„Befremdlich“, aber „kein Einwand“: Arte äußert sich zu Leak der Antisemitismus-Doku durch Bild

Szene aus der Dokumentation „Auserwählt und Ausgegrenzt“
Szene aus der Dokumentation "Auserwählt und Ausgegrenzt"

In der Nacht zu Dienstag veröffentlichte Bild die umstrittene Judenhass-Dokumentation, die Arte und WDR seit Wochen unter Verschluss halten, und betrat damit rechtlich unklares Terrain. Denn die Rechte für die Erstausstrahlung liegen bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten. Nun äußerte sich der Sender Arte, der den vom WDR in Auftrag gegebenen Film eigentlich ausstrahlen sollte, zu Wort. Das Vorgehen der Bild sei "befremdlich", man habe aber keine Einwände.

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„Arte hat zur Kenntnis genommen, dass Bild.de die Dokumentation ‚Auserwählt und Ausgegrenzt. Der Hass auf Juden in Europa‘ in eigener Verantwortung online gestellt hat. Auch wenn diese Vorgehensweise befremdlich ist, hat Arte keinen Einwand, dass die Öffentlichkeit sich ein eigenes Urteil über den Film bilden kann“, heißt es in einer Stellungnahme, die der deutsch-französische Sender am Dienstagvormittag veröffentlicht hat.

Diese Stellungnahme ist überraschend und souverän zugleich. Freilich hätte Arte gegen die Veröffentlichung rechtliche Maßnahmen ankündigen können. Die Frage ist allerdings, was dies genau gebracht hätte. Die Bild hatte bereits in der Nacht angekündigt, die Dokumentation nur 24 Stunden zu zeigen. Dass sich in der Zeit ein Gericht gefunden hätte, das vor Ablauf dieser Frist eine Unterlassung ausspricht, ist höchst unwahrscheinlich. Zudem hätte dies den Eindruck und Kritik erhärtet, dass Arte dem Zuschauer nicht zutraut, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Eine Klage wegen Verletzung der Urheberrechte, die Bild offenbar nicht hat, wäre auf lange Sicht zwar möglich, würde in einigen Monaten allerdings wieder mediales Aufsehen erregen, an dem der Sender in diesem Fall kein Interesse haben kann.

Arte wird Dokumentation nicht zeigen, WDR hält sich bedeckt

Trotz der Veröffentlichung hält Arte an seiner bisherigen Position fest. Der Sender kann und will den Film „jedoch nicht durch eine eigene Ausstrahlung nachträglich legitimieren“, heißt es weiter. Dabei hält der Sender weiter an den bisherigen genannten Gründen fest. Der Film sei angeliefert worden, ohne dass Arte über „gravierende“ Abweichungen vom Konzept informiert worden sei. „Eine solche Vorgehensweise kann Arte in diesem wie in jedem anderen Fall nicht akzeptieren.“

In dem Statement reagierte der Sender auch auf Stimmen, die an den genannten Gründen zweifeln: „Die Unterstellung, der Film passe aus politischen Gründen nicht ins Programm ist schlichtweg absurd: Der ursprünglich von der Programmkonferenz genehmigte Programmvorschlag sah ausdrücklich das Thema des unter dem Deckmantel der Israelkritik versteckten Antisemitismus vor – entsprechend der editorialen Linie von Arte als europäischer Sender aber nicht im Nahen Osten, sondern in Europa.“ Nach allem, was bisher bekannt ist, hält Arte die Erstausstrahlungsrechte an der Dokumentation. Das hat der WDR am Dienstag noch einmal bestätigt, weshalb er selbst keine weitere Stellungnahme abgeben will.

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