. Denn Verlagschef Thomas Lindner will den Bereich neu ausrichten. Er plant die Vermarktungssparte, auf eine „lösungsorientierte Beratung und den Verkauf von individuellen Kommunikationskonzepten“ umzubauen. Betroffen hiervon ist vor allem der Bereich „Employer Brand“. Gemeint sind damit imagepflegende Anzeigen, die Unternehmen schalten, um im Kampf um qualifizierte Fachkräfte die besseren Karten zu haben.

Betreut wird dieses Segment unter anderem von FAZ-Mitarbeitern, die in Außenbüros in Berlin, Düsseldorf, Hamburg oder München sitzen. Zwei neue Beraterpositionen sollen zwar die Mannschaft verstärken. Wo diese aber künftig arbeiten werden, ist hingegen noch ungewiss. Denn mit dem neuen Vermarktungskonzept stellt Geschäftsführer Lindner die derzeitige Standortstruktur auf den Prüfstand. „Mit den jetzigen Mitarbeitern der Vermarktung des Stellenmarktes sind wir aktuell in Gesprächen zur neuen Struktur und den neu geschaffenen Positionen. Eine Entscheidung zu den Standorten haben wir noch nicht getroffen“, erklärt eine FAZ-Sprecherin auf Anfrage von MEEDIA. In FAZ-Kreisen wird befürchtet, dass sich Lindner von einem großen Teil der Außenbüros trennt, um die Arbeit stärker auf den Verlagssitz zu konzentrieren. Indiz hierfür ist, dass das Medienhaus den Verkauf von Recrutinganzeigen Print und Online „künftig zentral von Frankfurt aus betreiben“ will, so eine Unternehmenssprecherin.

Dass die FAZ den Bereich neu ausrichtet, liegt unter anderem am harten Wettbewerbsumfeld. Immer stärker werden Fachkräfte über Online-Börsen wie Monster, Stepstone oder auch Karriere-Netzwerke wie Xing vermittelt. Dadurch sind in den vergangenen Jahren die Anzeigenumsätze vieler Printhäuser zweistellig zurückgegangen. Die FAZ koppelt sich hiervon ihrer Meinung nach ab. „Im Recrutinggeschäft ist der Stellenmarkt leicht rückläufig, wohingegen der Frankfurter Allgemeine Hochschulanzeiger und die digitale Vermarktung von Arbeitgeberkampagnen auf FAZ.net und in Apps erfreulich zulegen“, betont eine FAZ-Sprecherin.

Die FAZ ist nicht das einzige Verlagshaus, dass seine Vermarktungorganisation jüngst umbaut. Erst vor zwei Wochen gab der Münchner Magazinverlag Condé Nast bekannt, dass er alle Außenbüros in Deutschland – unter anderem in Düsseldorf, Hamburg, Frankfurt, München und Stuttgart – schließt und die Arbeit auf den Firmensitz in München fokussiert. Verantwortlich hierfür sind unter anderem nachlassende Vermarktungsumsätze in dem hart umkämpften Anzeigensegment für Premiumtitel. Branchenkenner gehen davon aus, dass weitere Medienhäuser dem Vorbild von Condé Nast folgen werden.

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