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„Manchmal gibt es Wichtigeres als Nachrichten“: Warum die Titelseite des Hamburger Abendblatts heute ohne Bilder und Artikel daherkommt

„Hamburg, hilf!“, so Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider (Foto) in seinem Leitartikel
"Hamburg, hilf!", so Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider (Foto) in seinem Leitartikel

Kein Aufmacherbild, keine Kolumne oder überhaupt Meldungen – das Hamburger Abendblatt erscheint heute mit einer minimalistischen Titelseite. Die Schlagzeile: "Manchmal gibt es Wichtigeres als Nachrichten". Das Thema: die vielleicht "schlimmste humanitäre Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg." Die Botschaft: "Hamburg, hilf!", so Chefredakteur Lars Haider in seinem Leitartikel.

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„Wir müssen etwas tun. Heute. Jetzt.“, steht auf der fast ausfüllend weißen Titelseite geschrieben. „In Afrika und dem Jemen sind mehr als 23 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht.“

Das Hamburger Abendblatt widmet sich in seiner heutigen Ausgabe der vielleicht „schlimmsten humanitären Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg“. Doch, die Aktion in allen Ehren: Trotz des thematischen Schwerpunkts, dem zwei (fast) ausfüllende Seiten eingeräumt werden – ein Artikel zu einer Konferenz zur Zukunft Afrikas im Politik-Ressort und ein Interview mit Welthungerhilfe-Chef Till Wahnbaeck, ein Appell des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und die Auflistung zahlreicher Spendenkonten – finden sich auch die vermeintlichen Nachrichten-Dauerbrenner wie Donald Trump im Blatt.

Warum, erklärt Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider in seinem ausführlichen und ehrlichen Leitartikel zu dem minimalistischen Titelblatt:

Wir alle, auch wir beim Hamburger Abendblatt, sind gefangen von dem, was in den USA passiert. Wir warten gespannt auf den nächsten Auftritt von Präsident Donald Trump. Wir schauen gebannt auf unseren wichtigsten europäischen Nachbarn Frankreich und dessen neue Lichtgestalt Emmanuel Macron. Wir beschäftigen uns mit den Briten und dem Brexit, mit dem Zustand der Europäischen Union, mit der Integration der Flüchtlinge, mit der bevorstehenden Bundestagswahl und in Hamburg mit G20.

All das seien wichtige Themen, natürlich, doch: „Bei all diesen wichtigen Nachrichten bleibt, auch im Hamburger Abendblatt, zu wenig Platz für die katastrophale Lage der Menschen in anderen Regionen.“, schreibt Haider. So sei etwa der Appell von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der „Gemeinsam gegen die Hungersnot“ kämpfen will, besonders heute so wichtig, „weil die Krisen in Afrika und im Jemen es schwer haben, in die Schlagzeilen zu kommen.“

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Aber warum nimmt sich eine Hamburger Tageszeitung der Krise an? „Es gab in Hamburg in den vergangenen Jahren kaum ein Problem, das sich mit Ihrer Hilfe nicht hat lösen lassen“, schreibt Haider. „Ich behaupte: So ein selbstloses Engagement gibt es in kaum einer anderen (deutschen) Stadt.“ Man wisse zwar, dass man die „verheerende Hungersnot“ in Afrika und im Jemen nicht allein lösen könne. „Aber wir können einen starken Beitrag leisten, und dazu möchten meine Kollegen und ich Sie heute ermuntern. Bitte spenden Sie! (…) Helfen wir, so gut wir können. Jetzt.“

Auch Die Welt kompakt fährt mit Afrika-Titel auf

Auch die heutige Welt kompakt widmet sich auf zwei Seiten dem Thema: „Warum uns Afrikas Zukunft nicht egal sein sollte“ – beim Mutterblatt ist Afrika ebenfalls Thema, allerdings wesentlich nachrichtlicher. Die Schlagzeile: „Merkel will Afrika zum neuen China machen.“ Ein Ausrufezeichen wird hier, buchstäblich oder bildlich, nicht gesetzt.

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